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A 24 Höhe Valluhn/Gallin : Statt Grenztrupps rollen Abrissbagger

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Laut Straßenbauamt Schwerin ist ein Abriss die beste Option. Die Gründe: zu schmal, zu alt, schlecht angebunden. Der Zustand sei schlecht, die Brückenprüfung hätte kurz bevor gestanden.

svz.de von
erstellt am 21.Jul.2013 | 07:36 Uhr

Valluhn/Gallin | "Matthias, ist gut." Polier Siegfried Stoll dirigiert sechs Bagger-Fahrer per Funk. Die Giganten rollen in der Nacht zu Sonntag rund um die alte Kolonnenbrücke an der A 24 Höhe Megapark Valluhn/Gallin. Stundenlang. Der Abriss-Trupp lockt Schaulustige an, die zusehen, wie ein Teil ihrer Geschichte zerbröckelt. Die Brücke dient nach Eröffnung der Autobahn 1982 den Grenztrupps im Sperrgebiet. Zuletzt sind dort nur noch Busse zwischen Valluhn und Gallin gefahren.

Laut Straßenbauamt Schwerin ist ein Abriss die beste Option. Die Gründe: zu schmal, zu alt, schlecht angebunden. Der Zustand sei schlecht, die Brückenprüfung hätte kurz bevor gestanden, so Wilfried Schubert, zuständiger Dezernent. Für den Umbau zu einer Anschlussstelle wäre sie ungeeignet gewesen. Zudem sei nach dem Bau der neuen Brücke mit Autobahnzubringer wenige Kilometer weiter (SVZ berichtete) die alte überflüssig, heißt es dazu aus dem Zarrentiner Bauamt.

Ein Standard-Auftrag, sagt einer der Abriss-Profis am Rande des Geschehens. Die Kollegen immer im Blick. "Die DDR-Brücken sind alle gleich gebaut", sagt er. Drei Tage zuvor hat der Trupp bereits die anliegende Straßendecke abgenommen.Der Schutt türmt sich neben dem ehemaligen Kolonnenweg. Alte Geländer stapeln sich daneben. Um die Autobahn zu schützen, tragen die Schaufeln der Bagger Meter für Meter Sand auf die Autobahn. Insgesamt 800 Kubikmeter landen nach der Vollsperrung ab 21 Uhr unter der Brücke - drei Meter unter dem Bauwerk, und daneben so hoch, dass die Bagger oben ankommen, erklärt Polier Stoll. Stück für Stück arbeiten sich die Fahrer vor, schaufeln, schütten, schieben den Sand zurecht.

Kurze Pause wenige Minuten vor Mitternacht. Was trinken, die Riesen-Zange anmontieren, nochmal durchatmen. Dann bahnt sich der Koloss mit dem zahnigen Stahlmaul den Sandweg runter zur Brücke. Er platziert sich frontal zum mittleren Brückenfeld, Kollegen zücken ihr Fotohandy. Mit Schwung stößt die geöffnete Zange in den Beton. Wieder und wieder. Wie das Maul eines großen Raubtieres beißt sie sich fest, frisst sich Zentimeter für Zentimeter durch die ehemalige Fahrbahn mit Stahldrähten. Es qietscht, knirscht, knackt. Staub wirbelt auf, erste Brocken fallen auf den Sand.

"Wir sind gut in der Zeit", sagt Siegfried Stoll, "... wenn nichts kaputt geht." Was das sein könnte? "Die Zange... dann haben ein Problem." Sie haben nur die eine dabei. Die anderen Bagger tragen den Schutt mit Greifaufsätzen zur Seite.

Ein "beeindruckendes" Schauspiel, sagen die Valluhner am Rande des Spektakels. Mit Bierbänken, Fahrrad, Bollerwagen und Sekt sind sie zur Abrissstelle. "Das wollte ich mir nicht entgehen lassen", sagt Helga Rheinschmitt. Für die stellvertretende Bürgermeisterin von Lüttow-Valluhn sei die Brücke ein Teil Geschichte. Sie kann sich noch gut an die Eröffnung der Autobahn am 15. November 1982 erinnern und daran, wie die Grenzarmee dort auf und ab fuhr. Von Weitem habe sie das beobachten können. Auch bei Anwohner Frank Wille kommen diese Gedanken am Wochenende wieder auf. Andererseits denkt er daran, dass mit der neuen Brücke nebenan mehr Verkehr durch seinen Ort rollen könnte. "Für uns wird es nicht besser", vermutet er. Zumal er nicht versteht, warum so kurz hintereinander zwei Brücken stehen müssen - Anschluss Zarrentin und Valluhn/Gallin.

Der neue Zubringer spare 18 Kilometer für die vielen Laster täglich vom und zum Megapark, begründet der TGG-Planungsverband das 6,5 Millionen Euro teure Projekt. In der Summe sind auch die Abrisskosten für die Kolonnenbrücke enthalten. TGG-Vorsteher Klaus-Dieter Müller und Helga Rheinschmitt wollen erstmal abwarten, wie sich der Verkehr nach Eröffnung am 2. September entwickelt. "Wenn nötig, müssen wir reagieren", sagt die stellvertretende Bürgermeisterin.

Die Nachtschicht von Polier Siegfried Stoll ist pünktlich zu Ende. Laut Autobahnpolizei kann die Sperrung gestern um 9 Uhr aufgehoben werden. In den kommenden Tagen beseitigen die Bauarbeiter die Abriss-Spuren. Etliche Tonnen Schutt aus Beton und Stahldraht karren sie zum Recyclinghof nach Zarrentin.

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