Wittenburg: Polizei und Munitionsbergungsdienst rückten an : Sprengalarm wegen herrenloser Koffer

<strong>Die Sprengmeister</strong> nach der Evakuierung: Ein Röntgenbild soll Aufschluss  geben.
1 von 3
Die Sprengmeister nach der Evakuierung: Ein Röntgenbild soll Aufschluss geben.

Zwei herrenlose Koffer haben gestern Mittag Polizeibeamte und Sprengmeister des Munitionsbergungsdienstes Schwerin in den Wittenburger Wölzower Weg ausrücken lassen. Mehr als drei Stunden dauert der Einsatz.

svz.de von
07. Januar 2013, 06:44 Uhr

Wittenburg | Sprengstoffalarm in Wittenburg: Zwei herrenlose Koffer haben gestern Mittag Polizeibeamte und Sprengmeister des Munitionsbergungsdienstes Schwerin in den Wölzower Weg ausrücken lassen. Mehr als drei Stunden dauert der Einsatz nahe eines Getränkehandels und Lebensmitteldiscounters - ausgelöst durch den Hinweis eines Bürgers. Der hat die Koffer auf dem Gehweg an der Straßenlaterne gegenüber entdeckt. Ein Fund, den die Hagenower Polizei ernst nimmt. Einsatz- und Revierleiter Uwe Mathews lässt die Straße sperren und alle umliegenden Wohnhäuser, Firmen und Geschäfte evakuieren, bevor sich die Munitionsexperten ans Werk machen. "Wir gehen auf auf Nummer sicher", so Mathews.

Der Wittenburger Fall ist einer von bis zu 30 im Jahr für Sprengmeister Burkhard Pohl. Ob der erfahrene Mann Angst hat? "Angst frisst Seelen", sagt er und lächelt. 30 Jahre ist er im Job. Entsprechend ruhig macht er das Röntgengerät scharf. Zusammen mit seinem Kollegen scannt der Sprengmeister damit das Innenleben der beiden Koffer.

Kerzengrade und fein säuberlich platziert stehen die dunklen "Pakete" da. Wie auf einem Bahnhof vergessen. Nicht wie achtlos von jemandem entsorgt. "Das ist ungewöhnlich", sagt Revierleiter Uwe Mathews. Im Hinterkopf bekannte Vorfälle, die in der jüngeren Vergangenheit in Deutschland Schlagzeilen gemacht haben. "Aber", sagt er, "zu 99,9 Prozent geht alles gut." Wie auch im letzten ähnlichen Einsatz in seinem Revier Ende 2012, als ein herrenloser Koffer an einem Supermarkt in Pampow aufgeschossen werden musste.

Bei einer Detonation hätte es Tote gegeben

In Wittenburg schaut sich Sprengmeister Burkhard Pohl erstmal die Röntgenbilder an. Schrauben, Nieten, Nägel - mehr ist nicht zu erkennen. "Nichts Eindeutiges", sagt er. Weder für noch gegen Sprengstoff im Inneren. "Zu gefährlich" zum Öffnen per Hand. "Die schießen wir auf", sagt er. Das Zeichen für Roboter Theodor. Der etwa 250 000 Euro teure Helfer rollt per Fernsteuerung und mit spezieller Munition beladen vom Einsatzwagen zu den Koffern. Die Kamera zeigt den Weg und die richtige Position zum Schießen. Ein Knall, und zumindest ein Koffer ist halb geöffnet. Nichts zu sehen. Nur Stoffeinsätze, von denen vermutlich die Nieten und Nägel im Röntgenbild stammen. Und auch der zweite Koffer ist leer.

Wäre Sprengstoff drin gewesen, hätte es Tote durch die Detonation gegeben, so Uwe Mathews. An einen Scherz mag der Polizeibeamte nicht denken. Die Spuren an den Koffern werden jetzt genau überprüft. Und das seien weitaus mehr, als nur Fingerabdrücke. "Sollte sich herausstellen, dass uns jemand beschäftigen wollte, bekommt er den Einsatz in Rechnung gestellt." Er schätzt die Kosten auf einen fünfstelligen Bereich. Und auch für den Fall, dass keine böse Absicht dahinter steckt: "Niemand sollte einfach einen Koffer an der Straße entsorgen", sagt Uwe Mathews. Dafür gebe es spezielle Plätze.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen