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Hagenower Kreisblatt

23. November 2017 | 05:04 Uhr

Hagenow : Sturm „Xavier“ hinterlässt Chaos

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Mann bei Neu Karstädt durch umstürzenden Baum getötet. Etwa 35 000 Menschen in der Region ohne Strom. Bahn stellt Verkehr ein

von
erstellt am 05.Okt.2017 | 20:39 Uhr

Sturm „Xavier“ hinterließ auf seiner gestrigen Verwüstungstour nicht nur entwurzelte Bäume, heruntergefallene Dachziegel und versperrte Straßen, sondern sorgte auch für den Tod eines Mannes. Wie die Polizei mitteilte, hatte ein umgestürzter Baum in Neu Karstädt bei Ludwigslust einen Lkw getroffen. Der Fahrer soll dabei unbestätigten Meldungen zufolge getötet worden sein. Rettungskräfte hatten Mühe, ihn überhaupt in seinem Fahrzeug zu erreichen, um ihn zu bergen, da der Baum den Zugang erschwerte. Auch im Bereich Boizenburg wurden zwei Pkw und ein Lkw von herabstürzenden Ästen getroffen. Die Fahrer wurden dort glücklicherweise nicht verletzt.

Hagenower mit Mann und Maus im Einsatz

Die Einsatzkräfte waren landauf und landab im Dauerstress: Schon während gestern Nachmittag die Sturmfront durch die Region fegte, glühten bei Feuerwehren, Polizei und Rettungskräften die Telefonleitungen heiß. Alle acht Wagen raus zum Einsatz, hieß es beispielsweise bei der Feuerwehr in Hagenow. Hintergrund waren umgeknickte Bäume, die in der Region auf die Straßen gestürzt waren.

Unter anderem war die Bundesstraße 321 zwischen Bandenitz und Schwerin, die B 191 zwischen Ludwigslust und Neustadt-Glewe sowie in Eldena und die B 195 zwischen Boizenburg und Zarrentin voll gesperrt. Auch Nebenstraßen waren durch abgeknickte Bäume und Äste blockiert. Doch dank des unermüdlichen Einsatzes der Kameraden konnten viele Straßen rasch beräumt werden. So war die B 321 bereits kurz nach 17 Uhr schon wieder passierbar.

Dachziegel wehten von Boizenburger Kirche

Aber nicht nur Bäume mussten den Sturmböen nachgeben. In der Innenstadt von Boizenburg hatte der Sturm Ziegel vom Dach der St.-Marien-Kirche geweht. Zudem waren von mehreren anderen Häusern Dachteile heruntergefallen. Und auch Stromleitungen hatten keine Chance - orkanartige Böen und umstürzende Bäume sorgten für zahlreiche Stromausfälle.

Wie die Wemag Netz GmbH mitteilte, kam es ab dem frühen Nachmittag zu Versorgungsunterbrechungen im Großteil des Netzgebietes. Etwa 35 000 Kunden seien von Stromausfällen betroffen, hieß es vom Unternehmen. Die Störungen hätten sich über die Bereiche Westmecklenburg, Prignitz und Amt Neuhaus erstreckt. So mussten die Bresegarder und Lübtheener beispielsweise über Stunden ohne Strom ausharren.

35 000 Menschen ohne Strom

„Alle Mitarbeiter der Netzbereiche sind im Einsatz, um die Störungen zu beseitigen“, so der Netzbetreiber in einer ersten Mitteilung an unsere Redaktion. Das Vorhaben zögerte sich allerdings länger hinaus, als zunächst geplant. Durch die Straßensperrungen und umgekippten Bäume kamen die Mitarbeiter der Wemag teilweise erst verspätet zu ihrem Einsatzort.

„Der Sturm hat absolutes Chaos hinterlassen“, sagte Kreiswehrführer Uwe Pulss im SVZ-Gespräch. Das bekamen nicht nur Autofahrer zu spüren. Auch Bahnreisende saßen vielerorts fest. So erging es 219 Reisenden eines EC aus Prag, der kurz vor dem Bahnhof Pritzier auf freier Strecke stehen bleiben musste. Gut einen Kilometer vor dem Bahnhof waren mehrere Bäume auf das Gleis gekippt, hatten einen Betonmast gefällt und die Oberleitung heruntergerissen. Schnell stand fest, das wird Stunden dauern. Einsatzkräfte aus Pritzier, Bantin, Zarrentin und Hagenow und weitere Kräfte begannen früh, eine Evakuierung vorzubereiten. Das war alles andere als einfach, denn der Weg zur nahen Straße nach Lübtheen führte über ein verschlammtes Feld. Am späten Abend wurden dann die Reisenden mit einem ausgeräumten Einsatzfahrzeug und mit Traktorunterstützung erst zur Straße und dann weiter zum Gasthof Pritzier gebracht. Dort hatten Kräfte des Katastrophenschutzes, u. a. aus Alt Jabel, eine Versorgung aufgebaut. Wie es dann weitergehen sollte, war am Abend noch unklar. Viele Reisende, die eigentlich schon kurz nach 15 Uhr in Hamburg sein wollten, hatten die Idee, sich von Verwandten abholen zu lassen. Doch viele Straßen waren blockiert.

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