Hagenow : Sieben Kerzen – sieben Schicksale

Aufmerksamkeit und viel Nachdenklichkeit herrschten im Publikum in der Alten Synagoge vor.
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Aufmerksamkeit und viel Nachdenklichkeit herrschten im Publikum in der Alten Synagoge vor.

Lebenshilfewerk widmete sich in Hagenow zu seinem 25. Jubiläum aufwändig der sehr konkreten Aufarbeitung des Holocaust

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29. Januar 2016, 08:00 Uhr

Anspruchsvoll bei Themenwahl und Herausforderungen war das Lebenshilfewerk schon immer. Das hat sich bei der Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr einer der ersten Ost-West-Einrichtungen der Region nicht geändert. „Spurensuche“ war als großes Thema des sehr gründlich vorbereiteten Abends vorangestellt, und es ging um eine sehr detaillierte Aufarbeitung des Holocaust. Nicht abstrakt, nicht nur aus der Gesamtschau, sondern gut recherchiert, in der Region angesiedelt und anhand vieler Einzelbeispiele, die die Zuhörer sichtbar getroffen zurückließen.

Was hat nun das Thema Holocaust mit der erfolgreichen Arbeit des Lebenshilfwerkes zu tun. Viel mehr, als einem zunächst einfällt. Hans-Joachim Grätsch, Geschäftsführer Lebenshilfewerk (LHW) Mölln-Hagenow, stellte eine Verbindung in seiner Rede her: „Die konkrete Auseinandersetzung mit den verachtenswerten Auswüchsen des Nationalsozialismus kann aufzeigen, wozu Menschen fähig sind. Nur durch diese individuelle Auseinandersetzung können wir eine unverzichtbare Wachsamkeit und Sensibilität gegenüber aufkommenden, leider auch schon vorhandenen Strömungen, entwickeln, die einer Wiederholung der Geschichte unmöglich macht. Eine dieser Strömungen ist beispielsweise das immer stärkere werdende Kosten-Nutzen-Denken, bei dem der Nutzen eines Menschen für die Gesellschaft in Euro bemessen und der Wahn zur Vollkommenheit ein unverständliches Dogma wird.“

Almuth Grätsch vom Lebenshilfewerk und Künstlerin Eva Ammermann streiften in ihrem Vortrag Grundsätzliches zum Thema und berichteten ausführlich über die einzelnen Projekte, die es in Vorbereitung des Abends gab.

Anschließend übernahm Museumsleiter Henry Gawlick die Regie beim Thema „Der 7-armige Leuchter: 7 Kerzen - 7 Schicksale“. Menschen mit Behinderung lasen die Schicksale jüdischer Menschen vor, und für jeden wurde eine Kerze auf dem siebenarmigen Leuchter entzündet. Später klang der offizielle Teil mit einer angeregten Podiumsdiskussion aus. Fazit: Jeder Mensch ist einzigartig, jeder verdient Beachtung und hat eine Ehre. Genau diese Rechte waren zu Zeiten des Nationalsozialismus mit Füßen getreten worden.

Gestern gab es dann den zweiten Fachtag im Hagenower Rathaus. Thema: „Unsere besondere Verantwortung für Kinder“.

Bei allen schwierigen Themen wurde aber der Anlass für die Fachtage nicht ganz aus dem Auge verloren, das 25-jährige Jubiläum des Lebenshilfewerks Hagenow. Eine Entwicklung über ein Vierteljahrhundert, die sich damals keiner vorstellen konnte, und die heute immer noch verblüfft. Das liegt nicht nur daran, dass zunächst nur an eine fünfjährige Zusammenarbeit gedacht war. Die Lebenshilfe war und ist eines der ersten Unternehmen, dass die Unterteilung in Ost- und West in allen Bereichen aufhob, auch bei Menschen mit und ohne Behinderung.

Grätsch dazu in seiner Rede: „Inzwischen sind knapp 400 Arbeitsplätze und 130 Wohnplätze im stationären und ambulanten Bereich für behinderte Menschen entstanden. Wir beschäftigen ca. 120 Mitarbeiter, die zum selben Tarif wie ihre Kolleginnen und Kollegen im Kreis Herzogtum Lauenburg bezahlt werden.“


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