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Hagenower Kreisblatt

24. November 2017 | 02:44 Uhr

Tag und Nacht an der Schaufel

vom

svz.de von
erstellt am 06.Jun.2013 | 06:47 Uhr

Lübtheen | Aufhalten, reinschippen, wegtragen. Im Sekundentakt füllen sich am Großen Sandberg auf dem Truppenübungsplatz in Lübtheen die Sandsäcke. Etwa 300 Soldaten des Panzergrenadierbataillons sind hier seit Mittwoch im Einsatz. Pausenlos. Sogar nachts. Dafür haben die Männer Lichtmasten von der Bundeswehr und vom THW aufgestellt. "Wir sehen ja jetzt täglich im Fernsehen, was vor Ort an der Elbe passiert", sagt Kompaniechef Sven Scharnitzki. "Da lohnt es sich für jeden, den wir retten können." Seit sechs Uhr morgens ist der Hauptmann mit seiner Kompanie Am Sandberg. Die Soldaten arbeiten in Dreiergruppen. Jeder weiß, was zu tun ist. Zugführer Marco Berger-Müller war schon bei der Flut 2002 dabei. "Damals haben wir in der Kiesgrube in Nau Kaliß Sand geschippt." Der Einsatz hier in Lübtheen sei noch die Anfangsphase. "Da gibt es noch Ruhezeiten, man kann im Schatten kurz was trinken." Später, draußen am Deich, könnte die Lage angespannter werden.

Die 30 000 Sandsäcke, die die Soldaten bis gestern Vormittag gefüllt haben, lagern am Waldrand auf Paletten. Für den Transport ist auf dem Truppenübungsplatz ein Kreisverkehr eingerichtet worden. Pausenlos kurven hier Lkw und Busse durch den Staub. Die Laster fahren die Säcke zur Elbe, die Busse bringen die Soldaten ins Quartier. Die vierte Kompanie ist gestern gar nicht mehr zurück in die Kaserne. "Die Soldaten haben ihre Schlafsäcke hier ausgerollt und drei Stunden im Wald geschlafen", sagt Sven Scharnitzki. Sein Telefon klingelt. Das Lagezentrum des Bataillons aus Hagenow ist dran. "Wir müssen Marschbereitschaft herstellen", sagt der Hauptmann und ruft den Soldaten zu, ihre Rucksäcke zu schnüren. "Die 5. Kompanie rückt gleich ab nach Heiddorf." Dort erwarte man an der Müritz-Elde-Wasserstraße einen Rückstau aus der Elbe.

Die anderen Soldaten schaufeln weiter. Der Spieß bringt ihnen das warme Mittagessen, aus der Ferne rollt ein Laster mit Dixi-Toiletten heran.

Demnächst soll der Sandberg auf dem Truppenübungsplatz an freiwillige zivile Rettungskräfte, wie zum Beispiel Feuerwehren, übergeben werden. "Die Bundeswehr hat nur den Anfang gemacht, weil hier viele Helfer schnell verfügbar waren", sagt Oberleutnant Gerrit Schütt. Am Deich sei die Bundeswehr mit ihrer Struktur noch besser einsetzbar. Im Bataillon stellt man sich auf einen längeren Hilfseinsatz ein. "Mit dem Aufbau am Deich ist es nicht getan", sagt Hauptmann Sven Scharnitzki. Aufräumen, abbauen, nachbereiten - das könne schon eins, zwei Wochen dauern. Auf den Urlaub, den viele im Juni eingereicht hatten, müssen die Soldaten jedenfalls verzichten.

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