Diamantene Hochzeit in Steegen : Silvester 1950: "Darf ich bitten?"

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Silvester 1950 in der Gaststätte "Deutschmann" in Zarrentin. Hilde Heinrich wird nie vergessen, wie ihr heutiger Mann Willi sie zum Tanz aufforderte. Seit 60 Jahren sind die beiden nun verheiratet.

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25. März 2013, 11:42 Uhr

Steegen | Fünf vor zwölf. Silvester 1950 in der Gaststätte "Deutschmann" in Zarrentin. Hilde Heinrich wird nie vergessen, wie ihr heutiger Mann Willi sie damals zum Tanz aufgefordert hat. In Uniform nach Dienstschluss wollte der Grenzpolizist nur eine: Hilde in ihrem karierten Kleid. Aus dem Tanz und dem ersten gemeinsamen Schlückchen aufs neue Jahr wurden 63 Jahre Verbundenheit mit schönen Zeiten und schweren Schicksalsschlägen. Am Wochenende haben sie ihre Diamantene Hochzeit im Steegener Restaurant gefeiert.

"Wenn mir das einer vor 60 Jahren gesagt hätte...", resümiert Willi Heinrich. "Es waren auch harte Jahre", gesteht der 81-Jährige. Aber die versuche man zu vergessen. Was seine Frau Hilde ausmacht? Eine Weile schweigt der Steegener. Die Augen füllen sich mit Tränen, während er aus dem Küchenfenster schaut. Das Stofftaschentuch in der Hand. Schließlich sagt er: "Hut ab vor so einer Frau, die das mitgemacht hat." Er meint die vielen Jahre Unruhe im Leben. Immer wieder muss der gebürtige Ostpreuße Dienststellen wechseln. Hilde bleibt stets an seiner Seite, sucht sich neue Jobs.

Die 80-Jährige aus Bessarabien lächelt. So viele Anekdoten fallen ihr ein, wenn sie auf die gemeinsamen Ehejahre zurückblickt. "Wir haben uns immer gut verstanden", sagt sie. Sonst wären sie nicht so lange zusammen geblieben. Einer sei stets für den anderen da gewesen. "Wir sind ein gutes Team." Im Leben wie auf dem Tanzparkett. Tanzen waren sie oft. "Zu unserer Goldenen habe ich noch mit allen Frauen getanzt", sagt Willi Heinrich. "Das schaffe ich jetzt wohl nicht mehr."

Beide leben mit ihrer Tochter und dessen Mann in einem Haus in Steegen. Seit Anfang der 1990er. Zuvor haben sie viele Jahre in Wittenburg gewohnt. Willi Heinrich war mehr als vier Jahre Bürgermeister von Dreilützow, und nutzt danach die Chance, ein Pädagogik-Studium anzufangen, um später in der Volksbildung zu arbeiten. Seine Frau fasst in der Wittenburger Geflügelzucht Fuß, wo sie von der Saisonkraft zum Lehr-Facharbeiter aufsteigt. Zu ehemaligen Lehrlingen und Kollegen hat sie bis heute guten Kontakt. Einige gehören am Wochenende auch zu den 40 Gästen der Diamantenen Feier.

Am 20. März 1953 geben sich beide das Ja-Wort. Genauso ein schöner Tag wie am Wochenende, erinnern sie sich. Nur nicht so kalt. Auch damals feiern sie mit etwa 40 Gästen. "Aber es war eine ganz andere Zeit", sagt Hilde Heinrich. Ihre Mutter habe alles alleine gekocht. Heute gehen sie in die Gaststätte. Und auch wenn es gesundheitlich nicht mehr ganz so gut geht, beide freuen sich, dass sie sich haben. Ihre Enkel und Urenkel bereichern ihr Leben. Nur manchmal fragen sie sich, wo sind nur die Jahre geblieben. Die Jahre vom Silvester-Tanz 1950 bis heute.

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