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Hagenower Kreisblatt

19. Oktober 2017 | 11:19 Uhr

Bantin : Solidarisch gegen Bienensterben

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Völker müssen beim Veterinäramt und der Tierseuchenkasse registriert werden, um bei Seuchen schneller reagieren zu können

von
erstellt am 23.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Auch Königinnen müssen sich und ihr Volk anmelden. So wollen es jedenfalls das Veterinäramt und die Tierseuchenkasse. Denn die Imkerei wird immer beliebter in Deutschland. Sogar Großstädter ernten Honig. Notfalls auf Schloss- und Hausdächern. Auf dem Land wenden sich ebenfalls zunehmend Frauen und Männer dem nützlichen Hobby zu. Vielen von ihnen ist jedoch nicht bekannt, dass sie die Bienenhaltung registrieren lassen müssen. Die Erfassung soll perspektivisch das Bienensterben eindämmen. Denn brechen erst mal Seuchen aus, es gibt drei anzeigepflichtige hierzulande, kostet die Suche nach Verursachern viel Zeit. Und viele der fleißigen Honigsammler das Leben.

„Nur wenn alle Bienenstände in einem Territorium genauestens bekannt sind, kann die Seuchenabwehr funktionieren“, erklärt Harm Biermann, der Leiter des Bienenzuchtzentrums in Bantin, einer Einrichtung des Landesverbandes der Imker MV e. V. Die Registrierung diene nicht nur der Absicherung der eigenen Entschädigung, sondern sei vor allem auch ein Akt der Solidarität gegenüber den benachbarten Imkerinnen und Imkern, betont der 54-Jährige, der der Einrichtung seit Oktober 2016 vorsteht. Sorgfältiges Imkern könne die Ansteckungsgefahr zwar minimieren, aber leider nie verhindern. Die Amerikanische Faulbrut flamme immer mal wieder auf. Sie sei eine bakterielle Erkrankung der Bienenbrut. Frühzeitig erkannt, könne sie erfolgreich behandelt werden. Wer Bienen kaufe, sollte unbedingt darauf achten, dass eine Futterkranzprobe gemacht werde, die auf dem Gesundheitszeugnis nachgewiesen sei.

„Ein Bienenhandel ohne Zeugnis ist grob fahrlässig. Denn in einigen Ländern werden diese Gesundheitszeugnisse nur nach Augenschein und ohne Laboruntersuchungen ausgestellt“, warnt Biermann eindringlich vor dem Kauf solcher Völker. Und er sagt: „Sich nicht registrieren zu lassen, zieht zwangsläufig einen Bußgeldbescheid nach sich.“ Völker, die nicht angemeldet seien, würden im Seuchenfall auch nicht entschädigt, stellt Biermann klar. Das ihm unterstellte Zuchtzentrum dürfe keine Bienenköniginnen ohne Gesundheitszeugnis versenden. M-V habe außerdem die stabilsten Völkerzahlen. „Im Durchschnitt hat jeder Imker elf Völker. Das sind je nach Nahrungsangebot zwischen 20 000 bis etwa 60 000 Tiere.“

In der Tierseuchenkasse des Landes sind 2526 Imker erfasst: „Sie besitzen derzeit 24 836 Völker. Es gibt sicherlich ein paar Tausend noch nicht erfasste Völker. Sie registrieren zu lassen, ist Pflicht, denn Bienen sind Nutztiere, wie Schweine und Rinder auch“, stellt Tobias Dittmann als Fachberater des Bienengesundheitsdienstes der Tierseuchenkasse von MV klar.

Den zweitgrößten Imker-Verein des Landes gäbe es übrigens in Wittenburg, verrät Biermann. Und stellt fest: „Wir haben hier in der Region eine hohe Bienendichte. Da ist es also tatsächlich angeraten, dass sich alle Imker mit ihren Völkern anmelden.“

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