Netzausbau in Teldau : Sind bald die Leitungen tot?

Ist für Dieter Scheibler das Telefonieren bald nur noch eine schöne Erinnerung?
Ist für Dieter Scheibler das Telefonieren bald nur noch eine schöne Erinnerung?

Netzbetreiber will in der Teldau Systemumstellung durchsetzten. Netzausbau erfüllt nicht die Voraussetzung

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26. Januar 2018, 12:00 Uhr

Die blühenden Landschaften, die vor fast dreißig Jahren propagiert wurden, klingen einem noch immer in den Ohren. Doch gerade bei der Digitalisierung und dem damit verbundenen Netzausbau auf dem Land, tritt dabei mitunter der Gedanke in den Vordergrund, dass ebendiese „Landschaften“ nicht berücksichtigt werden. Zwar sind positive Beispiele zu vermelden. Informiert unter anderen die Gemeinde Wittendörp im Februar bereits über konkrete Möglichkeiten zur Nutzung des schnellen Internets.

Es gibt aber auch Fälle wie Dieter Scheibner und Peter Guhl. Beide Unternehmer sind in Vorderhagen ansässig und stehen seit dem letzten Jahr vor einem großen Problem. Ihr Netzanbieter vollzieht eine Systemumstellung und hat im Zuge dessen sowohl Scheibner als auch Guhl die Verträge gekündigt. „Seit Oktober wollen die uns Abschalten“, berichtet Scheibner. Der Elektromeister ist unter anderem in landwirtschaftlichen Betrieben mit der Installation von Melkständen und deren Instandhaltung betraut. Für ihn wie für Guhl, dem Inhaber des Hofes Weitenfeld, wäre dieser Schritt existenziell. „Ich muss doch über E-Mail und Telefon erreichbar sein für meine Kunden“, ist der Grundtenor der beiden, die neun bzw. 29 Mitarbeiter in ihren Firmen beschäftigen. Scheibner fügt noch hinzu: „Sonst wäre es ja wie früher, als meine Kunden morgens vor meinem Fenster standen und mich riefen“

Gerade so soll es jedoch auf keinen Fall werden. So wirbt der Dienstleister in dem Schreiben an Scheibner damit, das Telekommunikationsnetz der Zukunft zu bauen. Wörtlich heißt es: „Die Daten werden noch schneller.“ Für Scheibner ein verlockendes Angebot. „Ich will den Anbieter ja auch gar nicht wechseln.“

Alleine die Voraussetzungen vor Ort müssen erst realisiert werden. Die Förderung des kompletten Netzausbaus stehe zwar auf der Agenda der Gemeinde Teldau, eine Umsetzung sei jedoch noch nicht geplant, wie Guhl berichtet, der wie Scheibner selbst Mitglied der Gemeindevertretung ist.

„Wir hatten schon drei Anläufe. Da waren Techniker da und haben jedes mal festgestellt, dass unsere Leitung nicht für den Wechsel geeignet ist“, so der Elektromeister. Guhl versinnbildlicht die Problematik: „Ich sehe mir im Internet nur Videos an, wenn ich viel Zeit habe.“

Bei Scheibner entwickelte sich sogar eine Abwärtsspirale, die ihren bisherigen Höhepunkt am gestrigen Donnerstag erreichte. Wieder waren Techniker vor Ort. Alles sollte endlich funktionieren. Aber wieder konnte das „Telekommunikationsnetz der Zukunft“ nicht installiert werden. Die Kündigungen des Anbieters werden jedoch nicht widerrufen. Die Frist für Scheibner ist auf den 22. Juni terminiert.

Für Guhl ist der Zeitraum noch enger gesteckt. In seiner Kündigung steht der 28. Februar. Er hat einen Anwalt eingeschaltet. Alleine deswegen, um das vorliegende Problem des unzureichenden Netzausbaus einmal klar zu definieren. Der Landwirt fühlt sich nämlich von dem Dienstleister alleine gelassen: „Da wird man vor vollendete Tatsachen gestellt und es gibt keinen Weg zurück“, bemängelt er die fehlende Flexibilität.„Ich will eigentlich nur in Ruhe telefonieren“, merkt Scheibner am Ende seiner Ausführungen über die blühende Zukunftsvision des Netzbetreibers und die graue Realität an.

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