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Hagenower Kreisblatt

18. Dezember 2017 | 02:21 Uhr

Wittenburg : Sucht-Schicksale hinter Pappkarten

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Weil Jugendliche besonders gefährdet sind, abhängig zu werden, soll ein Projekt am Wittenburger Schulzentrum sie stärken: Drei Tage befassen sich die Mädchen und Jungen mit den Themen Süchten, Drogen und Prävention.

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2012 | 07:13 Uhr

Wittenburg | "Ich komme nur noch betrunken mit mir zurecht." Die Aussage des junges Mädchens schockt. Julia und ihre Mitschüler vom Wittenburger Schulzentrum schalten sofort und stufen den Fall als äußerst gefährlich ein. Dieses Mal ist es allerdings nur eine von vielen Pappkarten mit Sucht-Schicksalen, die einer Risikogruppe zugeordnet werden soll. Doch es könnte auch ein Schicksal aus dem Freundeskreis oder der Klasse sein, weshalb Schulsozialarbeiter Andreas Winkler und Karin Kasten, Koordinatorin im gymnasialen Teil, jetzt drei Tage dem Thema Suchtprävention gewidmet haben.

"Wir wollen die jungen Leute stark machen", sagt Karin Kasten. "Selbstbewusst genug, auch mal nein zu sagen; mit mir nicht." Ob Zigaretten, Alkohol oder illegale Drogen - gerade in dem Alter würden viele in die Clique wachsen und dabei ihre Grenzen austesten.

140 Schüler der 8. Klassen sprechen deshalb mit Patienten aus der Suchtklinik Tessin, mit der AWO-Suchtberatung Hagenow, der Polizei, einem Arzt, und arbeiten sich durch den Parcours der Lakost, der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung Mecklenburg-Vorpommern. Das erste Mal in diesem Umfang. Und auch, wenn die Mädchen und Jungen an diesen Tagen nicht offen über Alkohol- und Drogenmissbrauch sprechen, so weiß Andreas Winkler vom IB Nord-Südwestmecklenburg doch, dass es Themen sind, die immer wieder Schüler zu ihm führen. Sie vertrauen ihm an, dass sie sich um Mitschüler mit eben diesen Problemen sorgen, oder um sich selbst. "40 Prozent probieren in diesem Alter Drogen aus", zitiert er die Statistik. "Einige bleiben hängen." Doch soweit wollen er und die Lehrer der Schule es gar nicht kommen lassen in Wittenburg. Ab sofort soll in jedem Jahr ein Projekt zur Suchtprävention stattfinden. Um die Schüler dafür zu sensibilisieren, und alle Menschen um sie herum. Vor allem die Eltern, sagt Andreas Winkler. Sie seien besonders gefragt, weshalb es im kommenden Jahr auch einen Elternabend mit dem Präventionsbeamten der Polizei geben soll. Denn laut Statistik probieren mittlerweile schon Elf- und Zwölfjährige Drogen aus, so der Schulsozialarbeiter. Nicht selten würden Eltern das tolerieren. Dabei könnten sie strikt sagen: "Nein, Rauchen erst ab 18", sagt Andreas Winkler als Beispiel.

"Dabei brauchen wir diese Stimmungsaufheller gar nicht", erklärt Biologielehrerin Karin Kasten den Schülern. Der Mensch habe seine eigenen Opiate. Drogen schalten diese aus, indem sie die Botenstoffe blockieren, die Informationen über die Nervenzellen schicken. Nicht umsonst stünden die drei Tage unter dem Motto "Die Blödmacher" - ein Projekt, das Jugendliche fachlich und emotional ansprechen soll. Damit ihr Schicksal nicht eines von denen auf den Pappkarten wird.

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