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Kreiseigenen BBS-Start GmbH brechen Betätigungsfelder weg : Start in ziemlich ungewisse Zukunft

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Der seit Monaten brummende Arbeitsmarkt stürzt viele Bildungsträger in eine immer tiefere Krise. Schwer davon betroffen ist auch die BBS-Start GmbH, an der der Landkreis Ludwigslust-Parchim 94 Prozent der Anteile hält.

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erstellt am 22.Aug.2013 | 08:05 Uhr

Der in der Region seit Monaten brummende Arbeitsmarkt stürzt viele Bildungsträger in eine immer tiefere Krise. Schwer davon betroffen ist auch die BBS-Start GmbH, an der der Landkreis 94 Prozent der Anteile hält. Ein Warnhinweis der Prüfer aus dem jüngsten Geschäftsbericht hat hinter den Kulissen jetzt für erhebliche Unruhe gesorgt. Die Experten hatten gewarnt, dass die Existenz des Unternehmens in wenigen Jahren gefährdet sei, wenn sich nichts ändere. Daraufhin machte schon das Gerücht die Runde, das Unternehmen mit derzeit 150 Beschäftigten würde zügig abgewickelt. Dem widersprach Wolfgang Schmülling, Beigeordneter und derzeit Vertreter für den immer noch erkrankten Landrat, sehr deutlich. Die BBS Start GmbH stehe in keiner Weise vor der Abwicklung sondern befinde sich weiterhin in einem Umgestaltungsprozess, der schmerzhaft sei und schnell vollzogen werden müsse. "Der Arbeitsmarkt bei uns hat sich so gut entwickelt, wie wir es uns vor Jahren nicht einmal vorstellen konnten. Nur hat das Folgen für die Bildungsträger. Und die sind dramatisch. Wir als Landkreis sind jedoch der festen Überzeugung, dass wir in jedem Fall dieses Unternehmen auch weiterhin benötigen werden. Es wird immer Menschen geben, die wir auf den Arbeitsmarkt vorbereiten müssen. Und allein auf private Bildungsträger können wir uns nicht verlassen, zumal deren Zahl im Kreis auch immer kleiner wird", stellte Schmülling im Gespräch mit der Schweriner Volkszeitung klar.

Spätestens die Pleite des IHK-Bildungszentrums in Schwerin habe allen vor Augen geführt, wie die Lage sei. Auf überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen für junge Leute brauche nun wirklich niemand mehr zu hoffen.

Trotz des Minus von 500 000 Euro aus dem Jahr 2012 stehe die BBS-Start mit einer sehr hohen Eigenkapitalquote von 83 Prozent eigentlich sehr gut da. Das Problem sei nur die Zukunft, weil schon jetzt feststehe, dass es viele Geschäftsfelder nicht mehr geben werde. "Die paar Maßnahmen, die von der Bundesagentur kommen, sind keine Langläufer mehr. Und wenn die für den Arbeitsmarkt verfügbaren Menschen immer weniger werden, dann wird die Sache der Qualifizierung immer mehr eine Angelegenheit der Firmen und nicht der öffentlichen Hand."

Gut 90 Beschäftigte des Unternehmens sind über Projekte befristet angestellt, die anderen 60 fest. Inzwischen sind die Änderungen bei den Weiterbildungsmaßnahmen so schnell geworden, dass auch die Befristungen kaum noch helfen. Und daher hat die BBS auch mit schwer zu kalkulierenden Personalkosten zu kämpfen.

Doch es läuft nicht überall schlecht. Im Jugend- und Sozialbereich ist das Unternehmen derzeit im Landkreis Rostock erfolgreich am Start. Da habe man sich bei den entsprechenden Ausschreibungen durchsetzen können. Dieser Sozialbereich könnte ein neues Standbein werden, denn im eigenen Landkreis hat die BBS komischerweise da noch keinen Fuß an der Erde. Im Kreis sind meist Träger aus anderen Landesteilen oder sogar anderen Bundesländern unterwegs. Der Beigeordnete Schmülling kann sich vorstellen, das im Rahmen neuer Ausschreibungen künftig zu ändern.

Doch so lange wird das Unternehmen kaum warten können. Klar ist, dass man sich der Hilfe externer Fachleute bedienen will, um schnell neue Geschäftsfelder zu erschließen. Schmülling will sich zu diesem Thema auch umfassend im kommenden Kreistag äußern. Vor allem will der stellvertretende Landrat Befürchtungen entgegentreten, dass alles schnell abgewickelt werde. "Wir müssen an die Menschen denken, die es auch im besten Arbeitsmarkt der Welt sehr schwer haben, Fuß zu fassen. Angesichts der demographischen Entwicklung und der immer spürbarer werdenden Suche nach Arbeitskräften, können wir es uns gar nicht leisten, diese Quelle ungenutzt zu lassen."

Im Fachchinesisch sind das Menschen mit "multiplen Vermittlungshemnissen": Darunter kann man von fehlenden Bildungsabschlüssen über Suchtprobleme, bishin zu Langzeitarbeitslosen so gut wie alles verstehen.

Aber auch intern ist bei BBS noch einiges an Verbesserungen möglich. z. B. durch den angestrebten Verkauf von großen Immobilien, die derzeit nur Geld kosten und nicht genutzt werden, wie in Neustadt Glewe.

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