„Junggesellen“ auf Tour : Storchentreffen nahe Gothmann

Bild vom Schlafbaum der Weißstörche.
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Bild vom Schlafbaum der Weißstörche.

Experte: Eigentlicher Storchenzug hat noch nicht begonnen / Wer hat Ansammlungen der Vögel in der Region beobachtet?

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16. Juli 2014, 17:47 Uhr

Mindestens 10 Störche auf den Wiesen zwischen Boizenburg und Gothmann, so lautete Mittwoch Abend die Nachricht von Steffen Hollerbach. „Das war für mich nicht überraschend, denn in den letzten Tagen wurden bereits mehrfach in dem Raum zwischen Boizenburg und Neu Bleckede Gruppen von bis zu 25 Weißstörchen gesehen. Eine halbe Stunde später wurde die Zahl jedoch konkretisiert: mit dem Fernglas wurden exakt 56 Störche in dem weiträumigen Grünlandareal gezählt, für mich Grund genug die Gartenarbeit sausen zu lassen und schon ging es los in Richtung Gothmann“, schrieb uns gestern der Lübtheener Storchenexperte Helmut Eggers. Weiter heißt es: „Die Störche verloren sich wirklich auf der großen Fläche. Mit dem Spektiv versuchten wir gemeinsam, die beringten Störche in dieser Gruppe ausfindig zu machen und die Ringe abzulesen.

Durch solche Ringablesungen kann man die Zusammensetzung solcher Ansammlungen aufklären. Wenngleich die ältesten Jungstörche bereits zu ersten Flugübungen abheben, ist momentan nicht davon auszugehen, dass der eigentliche Storchenzug bereits begonnen hat. Dazu ist es noch etwas zu früh im Jahresverlauf, erst Anfang August beginnt das Zuggeschehen. Es war damit zu rechnen, dass es sich bei dem beobachteten Trupp vorwiegend um Nichtbrüter handelt, also Störche die noch keine Nestbindung haben, man könnte sie auch als Junggesellen bezeichnen.
Konnte dies auch durch die erfolgten Ablesungen der Ringe bestätigt werden? Im Prinzip waren unsere Annahmen richtig. Dabei war der 2012 in Groß Bengerstorf beringte Storch HH 263, aus demselben Jahrgang stammt HK 373. Er erblickte in dem Storchendorf Rühstädt das Licht der Welt. Dagegen stattete der Storch HH 254 seiner Heimat einen Besuch ab. Er wuchs ebenfalls 2012 in dem Nest bei Kohls in Gothmann auf, nur wenige hundert Meter von seinem jetzigen Aufenthaltsort. Auch ein einjähriger Storch aus Timkenberg war dabei. Noch vor kurzem hatte man angenommen, dass Störche im ersten Lebensjahr nicht bis in die Brutheimat zurückkommen. Durch Ringablesungen ist dies längst widerlegt.

Sehr interessant sind aber die Ablesungen von zwei polnischen Störchen in dieser Gruppe. Der eine ist ebenfalls 2-jährig und stammt aus der Region nordwestlich von Warschau. Noch ein internationaler Vertreter ist „PRAHA YA 015“. Dieser hat sich der Gruppe aber wohl nur zeitweilig angeschlossen, denn er ist schon mehrere Jahre Brutstorch auf der anderen Elbseite, in diesem Jahr in Radegast.
Solche Storchengruppen sind dort zu finden, wo genügend Nahrung zur Verfügung steht. Diese Voraussetzung ist im Bereich zwischen Boizenburg und Neu Bleckede gegeben. Deshalb ist hier auch die Zahl der Brutpaare besonders hoch und es gibt sogar Neuansiedlungen von Storchenpaaren.
Diese Storchengruppe übernachtete mehrheitlich auf einer trockenen Eiche bei Neu Bleckede in der Nähe des Elbdeiches. Ein imposantes Bild.

Wenn in den nächsten Tagen und Wochen weitere Trupps von Störchen in unserer Region auftauchen, sind die Experten für eine sofortige Information dankbar. Wer Gruppen von Störchen ab 15 Exemplaren sehen, sollte sich bitte unter 038855 51009 oder 51617 melden. Jede dieser Gruppen kann interessante Einzelheiten zum Verhalten der Störche oder dem Zuggeschehen offenlegen.

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