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Schmitz Cargobull Toddin : Sie wollen sich teuer verkaufen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Vorstand hält offenbar an Plänen fest Gewerkschaft baut Streikcamp auf/ Am Montag findet Urabstimmung statt

Auch wenn es in den vergangenen zwei Wochen ruhiger war bei Schmitz Cargobull  in Toddin, vom Tisch ist die Standortschließung nicht. Im Gegenteil: Der Konzern–Vorstand hält offenbar an den Plänen fest, der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall kämpfen dagegen an. Und für den Fall, dass ihr Kampf verloren gehen sollte, möchten sie zumindest das beste für die Mitarbeiter herausholen.

„Wir haben dem Arbeitgeber gesagt, wenn du schon dicht machen willst, dann mit einem Sozialtarifvertrag“, sagte Hans-Georg Frericks von der IG Metall im SVZ-Gespräch. Dazu habe man Forderungen gestellt, die auch arbeitskampffähig seien. So fordere die Gewerkschaft eine Kündigungsfrist von 24 Monaten, für die gleiche Zeit eine Transfergesellschaft, die von Schmitz Cargobull durchfinanziert werde, „und es geht auch um möglichst hohe Abfindungen“, so Frericks. Er will die Abwicklung des Standorts offenbar so teuer wie möglich machen.

Weil es aber bisher  noch nicht zu Verhandlungen gekommen ist, bereitet sich die IG Metall auf den Arbeitskampf vor. „Kommende Woche Montag gibt es eine Urabstimmung über einen unbefristeten Erzwingungsstreik“, so Frericks.  Abstimmen dürften nur Mitarbeiter, die Mitglied in der Gewerkschaft sind – immerhin 87 der rund 120 Angestellten. Stimmen dann mindestens 66 Beschäftigte  für den Streik und gibt auch der Vorstand der IG Metall grünes Licht, stehen ab Dienstag  die Fließbänder still – pünktlich zur Sitzung des  Konzern-Aufsichtsrat, in der über die Zukunft des Standorts entschieden werden soll.

Zweifel, dass  es zum Streik kommt, gibt es offensichtlich nicht. Gestern ließ die IG Metall schon einmal einen Büro–Container anliefern, die Arbeitskampf–Zentrale, für die kommenden Wochen. Die ehemalige Bürgermeisterin Toddins, Renate Rick, hat dafür einen Teil ihres Grundstücks zur Verfügung gestellt. Dieses grenzt genau an die Hofauffahrt von Schmitz Cargobull und wird in den kommenden Tagen zum Streikcamp ausgebaut. „Wir werden noch ein großes Zelt und einen Wohnanhänger aufstellen“, so Frericks. Auch die Versorgung der Mitarbeiter sei schon organisiert. Ein Caterer soll täglich Essen liefern. „Streik ist auch Arbeit, man hat anwesend zu sein“, betont er. So würden die Arbeitnehmer einen Streikausweis bekommen, der täglich abgestempelt werde. Immerhin bezahlt die Gewerkschaft auch ein Streikgeld.

Ob sich die Konzernleitung von Schmitz Cargobull von dem Streik beeindrucken lassen und in Verhandlungen zu einem Sozialtarifvertrag einsteigen wird, ist fraglich. Die Fronten scheinen verhärtet. So wurde auch kein Notdienst vereinbart. „Sie haben uns wohl nicht ernst genommen, das wir das machen“, so Frericks. Komme es zum Streik, gehe dann nichts mehr, es würden nicht einmal die Lkw der Lieferanten entladen.

Und auch, dass die Pläne zur Standortschließung aufgegeben werden, ist  unwahrscheinlich, das hat offenbar  eine Ansprache des Vorstandsvorsitzenden Andreas Schmitz Anfang des Monats an die Belegschaft gezeigt. „Er hat uns mehrfach gesagt, dass es keinen Sinn mehr macht, hier Fahrzeuge zu bauen“, erzählt Heiko Karth Mitglied im Betriebsrat. Auch wenn er gleichzeitig versucht habe, das Wort Schließung nicht zu erwähnen. 

 

Kommenar "Vom Nichtstun wird’s nicht besser" von Robert Lehmann

Was soll das Ganze  bringen? Das fragen sich doch viele, wenn sie lesen, was gerade in Toddin vor sich geht. Die Mitarbeiter haben doch keine Chance, da will sich die Gewerkschaft  nur profilieren, behaupten  dann einige böse Zungen. 

Und wenn schon, lass sie  machen. Die Beschäftigten haben  nichts mehr zu verlieren. Der Vorstand möchte den Standort ganz offensichtlich schließen, wann das passiert ist  wohl nur  noch eine Frage der Zeit, auch wenn das Arbeitsgericht die Pläne vorerst durchkreuzt hat.

Die Frage wäre also: Warum sollten die Arbeitnehmer nichts machen? Vom Klappe halten, wird es doch nicht besser. Natürlich sollten sie sich so teuer wie möglich verkaufen – gerade im Fall Toddin, der  schon etwas merkwürdig ist. Da wurde Ende März noch ein Drei-Jahresplan präsentiert, sechs Wochen später kommt dann die Nachricht, das Werk soll geschlossen werden. Dabei, so heißt es vom Betriebsrat, schreibe man schwarze Zahlen, auch wenn einem Steine vom Konzern in den Weg gelegt würden.

Eine Stellungnahme des  Unternehmens gibt es auf jeden Fall nicht. Der Geschäftsführer in Toddin möchte sich auch auf mehrmalige Nachfrage nicht äußern und  die  Presseabteilung  in Horstmar  hatte noch vor Kurzem  angeblich keine Informationen zu den Vorstandsplänen.

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erstellt am 16.Jun.2017 | 05:00 Uhr

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