Kindheit zur Wendezeit : Sie ist die „Letzte Generation Ost“

Das Buch „Letzte Generation Ost“ entstand im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Fachhochschule Dortmund.  Fotos: Privat
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Das Buch „Letzte Generation Ost“ entstand im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Fachhochschule Dortmund.

Ehemalige Hagenowerin veröffentlicht Buch über ihre Kindheit in den Jahren vor und nach der Wende im Hagenower Kietz

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04. Januar 2016, 08:00 Uhr

Auch wenn sie bereits seit vielen Jahren nicht mehr hier lebt, ist Kristin Trüb in Hagenow geboren und aufgewachsen. In Hagenow Kietz um genau zu sein. Im April 1986 geboren, hat sie mit ihren Eltern  in der Plattenbausiedlung  gelebt, bis sie 1996 nach Warin gezogen ist.

Vor kurzem jedoch kehrte  die 29-Jährige zu ihren Wurzeln zurück und stellte auf der Paris Photo, einer internationalen Fotografie-Messe, ihr Buch „Letzte Generation Ost“ vor. Das Buch entstand im Rahmen ihrer Abschlussarbeit ihres Bachelorstudiums für Fotodesign an der Fachhochschule Dortmund und beschäftigt sich mit Menschen, mit denen Kristin Trüb in Hagenow  aufgewachsen ist. „Ich hatte Lust mich mit meiner Herkunft auseinanderzusetzen und mit Menschen auszutauschen, die wie ich nur wenige Jahre vor der Wende geboren sind“, sagte die Studentin und selbstständige Fotografin der SVZ.

Für sie sei das Projekt sehr spannend gewesen, weil sie seit vielen Jahren nicht mehr in Hagenow  war. Neun ehemalige Mitschüler befragte Kristin Trüb nach ihren Erinnerungen an die Zeit vor und nach der Wende. „Es geht um all das, an das man sich erinnern kann. Kindergarten, der Gemeinschaftssinn in der Siedlung, Freundschaften, die Berufe der Eltern und dann natürlich auch um die Veränderungen. Viele sind weggezogen, die Plattenbausiedlung wurde nicht mehr als attraktiv empfunden, Eltern haben sich getrennt. Die persönlichen Lebensläufe haben mich sehr interessiert. Rückblickend betrachtet gibt es viele Parallelen zwischen den einzelnen Familien, aber am Ende hat natürlich jeder seinen eigenen Weg eingeschlagen“, sagte die 29-Jährige.

Etwa ein Jahr hat Kristin Trüb an ihrem Buch gearbeitet. Besonders beschäftigt haben sie dabei die Fragen, was sie mit ihrem Werk erzählen möchte und wie sie es fotografisch umsetzen kann. Letztendlich wurde es ein kleines Sammelsurium von Fotos, Dokumenten und Texten, die über die Kindheit im Hagenower Kietz erzählen. „Es besteht aus verschiedenen Ebenen und unterschiedlichen Papieren. Da gibt es zum Beispiel Formulare zu den Personen, die nicht mit eingebunden, sondern nur eingelegt sind und ein kleines Heft auf dem Buch mit Bildern aus meinem privaten Familienarchiv“, sagte Kristin Trüb. Das erste Foto für „Letzte Generation Ost“ hat die Studentin im Juli 2014 geschossen. Am 27. März 2015 hielt sie ihr gedrucktes Werk zum ersten Mal in den Händen. „Das weiß ich noch so genau, weil das der Tag meiner Bachelorprüfung war und am Ende alles ganz schön knapp wurde.“

Nach ihrem Abschluss präsentierte die ehemalige Hagenowerin ihr Buch auf einem jährlichen Fotofestival in Kassel. Dort gelangte es auf die so genannte Short-List. 50 ausgewählte Bücher werden in dieser Liste aufgenommen und anschließend auf allen bekannten Fotofestivals in Europa vorgestellt, darunter Dublin, Oslo, Rom und Madrid.

In Kassel wurde auch der französische Verleger Pierre Bessard auf die 29-Jährige aufmerksam. Sein Verlag ist spezialisiert auf Veröffentlichungen, die in limitierter Stückzahl erscheinen. Da der Verlag seine Werke international vertreibt, sind nun 500 Stück von Kristin Trübs „Letzte Generation Ost“ in englisch erschienen. Die ersten 50 wurden bereits in den vier Tagen der Paris Photo verkauft.  Von ihrer Familie, Freunden und Bekannten hat Kristin Trüb bisher viel Positives Feedback bekommen. Doch auch von Außenstehenden bekommt sie positive Reaktionen auf ihr Werk. „Es ist besonders schön, während Ausstellungen zu beobachten, wie das Publikum reagiert. Viele fangen an zu lesen und hören nicht mehr auf. Das ist unbeschreiblich, so was zu erleben.“

Kristin Trüb ist begeistert über den Erfolg und die Anerkennung, die das Projekt ihrer Bachelorarbeit auch international findet. „Das Buch zu konzipieren, war eine anstrengende Zeit. Es gab Momente, da wollte ich alles hinschmeißen. Man ist ja doch sehr kritisch mit eigenen Sachen. Deswegen ist es jetzt umso schöner, dass es so erfolgreich läuft. Das gibt mir enorm viel Motivation für das nächste Projekt.“

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