Pritzier : Sofort heißt offenbar nicht gleich

Im Sommer lief die Rögnitz bei Laave über den Deich und flutete Ackerflächen von Landwirt Jürgen Garloff.
Im Sommer lief die Rögnitz bei Laave über den Deich und flutete Ackerflächen von Landwirt Jürgen Garloff.

Landwirte drängen auf umfassende Unterhaltungsmaßnahmen an Sude und Rögnitz und warten weiter auf versprochene schnelle Hilfe

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21. März 2018, 12:00 Uhr

Sie haben bei den Bauern der Region deutliche Spuren hinterlassen. Und das nicht nur auf den Ackerflächen. Nein, auch an den Nerven der Landwirte haben die Starkniederschläge im vergangen Jahr gezerrt. Wie stark zeigte eine Informationsveranstaltung zum Gewässermanagement des Bauernverbandes Ludwigslust in Pritzier. Im Mittelpunkt stand dabei die Unterhaltung und Pflege der Sude und Rögnitz. Beide Flüsse liefen 2017 regelmäßig voll und über. An eine vernünftige Bewirtschaftung angrenzender Ackerflächen ist auch jetzt noch nicht zu denken, wie Dietrich Groth, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, erzählt. „Es gibt Landwirte, die konnten bisher noch nicht einmal ihre Kartoffeln aus der Erde holen. Seit Sommer vergangenen Jahres kommen sie nicht auf ihre Flächen.“ Deshalb hätte der Bauernverband zu der Informationsveranstaltung geladen. Den Landwirten sollte dabei die rechtliche Lage bei der Gewässerunterhaltung und auch die geplanten Maßnahmen an den Flüssen erklärt werden. Auch wenn sie dafür, wie sich zeigen sollte, wenig Verständnis haben.

„Es ist eine schöne Romantik, die sie da erzählen“, so einer der Einwände an Ute Hennings, Leiterin der Abteilung Boden, Wasser und Immissionsschutz im Umweltministerium. In einem Vortrag hatte sie versucht, den „schwierigen Spagat bei der Gewässerunterhaltung zwischen einem ordnungsgemäßen Wasserabfluss und den Naturschutzbestimmungen“ zu verdeutlichen. So gebe es zum Beispiel ein „Tötungsverbot für Muscheln“. Heißt, wenn Flüsse an bestimmten Stellen ausgebaggert werden, damit das Wasser besser abfließen kann, „dürfen dabei keine geschützten Arten gekillt werden“, so Hennings.

Ökologische Rahmenbedingungen und Naturschutzbestimmungen – die Bauern können diese Regelungen offenbar nicht mehr hören. „Ich habe das Gefühl, hier auf einem ökologischen Fortbildungsseminar zu sein“, meint ein Landwirt aus der Region Garlitz, der anonym bleiben möchte. „Ich sehe nicht, dass Sie die Probleme an Sude und Rögnitz ernst nehmen. Wie lange sollen wir auf die versprochenen Sofortmaßnahmen warten – ein oder zwei Jahre?“

Dabei kommt es offenbar darauf an, was unter Sofortmaßnahme verstanden werden kann. „Nüchtern betrachtet war diese die Echolotvermessung der Rögnitz. Die Ergebnisse haben wir am Montagabend bekommen“, so Ute Hennings. Jetzt wisse man, wo dort Anlandungen sind und ausgebaggert werden muss. Allerdings drückte sie gleichzeitig auf die Bremse, denn wann die Unterhaltungsmaßnahmen ausgeführt werden, stehe noch nicht fest. Zunächst müssten die Ergebnisse ausgewertet und mit dem Nachbarland Niedersachsen besprochen werden. Danach erfolge dann die Ausschreibung für die Baggerarbeiten.

Auch an der Sude wird es vorerst keine Unterhaltungsmaßnahmen geben. Zunächst soll erst einmal ein Gewässerentwicklungs- und pflegeplan für den Fluss erstellt werden. „Die schnelle Hilfe für uns war geplant. Von landwirtschaftlicher Seite kann man nur fragen, wo sie bleibt“, hieß es dazu von den Bauern.

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