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Lübtheener Schule unterrichtet seit drei Jahren nach Inklusions-Prinzip : "Sprung ins kalte Wasser"

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Seit Förderschulen in MV nicht mehr einschulen, gehen Kinder mit Förderbedarf an reguläre Grundschulen. Die Lübtheener Lindenschule unterrichtet seit drei Jahren nach dem Inklusions-Prinzip.

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erstellt am 19.Jun.2013 | 06:33 Uhr

Lübtheen | "Inklusion ist ein Lernprozess für alle. Für Lehrer, für Eltern und für die Politiker auch." Schulleiter Andreas Cordt weiß, wovon er spricht. Seit drei Jahren werden an seiner Schule in Lübtheen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet. Seit die Förderschulen in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr einschulen, gehen die Kinder mit Förderbedarf an reguläre Grundschulen. An der Lindenschule in Lübtheen lernen zurzeit elf so genannte "Inklusions-Kinder" in den ersten bis siebten Klassen. "Anfangs war es für uns ein Sprung ins kalte Wasser", sagt Schulleiter Andreas Cordt. Ganz nach dem Motto "Macht mal" seien die Kinder plötzlich in den Klassen gewesen. Für die Lehrer keine leichte Situation. Ohne Fortbildung und entsprechende Materialien den leistungsstarken Kindern und Förderschülern gleichermaßen gerecht zu werden, schien damals fast unmöglich. Heute aber kann Cordt sagen: Wir als Schule haben in den drei Jahren viel gelernt und einen Weg gefunden. Geholfen habe dabei vor allem auch das Modell "Konzept-Schulen" in MV. 19 Schulen aus dem ganzen Bundesland, eine davon ist die Lindenschule, beteiligen sich seit zwei Jahren an dem Projekt, dessen Schwerpunkt im selbstorganisierten Lernen liege. Statt frontal zu unterrichten, lassen die Lehrer mehr und mehr kooperative Lernformen im Unterricht zu. Kinder arbeiten selbstständig in Gruppen und können allein entscheiden, wie sie die Themen angehen und wer aus der Gruppe, welchen Beitrag dazu leistet. "Wir lassen den Schülern entsprechend ihrer Fähigkeiten mehr Freiheiten und geben ihnen damit mehr Raum für kreative Selbstverantwortung", sagt Cordt. Mit Erfolg. Die Schüler seien motivierter und viel aufmerksamer bei der Sache. Mit dem Konzept hätte die Schule auch ein zusätzliches Fortbildungsbudget für die Lehrer.

Ab nächstem Jahr dann würden landesweit einhundert Lehrer, darunter auch eine Lübtheenerin, für die Inklusion fortgebildet, so Cordt. Der Schulleiter bedauert aber, dass die Stunden für die sonderpädagogische Einzelbetreuung der Inklusionskinder in Lübtheen ab dem nächsten Schuljahr nicht erhöht werden. Dafür bekäme die Lindenschule nach einem halben Jahr Abstinenz wieder den dringend benötigten Schulsozialarbeiter.

Inklusion, so Cordt, sei grundsätzlich ein guter Gedanke. "Wenn die Kinder wollen und die Eltern mitziehen." Dennoch gebe es Grenzen: Von sechs Kindern mit Förderbedarf in einer Klasse seien im Laufe der Grundschulzeit wieder vier auf die Förderschule gewechselt. Für die anderen zwei war die Entscheidung für Lübtheen die richtige.

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