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Wittenburg-Zarrentin : Sie sind wahre Helden des Alltages

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Bernd und Tom Seehagen aus Wittenburg fahren Behinderte und Bedürftige kostenlos

von
erstellt am 11.Sep.2014 | 15:48 Uhr

„Wenn wir helfen können, machen wir das auch“, sagt Bernd Seehagen, Inhaber des TKS-Fahrdienstes. So, als sei das die normalste Sache der Welt. Sein Transportunternehmen, dass sich auf Menschen im Rollstuhl, Tragestuhl oder liegende Patienten spezialisiert hat, ist für viele Frauen und Männer die letzte Hoffnung.

„Wir fahren auch mit Leuten einkaufen, die niemanden mehr haben, der sich um sie kümmert. Rollstuhlfahrer zu Weihnachten in die Kirche zu bringen und wieder abzuholen, das machen wir auch“, erzählt der gebürtige Wolgaster. Je nachdem, wie es die arg bemessene Zeit und die Termine zuließen. Was der 51-Jährige fast bescheiden verschweigt, ist, dass er dafür keinen Cent nimmt. „Manchmal bekommen wir eine Blume oder eine Tafel Schokolade als Dankeschön. Mitunter auch ein Dankesschreiben.“

Dann berichtet der ehemalige Dreher und Berufskraftfahrer von der Armut und den schmalen Renten, die ihm immer öfter bei seinen Touren übern Weg laufen. „So viele Ältere haben 30 bis 45 Jahre hart gearbeitet und ihnen bleibt im Ruhestand nicht viel zum Leben“, erzählt Seehagen, der diese Uneigennützigkeit gern mit seiner sozialen Ader erklärt. „Das liegt vielleicht auch ein bisschen an meinem Alter und der Erkenntnis, dass es auch mich vielleicht einmal treffen könnte.“

Für umsonst etwas tun, ohne zu fragen, was es dafür gibt: in unserer Gesellschaft, die schnell mal die Hilflosen und Schwachen an den Rand drängt, hat das schon großen Seltenheitswert. „Wir machen aber keine Taxi-Fahrten“, macht Seehagen deutlich. Und ist mächtig stolz, dass Sohn Tom so ähnlich tickt, wie er selbst. Einst hatte der 24-Jährige eine Ausbildung zum Informatik-Assisstent in Schwerin gemacht und sich später über die IHK immer samstags zum Mietwagen-Unternehmen weiterqualifiziert. Kürzlich hatte er ein Mitglied der Behindertengruppe Zarrentin gefahren.

„So habe ich erfahren, dass die Feuerwehr Zarrentin seit Jahresanfang die Transferfahrten wegen versicherungsrechtlicher Probleme eingestellt hat. Also haben wir das Gespräch mit der Vorsitzenden Margrit Krüger geführt und fahren die Truppe seitdem regelmäßig.“

Für Margrit Krüger, seit zehn Jahren Chefin der Gruppe, ein Glücksfall. „Da unsere 15 Mitglieder zum Teil körperlich recht eingeschränkt sind, können sie längere Wege im Ort ohne Transferhilfe leider nicht mehr selbstständig bewältigen. 23 Jahre hatte uns die Feuerwehr Zarrentin mit ihrem Personenfahrzeug und ehrenamtlichen Fahrern befördert. Dafür an dieser Stelle unseren wiederholten Dank. Leider musste diese großartige Unterstützung ab Januar 2014 beendet werden.“ Das habe für die Zarrentiner Behindertengruppe fast das Ende ihres Bestehens bedeutet. Denn ohne Transport seien die allmonatlichen Treffen gefährdet gewesen. „Als die Wittenburger Firma TKS-Fahrdienst Seehagen schließlich durch Zufall von unserem Problem hörte, war sie sofort bereit, die Transferfahrten für uns im Ort zu übernehmen. Und sogar unsere Kaffeefahrt nach Salem. Und das alles kostenlos. Wir konnten es zunächst gar nicht glauben und sind jedes Mal wieder aufs Neue sehr beeindruckt über diese großartige Spendenhilfe. Deshalb möchten wir Vater und Sohn auf diesem Wege unser großes Dankeschön aussprechen. Dieser Einsatz ist nicht nur sehr sozial, sondern macht für unsere Gruppe erlebbar, wer tatsächlich ein Herz für Behinderte hat.“ Deshalb kann man die beiden Wittenburger mit Fug und Recht auch als wahre Helden des Alltages bezeichnen.

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