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Wahlkampf in Boizenburg : Sorge vor zu niedrigen Renten

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

SPD-Bundestags-Kandidatin Martina Tegtmeier stellt sich den Anliegen der Boizenburger/Till Backhaus musste absagen und ins Krankenhaus

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Eigentlich sollte Martina Tegtmeier, Direktkandidatin der SPD für Schwerin, Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg, Agrarminister Till Backhaus am Mittwoch auf seiner Sommertour im Wahlkreis begleiten. Am Morgen informierte der Minister seine Assistentin Angelika Voss jedoch, dass er wegen Kreislaufproblemen das Boizenburger Krankenhaus aufsuchen wolle. Der Ärztliche Direktor Dr. Müller ließ den Minister nicht mehr gehen und verordnete sofortige Bettruhe. Martina Tegtmeier musste also das geplante Programm kurzerhand allein übernehmen.

Die Gelegenheit, mit der Direktkandidatin auf dem Boizenburger Marktplatz zu sprechen, nutzten Bianca, Björn und Zoë Burow aus dem Gutshaus Goldenbow, die massiv unter den Starkregenfällen in der letzten Woche zu leiden hatten (SVZ berichtete am 28.7.). Wasser war in den Keller gelaufen und hatte das Projekt „Rösterei im Gutshaus“ zunichte gemacht. „Nach dem Beitrag in der SVZ hat sich die LEADER-Stelle nur telefonisch bei uns gemeldet, dass wir aus der Förderung jetzt rausfliegen“, erklärt Bianaca Burow der SPD-Bundestagskandidatin. Dabei sei die Überflutung bedingt durch den gestörten Abfluss des am Gutshaus vorbeiführenden Gewässers unter einer Straße, für den weder der Landkreis noch die Gemeinde Vellahn oder die Untere Wasserschutzbehörde verantwortlich sein wollen. Doch nicht nur der Keller ist erst einmal nicht mehr nutzbar, auch der kleine Park, den Familie Burow innerhalb des letzten Jahres ebenfalls mit LEADER-Mitteln angelegt hat, ist verwüstet. „Das haben wir alles gerade gemacht und dürfen jetzt noch mal anfangen“, sagt die 12-jährige Zoë traurig. „Wir haben der LEADER-Stelle vorgeschlagen, die Förderung für das Rösterei-Projekt nun für die Wiederanlage des Parks an einer höheren Stelle verwenden zu dürfen. Aber das soll aus ‘Gerechtigkeitsgründen’ nicht gehen“, beklagt Björn Burow. „Ich werde mich mit dem Amt Zarrentin in Verbindung setzen“, verspricht Martina Tegtmeier der Familie. „Da muss ja Hilfe für eine Lösung angegangen werden.“

„Mich haben viele Leute wegen ihrer Rente, niedriger Löhne und der HVV-Anbindung angesprochen“, zieht Tegtmeier nach zwei Stunden am Markt Bilanz. „Sehr viele Leute haben Sorge, dass das Geld im Alter nicht reicht. Ich verweise dann auf den Vorstoß der SPD zum Rentenkonzept, sage aber auch, dass der für die ostdeutschen Länder nicht ausreicht, weil wir in den letzten Jahren Niedriglohnländer waren und die Leute nach der Wende zum Teil lange Arbeitslosigkeiten hatten.“

Beim Thema Kinder und Jugendliche während des anschließenden Treffens mit dem Vorstand des Kreisjugendrings muss die Kandidatin allerdings passen. Auf die Frage der SVZ, wie die SPD reagieren will auf den durch eine Studie aufgedeckten Fakt, dass es in Deutschland bis 2025 eine Millionen Schüler mehr geben wird als prognostiziert und damit bereits jetzt eine deutlich steigende Zahl von Anwärtern auf Kitaplätze, hat sie nur Allgemeinplätze parat. „Darauf bin ich nicht vorbereitet“, gesteht Tegtmeier.

Den Nachmittag verbringen zahlreiche Boizenburger bei Kaffee und Kuchen mit der Bundestagskandidatin im Café „Marie“. „Wir machen uns weniger Sorgen um unsere eigenen Renten als um die von unseren Kindern und Enkeln“, meint Waltraud Lange, und alle in der Runde stimmen ihr zu.

„Das mit Till tut uns leid. Der macht ja viel für Boizenburg.“ Der Minister muss vorerst im Boizenburger Krankenhaus bleiben, informierte Angelika Voss am Abend.

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