Hochwasserschutzprojekt bei Boizenburg : Streit um das Auenland an der Elbe

Elbaue mit Auwald bei Boizenburg.
Elbaue mit Auwald bei Boizenburg.

BUND kritisiert geplantes Hochwasserschutzprojekt bei Boizenburg - Minister weist Vorwürfe zurück

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10. November 2014, 13:08 Uhr

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Umweltministerium sind wegen eines geplanten Hochwasserschutzprojekts bei Boizenburg in Streit geraten. Nach Angaben der Umweltschutzverbände von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sollen an verschiedenen Stellen Auwälder im Deichvorland der Elbe gerodet werden. Der BUND sieht dadurch mehr Hochwassergefahren für sogenannte Unterlieger wie beispielsweise Lauenburg. Umweltminister Till Backhaus wies die Kritik zurück.

Nach Darstellung des BUND sollen in einem zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen abgestimmten Verfahren Bäume im Deichvorland gerodet werden, weil sie angeblich zu einem Aufstau von zu erwartenden Hochwassern führen. Bei Boizenburg ist demnach in den nächsten Monaten ein sogenanntes Pilotverfahren an der Einmündung von Sude und Boize in die Elbe geplant. Ein Weißweidenauwald von 5,6 Hektar Ausdehnung solle dort abgeholzt werden.

„Die geplante Vernichtung von Auwäldern ist dem angestrebten Ziel eines verbesserten Hochwasserschutzes tatsächlich kaum dienlich. Auwälder haben bei Hochwasserereignissen unzweifelhaft eine hochwertige Schutzfunktion. Sie dämpfen den Wellenschlag und verhindern, dass die reißende Strömung des angeschwollenen Flusses bis an die gefährdeten Flussdeiche heranreicht und vermindern so die Erosion. Bei winterlichem Eisgang fangen sie die Eisschollen vor den Flußdeichen ab“, sagt Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin im BUND Mecklenburg-Vorpommern.

Sie verweist darauf, dass die Auwälder als seltener Lebensraum und Heimat vieler bedrohter Arten grundsätzlich unter Schutz stehen und die betroffenen Flächen darüber hinaus als Naturschutzgebiete oder als Schutzareale nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU ausgewiesen sind.


BUND: Flutraum stetig eingeengt


Es sei zwar richtig, dass Auwälder den Abfluss des Hochwassers verzögerten, das dann tatsächlich höher auflaufe, erklärt Dr. Heinz Klöser, Naturschutzexperte beim BUND. Die prekäre Lage sei allerdings dadurch entstanden, weil seit Jahrhunderten der Flutraum der Flüsse durch immer weitergehende Eindeichungen so weit eingeengt worden sei. Die Ausweisung geeigneter Flächen als neues Flutgebiet komme aber nur schleppend oder gar nicht voran. „Wenn man jetzt glaubt, das Wasser lieber schneller abzuführen, werden die Zeche dafür jedesmal die Unterlieger zahlen, die so tief am Meeresniveau liegen, dass ein weiteres Abführen der Wassermassen nicht mehr möglich ist“, warnt Klöser.

Lauenburg wird nach Einschätzung des BUND sehr wohl an den Folgen der Abholzplanungen zu leiden haben. „Aus Sicht der schleswig-holsteinischen Stadt ist die Rückhaltung des Hochwassers durch die bedrohten Auwälder eine ausgesprochen positive Wirkung“, heißt es. Dass wertvolle Wälder nun leichtfertig vernichtet werden sollen, ohne dass eine für die Gesamtheit der betroffenen Bürger postulierte Schutzwirkung zu erkennen sei, sei ein Skandal, betont Klöser. Die Umweltschützer kritisierten außerdem die Behörden, die Abholzung im Deichvorland verharmlosend als „Waldumwandlung“ zu bezeichnen.

Für Umweltminister Backhaus steht ein Verzicht auf die Hochwasserschutzmaßnahmen nicht zur Debatte. Vor allem Buschwerk führe dazu, dass sich bei jedem Hochwasser das mitgeführte Sediment und Treibsel absetzten, sagt er. Alternativen wie höhere Deiche würden auch zu großen Eingriffen in das Ökosystem führen und wären ungleich teurer.

Laut Backhaus ist das Projekt an der Elbe derzeit im Genehmigungsverfahren. Die Stellungnahme des BUND werde in der Planung berücksichtigt, betont der Ressortchef. Vorgesehen sind demnach auch Ausgleichsmaßnahmen für den auf der Fläche bei Boizenburg geplanten Eingriff. „Hinzu kommt, dass die Fläche nicht vollständig abgeholzt wird. Einzelbäume und Baumgruppen werden erhalten“, sagt Backhaus.

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