Überraschung in Picher : Sirene holt Männer zur Großübung

<strong>Sie warten</strong> aufs Wasser: Matthias Kruse (li.) und Guido Kanter.<fotos>Hennes </fotos>
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Sie warten aufs Wasser: Matthias Kruse (li.) und Guido Kanter.Hennes

Die Sirenen heulen, Hunde bellen und die Kinder im Dorf schwingen sich aufs Fahrrad. Ein Feuer? Wo? Bei jedem Einsatz der Feuerwehr zählen Sekunden, da ist Schnelligkeit gefragt. Immerhin kann es um Leben und Tod gehen.

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03. März 2013, 06:33 Uhr

Picher | Sonnabend, 17.02 Uhr. Die Sirenen heulen, Hunde bellen und die Kinder im Dorf schwingen sich aufs Fahrrad. Ein Feuer? Wo? Auch Guido Kanter lässt augenblicklich den Hammer in seiner Wohnung fallen als er die Sirenen hört. "Ich war gerade beim Trockenausbau", erzählt er. Die SMS der Leitstelle auf seinem Handy hat der Feuerwehrmann gar nicht gelesen. "Beim Einsatz zählt jede Sekunde, da kram ich doch nicht nach meinem Handy."

Kanter ist der dritte, der im Feuerwehrgerätehaus eintrifft. Erst hier erfährt er, dass es kein Einsatz ist, zu dem die Männer ausrücken, sondern eine Übung. Keiner der Männer war informiert, nur Einsatzleiter und Gruppenführer wissen Bescheid, verstecken sich aber im Gerätehaus, um zu sehen, ob jeder richtig reagiert. "Das hat prima geklappt", sagt Gruppenleiter Mathias Brumme. "Der erste, der da war, ist sofort in den Wagen ans Funkgerät." Brumme teilt die Männer ein, keine zehn Minuten nach dem Sirenenalarm ist das Löschfahrzeug am Einsatzort.

Am Ortsausgang auf einer Anhöhe brennt die Fahrzeugwerkstatt, heißt es im Einsatzbefehl. Der Ort war bewusst gewählt. "Wir wollten testen, wie die Wehr die Löschwasserversorgung bei dem Höhenunterschied sicherstellt", sagt Einsatzleiter Holger Hille. Erst wird das Wasser aus dem Tank des Löschfahrzeugs gezogen, wenig später aus dem Unterflurhydranten, der Pichers Trinkwasserleitung anzapft. Und dann helfen die Nachbarwehren aus Warlow und Bresegard beim Verlegen der Schläuche zum 500 Meter entfernten Löschwasserteich.

Die Männer stehen dabei unter Beobachtung. Nicht nur Bürgermeister Detlef Christ, der von einer Goldenen Hochzeitsfeier herbeigeeilt kommt, will wissen, ob die Großübung klappt. Auch Heinz-Egon Möller, Amtswehrführer von Hagenow-Land, prüft mit kritischem Blick das Zusammenspiel der Wehren. Er ist zufrieden, genauso wie Wehrleiter Holger Hille. "Wir fahren vielleicht fünf oder sechs richtige Einsätze im Jahr", sagt Hille. "Da ist es wichtig, nicht aus der Übung zu kommen. Fehler, die die Jungs hier machen, machen sie später nicht mehr.

Deshalb reden wir in der Auswertung noch einmal darüber." Großübungen, wie diese, erlebt die Picheraner Wehr einmal im Jahr. "Zu wenig", findet Gruppenführer Brumme. "Wir brauchen mehr Ausbildung." Die sei jedoch immer schwerer zu koordinieren, weil die Männer beruflich viel unterwegs sind und ihre knappe Freizeit auch gern mal in ihren Familien verbringen.

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