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Hagenower Kreisblatt

18. November 2017 | 13:18 Uhr

Arbeitskampf in Toddin : Streik wird ausgesetzt

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Nach Sondierungsgespräch will Vorstand Schließungspläne überprüfen. Auch ein Zukunftskonzept soll für Standort erstellt werden

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 20:55 Uhr

Vor gut zwei Wochen war die Zukunft des Schmitz Cargobull Werkes in Toddin noch rabenschwarz. Der Vorstand des Konzerns wollte den Standort dicht machen. Es mache keinen Sinn mehr hier Fahrzeuge zu bauen, soll  Andreas Schmitz, Urenkel des Firmengründers und Vorstandsvorsitzender, auf einer Belegschaftsversammlung verkündet haben. Das wollte niemand in Toddin auf sich sitzen lassen. „Wir schreiben schwarze Zahlen“, war immer wieder von Jens Kruszona, dem Betriebsratsvorsitzenden, zu hören. Die Fronten waren verhärtet.

Heute ist die Zukunft des Standorts nicht mehr rabenschwarz. Zugegeben rosig ist sie auch nicht, aber zumindest grau – und nach dem Sondierungsgespräch zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern Anfang der Woche in Schwerin vielleicht sogar hellgrau. Denn es gab eine Einigung, beide Seiten haben eine Absichtserklärung unterschrieben. „Wir sehen mit den Verhandlungsergebnissen gute Chancen den Standort zu erhalten“, sagt Stefan Schad von der Gewerkschaft IG Metall. Der Konzernvorstand habe erklärt den Standort hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Erhaltung zu überprüfen. Am Ende soll dann ein Zukunftskonzept für Toddin herauskommen.

Sechs Stunden hatten Vertreter des Unternehmens und der Gewerkschaft zusammen mit dem Betriebsratsvorsitzenden verhandelt. „Es waren sehr sachliche Gespräche“, sagt Kruszona im SVZ–Gespräch.  „Nach einer guten halben Stunde haben wir  gemerkt, dass es für uns in die richtige Richtung geht.“ Beide Seiten hätten sich dann zurückgezogen und eine Erklärung vorbereitet, über die  verhandelt worden sei. „Erstaunlich: Der Arbeitgeber hat zugestimmt, dass unser Papier die Grundlage ist. Bis Ende August wollen wir alles für das Zukunftskonzept zusammentragen.“ Darin gehe es dann unter anderem um die Neuausrichtung bei bestimmten Produkten und auch Investitionen. „Das ist ein absoluter Erfolg.“  Jens Kruszona ist offensichtlich ein Optimist, der niemals aufgibt. Ende April, kurz nachdem der Vorstand die Schließungspläne bekannt gab, sah er die Chancen für den Standort Toddin bei 50/50. Mitte Juni, da hatte das Arbeitsgericht dem Vorstand weitere Schritte in Richtung Schließung untersagt und die Streikaktionen für rechtens erklärt, lagen sie für ihn bei 60/40. Und heute sagt er: „Die Chancen, dass der Standort erhalten bleibt, stehen bei 70 zu 30.“ Gesichert ist er dennoch nicht.

„Der Kampf ist noch nicht beendet“, sagt darum auch Hans-Georg Frericks von der IG Metall. „Stichtag ist der 26. September, dann findet die nächste Aufsichtsratssitzung statt. Geht da der Daumen runter, müssen wir weiter kämpfen.“ Und auch bis zu der Sitzung kann noch viel passieren. So könnten die Gespräche und die Zusammenarbeit beim Zukunftskonzept jederzeit beendet werden. „Das ist kein Ehevertrag auf Ewigkeit“, so Frericks. Dennoch sei das Ergebnis des Sondierungsgesprächs ein Novum. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass schon mal eine vom Vorstand beschlossene Schließung zur Diskussion gestellt wird. Normalerweise heißt es einfach: Basta!“

Aber nicht nur der Vorstand bewegte sich. Auch die Gewerkschaft und die Mitarbeiter machten Zugeständnisse – mussten sie vielleicht auch machen. „Wir möchten jetzt zeigen, dass wir leistungsfähig sind“, meint Jens Kruszona. Deshalb wurde heute im Streik–Camp darüber abgestimmt, den Arbeitskampf auszusetzen. Und die Belegschaft entschied sich die Produktion  aufzunehmen. Schon ab Donnerstag, mit Beginn der Frühschicht, werden wieder Lkw–Auflieger in Toddin produziert.

Zwar gibt es unter den Mitarbeitern noch ein paar Zweifler, der überwiegende Teil zeigte sich aber erleichtert. „Es ist ein sehr großer Erfolg für uns und ein Vorzeigeerfolg für die Region. Wir haben gezeigt, was man schaffen kann, wenn man zusammenhält“, so Ewald Glaser, der seit  26 Jahren in Toddin beschäftigt ist. Auch seine Kollegin Mandy Dahms lobt den Zusammenhalt: „Der Streik war eine ganz neue Erfahrung für mich. Wir sind dadurch als Team zusammengewachsen. Jetzt wollen wir arbeiten und zeigen, was wir können.“

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