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Hagenower Kreisblatt

18. Dezember 2017 | 10:15 Uhr

Straßenumbenennung sorgt für Zoff

vom

svz.de von
erstellt am 22.Aug.2013 | 05:15 Uhr

Waschow/Wittendörp | Die Umbennennung von Straßen in der Gemeinde Wittendörp scheint sich zu einer unendlichen Geschichte auszuweiten. Über die neuen Bezeichnungen in Pogreß, Harst, Boddin, Waschow, Dreilützow, hier insbesondere die Dorfstraße, Karft, Woez, Tessin, Luckwitz und Püttelkow abzustimmen, wurde von den acht Gemeindevertretern auf ihrer jüngsten Zusammenkunft in Waschow mit drei Ja-Stimmen, viermal Nein und einer Enthaltung inhaltlich abgelehnt. Die Umbenennung von Straßen in Döbbersen, Dodow, Dreilützow und Karft haben die Mandatsträger mit sieben Ja-Stimmen und einer Gegenstimme von der Tagesordnung abgesetzt. Für Bürgermeister Jürgen Nadzeika ein Abstimmungsergebnis, das den erklärten Willen der Ortsvorstände, die sich bereits über die Umbenennung geeinigt hätten, aufs Gröbste missachte.

Gespräche mit Ortsverbänden laufen seit anderthalb Jahren

"Seit etwa anderthalb Jahren reden wir mit den Ortsvorständen schon über dieses Thema. Drei Sitzungen hat es dazu bereits gegeben, mit der Bitte, in den Orten Einwohnerversammlungen einzuberufen, um Meinungen einzuholen", erklärt Nadzeika gegenüber der SVZ. Hintergrund sei ein Erlass des Innenministeriums M-V aus dem Jahre 2000, der auf die Notwendigkeit einer unverwechselbaren Bestimmungsortangabe dränge.

"Die Benennung von Straßen liegt in gemeindlicher Zuständigkeit. In einigen Ortsteilen unserer Gemeinde existieren Doppelungen von Straßennamen. Alleine die Dorfstraße gibt es elf Mal in den 14 Ortsteilen. Das soll und muss geändert werden, um unter anderem auch Rettungsfahrzeugen und Postzustellern die Erreichbarkeit nicht zu erschweren", betont Nadzeika. Im Zuge der Umbenennung werde auch gleichzeitig die notwendige Neuvergabe von Hausnummern durch die Amtsverwaltung geprüft. Allgemein anerkannt sei, dass wegen der akuten Verwechslungsgefahr ein Straßenname in einer Gemeinde grundsätzlich nur einmal vorkommen dürfe, stellte der Bürgermeister weiter klar.

Das sieht Dirk Dieckmann von der Wählergruppe "Allianz für Wittendörp" ganz anders. "Die Ortsvorstände sind in diese Umbenennung gedrängt worden, die doch eigentlich niemand will."

Bernd Ankele (SPD) brachte es für sich so auf den Punkt: "Dass wir alle nicht darüber glücklich sind, müssen wir nicht lang und breit diskutieren. Aber es ist wichtig, um in den Orten schneller gefunden zu werden."

Olaf Barkholdt, ebenfalls von der Wählergruppe "Allianz für Wittendörp", monierte die Eile, mit der das Thema angegangen werde. "Wir sollten uns nicht drängen lassen und in aller Ruhe entscheiden wie auch beschließen", empfahl er der Runde. In vier Ortsteilen ist übrigens keine Einigung über die Umbenennung erreicht worden. Der Ortsvorstand Dodow hat bereits im Januar 2012 die Beibehaltung der Bezeichnung Dorfstraße beantragt. Nach Informationen des Ortsvorstandes Döbbersen lehnen die Bürger eine Umbenennung ihrer Dorfstraße rigoros ab. Der Ortsvorstand Dreilützow besteht auf den Püttelkower Weg, den aber auch etwa 45 Einwohner und 15 Gewerbebetriebe in Karft weiterhin für sich beanspruchen. In Dreilützow wäre hingegen nur eine Adresse betroffen. Die Dreilützower haben aber auch selbst den Vorschlag gemacht, ihre Dorfstraße in Dreilützower Dorfstraße umzutiteln. Den Püttelkower Weg wollen sie auf jeden Fall behalten.

Das Thema wird vermutlich also weiter für Zoff sorgen

Das Thema wird vermutlich also weiter für Zoff sorgen. Der Woezer Frank Friedrichs bemerkte am Rande der abendlichen Diskussion, dass man sich als Gemeinde glücklich schätzen könne, in diesem Umfang ein Mitspracherecht eingeräumt zu bekommen. "Anderenorts würde eine solche Umbenennung einfach am grünen Tisch entschieden und fertig." Um nun ein wenig den Druck aus dem Kessel zu nehmen, hatte Bürgermeister Jürgen Nadzeika einen Einfall: "Ich habe schriftlich einen offiziellen Antrag an das Innenministerium gestellt, in der Adresse erst die Ortsbezeichnung und dahinter die Gemeinde Wittendörp zu setzen. Dann könnten alle Straßen so bleiben, wie sie es im Moment noch sind. Für uns wäre das die Möglichkeit, aus der Misere rauszukommen und das Problem zu lösen. Denn bisher haben wir wohl bis zu 25 Doppelungen insgesamt." Die Landesbehörde habe die Möglichkeit, darüber zu entscheiden. Ob sie es tun werde, wisse er, Nadzeika, jedoch nicht. "Sollte das Ministerium in Schwerin unseren Vorschlag ablehnen, müssen wir auf der Basis dessen, was bisher erarbeitet worden ist, versuchen weiterzumachen."

Nachfragen beim Ministerium für Inneres und Sport in Mecklenburg-Vorpommern ergaben gestern, dass eine offizielle Anfrage der Gemeinde Wittendörp bis gestern noch nicht eingegangen sei. Marion Schlender, die Pressesprecherin dieser Behörde, sagte: "Erst müssen wir den Eingang des Schreibens abwarten, dann können die möglichen Alternativen geprüft werden."

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