zur Navigation springen

Nach Dauerregen : Sorgenkind Rögnitz: Das Wasser steht

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Nach Dauerregen ist Fluss über die Ufer getreten. Auf Feldern in der Umgebung steht das Wasser. Der Unterhaltungsverband ist offenbar machtlos

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 21:00 Uhr

„Mein Mais wird wohl in den nächsten Tagen gelb“, meint Jürgen Voß, Bauer aus Laave. Nach dem Dauerregen vergangenes Wochenende steht das Wasser auf seinen Feldern. Schnell abfließen wird es wohl nicht, denn die Kanäle sind voll und die Rögnitz ist über die Ufer getreten – Hochwasser. „Der Fluss ist total zu, außerdem ist die Sude nicht gepflegt. Das Wasser kann nicht ablaufen. Jetzt versaufen meine Flächen teilweise“, ärgert sich Voß.

Und tatsächlich ist die Rögnitz das Sorgenkind des Neuhauser Deich– und Unterhaltungsverbands (NDUV), wie Jürgen Sahs, der Geschäftsführer, im SVZ-Gespräch erzählt. „Der Abflussquerschnitt ist zu gering. Der Fluss müsste ausgebaggert werden, auf einer Teilstrecke nützt das aber nichts.“ Denn die Rögnitz ist auf 15 Kilometern der Grenzfluss zwischen Niedersachsen und Mecklenburg–Vorpommern. Beide Länder teilen sich die Unterhaltung. Der NDUV ist für sechs Kilometer zuständig, und zwar von der Brücke bei Laave bis Gudow, um den andere Teil kümmert sich Mecklenburg–Vorpommern. „MV hat auch Maßnahmen angedacht, will etwas machen, hat aber noch nichts getan. Aktuell ist es bei den Kollegen sogar so, dass die Unterhaltung eingeschränkt ist und auf den Status beobachtende Unterhaltung gesetzt wurde.“

Dabei hatten der Landkreis Lüneburg und Mecklenburg–Vorpommern laut Sahs 2013 ein Gutachten zur Rögnitz erstellen lassen. Darin wurden die Missstände aufgelistet und Empfehlungen zu geeigneten Maßnahmen gegeben. „Dann war das Gutachten fertig, aber kein Geld mehr da.“ An der Finanzsituation habe sich bis heute nichts geändert. Maßnahmen, die der Verband an dem Fluss unternehmen möchte, müsse er selbst bezahlen. Das Land gebe dafür kein Geld, denn die Rögnitz stehe in Niedersachsen nicht auf der Prioritätenliste.

„Dabei haben wir die Rögnitz in einem katastrophalen Zustand vom Land übernommen. Eigentlich hätten wir da sagen müssen, bringt das erst einmal in Ordnung“, meint Sahs. Das war 2007. Nach der Rückgliederung der Gemeinde Neuhaus 1993 lag es 14 Jahre lang am Land, die Rögnitz zu pflegen. „Dafür musste der Verband die letzten fünf Jahre auch noch Geld bezahlen, obwohl nicht viel passiert ist.“ Schließlich habe man sich dann geeinigt, dass der NDUV für die Rögnitz zuständig ist. Seitdem hat der Verband den Fluss schon zwei Mal teilweise ausbaggern lassen. Was offensichtlich keinen Erfolg gebracht hat. Laut Sahs müsste die Rögnitz auf ganzer Strecke ausgebaggert werden, das würde allerdings immense Kosten verursachen, die sich momentan keiner leisten könne. Außerdem könne man nicht einfach drauf losbaggern. „Das Ausbaggern läuft in Niedersachsen unter einem Ausbau. Dazu müsste es dann erst einmal ein Planfeststellungsverfahren geben“, so Sahs. Das sei teuer und kompliziert.

Und einfacher werden die Vorschriften für die Unterhaltung auch zukünftig wohl nicht werden, eher schwieriger. Grund sind neue Artenschutzbestimmungen die ab August gelten. „Wir hatten auch jetzt schon den Naturschutz zu beachten. Wir sind ja in der Biosphäre, aber von der eigentlichen Artenschutzbestimmung waren wir ausgeschlossen, das wird sich ändern“, erklärt Sahs. „Die Forderungen in dem neuen Leitfaden für Artenschutz–Gewässerunterhaltung sind aber einfach nicht praxisnah.“ Für den Verband stehe die Sicherung des Abflusses im Vordergrund. Für die Naturschützer aber die Entwicklung des Gewässers, der Pflanzen– und Tierwelt. „Wenn ein seltener Frosch im Wasser sitzt müssen wir künftig auf ihn achten. Wir machen unsere Art der Unterhaltung aber hier schon seit 24 Jahren und die seltenen Arten sind immer noch da“, meint Sahs dazu.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen