„So was steht in keinem Lehrbuch“

Simulierte Massenkarambolage auf Autobahn forderte am Sonnabend vollen Einsatz von zehn Wehren, THW und Rettungsdienst

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13. September 2015, 19:10 Uhr

Seit fünf Uhr morgens haben Helfer für dieses Horrorszenario gearbeitet. Sie haben Autos rangiert, Kleinwagen ineinander verkeilt, eine Limousine auf die Seite gekippt, Transporter in den Graben geschoben. Statisten wurden mit Kunstblut geschminkt und in den Wracks platziert. Fahrerkabinen sind mit Rauchpatronen vernebelt worden. Hinter zerborstenen Autoscheiben klemmen 60 Kilo schwere Puppen unter verkeilten Lenksäulen.

Ausgerollte Feuerwehrschläuche auf der Fahrbahn simulieren die Leitplanken einer Autobahn. Denn diese Massenkarambolage, die Christian Porst von der Ludwigsluster Feuerwehr hier auf dem Verkehrsübungsplatz in Ludwigslust inszeniert hat, spielt eigentlich auf der A 14. Das neue Teilstück ist keine fünf Kilometer entfernt. Noch dieses Jahr soll es für den Verkehr freigegeben werden. „Da wird es Zeit, dass wir gemeinsam für den neuen Einsatzschwerpunkt üben“, sagt Porst.

10 Uhr ist es dann soweit. Die Wehren rücken an. Erst die Grabower, dann die Wanzlitzer, die Ludwigsluster, die Techentiner, das THW und Groß Laasch. Ein Notarzt und die Sanitäter machen sich ein erstes Bild von der Lage. Das THW parkt seinen Werkstattwagen ganz vorn neben einem zerbeulten Lkw. Porst zweifelt nicht am hohen Ausbildungsstand seiner Kollegen. „Jeder weiß genau, was zu tun ist“, sagt er. Viel schwieriger bei dieser Großübung sei die Koordinierung. Klappt die Abstimmung untereinander? Behalten die Abschnittsleiter die Übersicht? Und hat der Einsatzleiter die große Lage immer im Blick?

Der Einsatzleiter Ulf Bennöhr, gut zu erkennen an seiner gelben Weste, zeigt starke Nerven. Ruhig sortiert er die Pläne der einzelnen Unfallabschnitte. Spricht in sein digitales Funkgerät, notiert sich die neue Zahl der Verletzten. 20 Verunglückte werden die Feuerwehrleute in den nächsten 70 Minuten aus Autowracks mit hydraulischen Scheren und Rettungszylindern schneiden. Damit die Übung so realistisch wie möglich ist, haben die Patienten sogar Namen und Geburtsdatum.

Ein ganzes Jahr lang hat sich die Arbeitsgruppe Städtedreieck auf diese Großübung vorbereitet und Sponsoren, wie Stang, Roeschke und Hoffmann & Berger für diese Aktion gewinnen können. Die Stadt beteiligte sich finanziell und das Verkehrsinstitut Langmaak stellte kostenfrei den Übungsplatz bereit. „Alle haben hier wirklich toll zusammengearbeitet“, sagt Bürgermeister Reinhard Mach. „Würde es so gut auch im Kreisfeuerwehrverband funktionieren, hätten wir keine Probleme mehr.“

Für Christian Porst sind Übungen wie diese unerlässlich. „So etwas steht in keinem Lehrbuch. Das kann man nicht lernen. Das muss man trainieren. Sonst geht die Kompetenz verloren.“ Und auch Einsatzleiter Ulf Bennöhr sagt: „Diese Übung war nicht nur sehr realitätsnah. Sie war vor allem lehrreich.“




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