Boizenburg : Sternfahrt von rechter Demo überschattet

Boizenburgs Stadtoberhaupt Harald Jäschke (l.) empfängt persönlich die Biker am Hafen, unter ihnen auch Rolf Christiansen (r.) und Bernd Ankele. Fotos: Thorsten Meier
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Boizenburgs Stadtoberhaupt Harald Jäschke (l.) empfängt persönlich die Biker am Hafen, unter ihnen auch Rolf Christiansen (r.) und Bernd Ankele. Fotos: Thorsten Meier

Sternfahrt pausiert am Sonnabend mit 154 Maschinen an Boizenburgs Hafen. Am frühen Nachmittag marschieren Neonazis durch Ort.

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07. Mai 2017, 21:00 Uhr

Sie sind gewiss auf ihrer Tour durch den Landkreis nicht zu übersehen, geschweige denn zu überhören: die 154 Maschinen, die sich am Sonnabend in der 12 Tagesstunde grollend ihren Weg zum Hafengelände bahnen. Die Sternfahrt für Toleranz und Demokratie pausiert bei Soljanka, Brötchen und Softeis. Vorneweg im Tross, der durch den Motorsportclub Grabow abgesichert wird, Landrat Rolf Christiansen auf einem Trike. „Ich bin seit Anbeginn, also schon zum 17. Mal, dabei. Gestartet haben wir diese Tour damals als Reaktion auf die Aufmärsche der NPD. Da wollten wir was dagegensetzen“, sagt der oberste Verwaltungschef als Mitbegründer sowie Schirmherr und vergisst nicht zu erwähnen, dass seit 2002 auch regelmäßig 20 bis 30 Biker aus dem Partnerkreis Borken mitfahren.

Mit einem Softeis in der Hand erholt sich Wittendörps Bürgermeister Bernd Ankele von den bisherigen Kilometern. „Flagge zeigen ist wichtig. Außerdem macht es einen Riesenspaß“, sagt er auf die Frage des Warums an dieser Sternfahrt. An der Gedenkstätte in der Hagenower Parkstraße hätten die Biker zuvor einen Kranz in stillem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismusses abgelegt, berichtet Ankele weiter. Von dort sei die Kolonne über Wittenburg und Zarrentin in die Elbestadt gelangt.

Hier werden die Frauen und Männer in ihren Leder- und Regenklamotten vom Stadtoberhaupt Harald Jäschke persönlich begrüßt, bevor sie ihre nächste Etappe nach Dömitz rollen lässt.

Dass sich während dieser Pausenzeit an der örtlichen Ziegenwiese ein Protestmarsch rechter Gesinnungsteilnehmer gegen die Bundesrepublik Deutschland formiert, bereitet dem Bürgermeister offensichtlich Unbehagen. „Ich krieg’ das kalte Grausen, wenn ich von solchen Demos höre. Viele von denen, die dort teilnehmen, informieren sich nicht objektiv.“


Polizei hat alle Hände voll zu tun


Für Boizenburgs Polizeichef Fredo Kreft bedeutet der nachmittägliche Auflauf der fast durchweg schwarz gekleideten Frauen, Mädchen, Männer und jungen Burschen jede Menge Stress und Arbeit. „Wir haben mit eigenen Leuten und durch die Unterstützung der Bereitschaftspolizei etwa 40 Beamte im Einsatz. Die wollen und müssen alle richtig postiert sein.“

Das martialische Getue samt dumpfer Parolen soll Aufmerksamkeit erzeugen und zugleich offenbar einschüchtern. Die mitgeführten Transparente verbreiten krudes Gedankengut, das nachweislich rechts angesiedelt ist. Die Sicherheitskräfte des Polizeireviers und der Bereitschaftspolizei sperren die Strecke für den Naziaufmarsch, den ein Teldauer Bürger angemeldet haben soll. Zwischenzeitlich wird es noch einmal kurz etwas hektisch und unruhig, als der Ordnungsmacht bekannt wird, dass etwa 30 Linksex-treme aus Hamburg angereist seien, um offenbar Randale gegen Rechts zu machen. Doch die Polizei kann beide Gruppierungen voneinander fern halten. Auf dem örtlichen Marktplatz gibt es später nur einen verbalen Schlagabtausch. „Sie haben sich nur lautstark beschimpft. Es ist dabei zu keinerlei körperlichen Auseinandersetzungen gekommen“, berichtet am Sonnabend Abend die Boizenburger Polizei auf SVZ-Nachfrage.

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