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Hagenower Kreisblatt

22. November 2017 | 10:37 Uhr

Zarrentin : Starpianist im Kloster Zarrentin

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Der weltbekannte Dirigent und Klaviervirtuose Justus Frantz gab ein beeindruckendes Konzert im Refektorium am Schaalsee

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2016 | 14:45 Uhr

Bis auf den letzten Platz besetzt war das Refektorium im Zarrentiner Kloster an diesem Samstagabend. 190 Besucher aus Zarrentin, Boizenburg und anderen Orten der Region waren gekommen, um dem weltberühmten Starpianisten und -dirigenten Justus Frantz zuzuhören. Und egal, wie weit die Reise für jeden war, der tosende Applaus am Ende bewies, dass sich der Weg gelohnt hatte.

Diesmal brachte Justus Frantz drei Klaviersonaten von Beethoven zu Gehör. „Es war auch so toll, dass er für uns Zuhörer zu Beginn der drei Sonaten jeweils eine Einführung gegeben hat“, schwärmte Antje Schwalbe-Kleinhuis, halb Zarrentinerin und halb Hamburgerin, nach dem Konzert. „So konnte man sich gleich viel besser in die Musik einfühlen.“

Nicht belehrend, humorvolle und kurzweilig brachte Frantz dem Publikum Ludwig van Beethoven als einzigartigen Musiker nahe und machte mit diesem Abend alle Anwesenden ganz nebenbei zu Beethoven-Experten. Charakteristisch für die Musik dieses Komponisten seien die Gegensätze und die ungewöhnlichen Betonungen, so Justus Frantz. Alle drei Klaviersonaten des Abends - die „Pathetique“, die „Mondscheinsonate“ und die „Appassionata“ - seien untrennbar mit der zunehmenden Taubheit Beethovens verbunden. Mit der ersten Sonate habe er sich der Unvermeidlichkeit dieses für einen leidenschaftlichen Musiker tragischen Schicksalsschlages gestellt. Die düstere „Mondscheinsonate“ schrieb er bei fast schon völligem Gehörverlust. Doch es sei ein Glück gewesen, dass Beethoven nicht mehr die Musik seiner Zeitgenossen gehört habe, erklärte Justus Frantz. So sei er seinen eigenen, ungewöhnlichen Weg gegangen mit einem einzigartigen Ergebnis. Die „Appasionata“ galt Beethoven selbst als eines seiner wichtigsten Werke und ist für Pianisten technisch noch anspruchsvoller als die beiden anderen.

Doch diesen Anspruch meisterte Justus Frantz mit Leichtigkeit. Er breitete gerade auch in den choralartigen Sätzen einen den ganzen Raum einnehmenden Klangteppich aus, so dass man sich als Zuhörer immer wieder vergewissern musste, ob da wirklich nur zwei Hände die Tasten streichelten oder darauf einhämmerten, je nachdem.

Nicht nur die sogenannten „Silberköpfe“ lauschten andächtig der Musik, auch gar nicht so wenige Jugendliche ließen sich dieses Ereignis nicht entgehen.

Die zehnjährige Antonia aus Zarrentin war die jüngste Zuhörerin des Abends. Sie spielt seit einem Jahr selbst Klavier. Das Konzert habe ihr sehr gut gefallen, erklärte sie in der Pause. Aber weil sie schließlich doch mit der Müdigkeit zu kämpfen hatte, ging sie dann auch nach Hause.

Der 13-jährige Max Tesch aus Lehsen blieb mit seinen Eltern bis zum Schluss. Er spielt seit einem halben Jahr Klavier. Ganz von sich aus sei er zu seinen Eltern gegangen und habe ihnen gesagt, dass er jetzt dieses Instrument erlernen wolle. „Weil die Musik so cool ist“, erklärte er auf Nachfrage. „Für Elise“, die Zugabe von Frantz, könne er auch schon spielen, und in den schnellen Passagen auch so schnell wie Justus Frantz, erklärte der junge Mann selbstbewusst.

„Mein größter Traum ist, jeden Tag besser zu werden“, sagte Justus Frantz, der seit zwei Jahren neben seiner Arbeit als Chefdirigent der Philharmonie der Nationen auch Chefdirigent in Israel ist, im anschließenden Gespräch.

Auf die Frage, ob er auch ab und an Popmusik höre, antwortete der Starmusiker kategorisch. „Nein. Niemals!“

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