Lebendiger Adventskalender : So viel Heimlichkeit...

Nach sechs Jahren Pause haben die Lübtheener endlich ihren lebendigen Adventskalender wieder.
Nach sechs Jahren Pause haben die Lübtheener endlich ihren lebendigen Adventskalender wieder.

Manuela Reimer öffnet jeden Tag ein Fensterchen im Lübtheener Bürgerhaus „Dat olle Amtsgericht“

svz.de von
22. Dezember 2013, 07:10 Uhr

Wenn in Lübtheen die Glocken läuten, um 17 Uhr, dann steigt der kleine Finn auf sein Fahrrad und radelt mit der Mama zum Bürgerhaus. Gleich wird sich im „Ollen Amtsgericht“ wieder ein Fensterchen öffnen. Viele Kinder und ihre Großeltern und Eltern stehen schon vor dem Fenster mit der richtigen Nummer. Ein Glockenschlag noch, dann ist es soweit. Der Fensterflügel mit der Zahl „18“ schiebt sich langsam auf und heraus schaut Manuela Reimer. „Kinder macht Euch nun bereit, begonnen hat die Weihnachtszeit“, spricht sie durchs Mikro. Die Kinder hören gespannt zu. „Was hat sich die Frau mit der roten Wichtelmütze wohl heute ausgedacht?“

Seit Anfang Dezember überrascht Manuela Reimer die Lübtheener mit dem Lebendigen Adventskalender. Tag für Tag. „Was passiert, das bleibt ein Geheimnis, bis zur letzten Minute“, erzählt sie. Mal werden in der Alten Poststube Plätzchen verziert, dekoriert und vernascht, mal singt der Gemischte Chor, ein anderes Mal spielt das Lindenquartett. Elke Stenzel hat den Kindern in der Bibo Weihnachtsmärchen vorgelesen, ihnen Riech- und Tast-Rätsel aufgegeben. „Am schönsten war das Weihnachtsbasteln“, sagt Finn. Der Achtjährige versucht jeden Nachmittag hier zu sein. „Es ist eine superschöne Idee“, sagt seine Mutter. „Das Haus ist ja geradezu dafür gemacht.“ Jedes der 24 Fenster an der vorderen Fassade und der Seitenfront hat Manuela Reimer mit Zahlen beklebt. „Die haben mein Mann und ich zuhause Abend für Abend gebastelt und laminiert, damit sie lange halten.“ Denn auch im nächsten Jahr will die Horterzieherin zur Weihnachtszeit wieder die Fenster öffnen. „Es ist ein wunderbares Gefühl, Kindern in so einem kurzen Moment so eine große Freude machen zu können“, sagt sie. Hilfe bekommt die Lübtheenerin nicht nur von ihrem Mann Jan-Peter, auch ihre Chefin Ute Pietz vom DRK-Hort, Rotraut Reinicke von der Initiative „Wir für Lübtheen“ sind oft dabei, wenn in der Alten Poststube die Überraschung vorbereitet wird.

Für das Türchen am Mittwoch hat sich Manuela Reimer Hilfe aus dem Wald geholt. Die Revierförsterin Dagmar Winkelmann brachte vier Tannenbäume vorbei, die die Kinder mit Möhren, Stroh, Nüssen und Brotstückchen schmücken. „Die Bäume bringen wir dann in den Wald, damit die Tiere gut über die kalte Winterzeit kommen“, sagt Manuela Reimer. Es macht ihr nichts aus, dass sie jeden ihrer Feierabende im Dezember im „Ollen Amtsgericht“ verbringt. „Meine Kinder sind aus dem Haus. Ich habe Zeit und ganz ehrlich: Ich zehre sogar davon. So schön ist das hier.“ Die Stadt unterstützt Reimers Engagement, gibt gern Geld für Bastelmaterial und Leckereien dazu. Auch Bürgermeisterin Ute Lindenau hat mit ihrem Enkel schon vorbeigeschaut. Sie freut sich, dass es den Lebendigen Adventskalender nach sechs Jahren Pause wieder gibt. „Jetzt merkt man richtig, wie sehr er uns allen gefehlt hat.“

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