Neuhaus : Sicher über die Straße gebracht

Rolf Berger begleitet die Biberin bis zu seinem Grundstückszaun.  Fotos: Ingunn Wittkopf
Foto:
1 von 2
Rolf Berger begleitet die Biberin bis zu seinem Grundstückszaun.

Rettungsaktion für Biberdame in Neuhaus / Tier hatte sich in die Lüneburger Straße verirrt und wurde zum Wasser geleitet

Volker Kurwahn staunt nicht schlecht, als er am frühen Donnerstagmorgen auf dem Weg zur Arbeit auf einen ausgewachsenen Biber trifft, der in seinem Garten in aller Seelenruhe Sträucher und Blumenbeete inspiziert. Vermutlich war der Nager, der bestimmt 40 bis 50 Kilo auf die Waage bringt, auf einem nächtlichen Streifzug durch die Gärten in der Dorfstraße unterwegs, um das dortige Obstangebot zu prüfen. Der Rückweg zur nahen Krainke ist ihm jetzt allerdings durch den Zaun um das Grundstück von Familie Kurwahn und die viel befahrene Lüneburger Straße (B 195) versperrt.

„Wir haben als erstes bei Frau Wittkopf angerufen“, berichtet Anke Kurwahn, „mit ihr haben wir mal eine Radtour unternommen.“ Die Naturführerin mit einer Zusatzausbildung als Biberexpertin macht sich sofort auf den Weg in die Lüneburger Straße: „Das Tier ist unverletzt und putzmunter. Es handelt sich um eine Biberin, an ihrem Bauch kann man das Gesäuge sehen“, schätzt Sabine Wittkopf ein. Zum Glück ist die Milch von Bibern so „hochprozentig“, dass der Nachwuchs nur einmal in 24 Stunden gesäugt werden muss. In dieser Hinsicht besteht also keine Eile, aber mittlerweile läuft die Biberin unruhig am Zaun auf und ab. Mit ihrer feinen Nase hat sie gewittert, dass das Wasser ganz in der Nähe sein muss. Die erste Idee, das Tier mit einer Kastenfalle einzufangen, um es sicher durch den morgendlichen Berufsverkehr zu bringen, scheitert, denn die Forst ist noch nicht telefonisch zu erreichen. Das durch seinen langen Krallen wehrhafte und zudem sehr schwere Wildtier stattdessen mal eben auf dem Arm über die Straße zu tragen, könnte für alle Beteiligten gefährlich werden. Hilfe kommt schließlich von der Polizei vor Ort, Lars Hufnagel rückt mit seinem Streifenwagen aus, um die Bundesstraße zu sperren.

Bis zum Zaun an der Straße geht alles gut, die Biberin, die sich mittlerweile im Garten der Nachbarn einen schattigen Schlafplatz gesucht hat, lässt sich von Flächenbesitzer Rolf Berger ruhig bis zur Grundstücksgrenze treiben. Doch die Straße und der Motorenlärm der Lkw, die im Stau stehen, machen der Biberdame Angst, von alleine geht sie keinen Schritt mehr weiter. „Irgendwie müssen wir sie über die Straße bringen, ohne dass sie vor Aufregung einen Herzinfarkt bekommt“, sagt Sabine Wittkopf. Hochheben ist immer noch keine Option, aber mit sanftem Druck an Hinterteil und Rücken lässt sich die Biberdame Stück für Stück über die Straße schieben und auf das gegenüberliegende Wiesengrundstück dirigieren. Gemächlich verschwindet die Biberin dann in Richtung Krainke. „Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich mal einen lebendigen Biber anfassen würde. Sie hat ein ganz schön fettiges Fell“, lacht Sabine Wittkopf nach der erfolgreichen Rettungsaktion. Auch die Anwohner sind froh, dass alles dank der Polizei so gut gelaufen ist. „Wir hatten ja schon viele Tiere in unserem Garten, aber einen Biber noch nie“, meint Anke Kurwahn. Ihre Nachbarin Ilse Berger ergänzt: „Hoffentlich passiert das nicht noch mal, sonst brauchen wir hier noch einen Zebrastreifen für Biber.“ Für alle Anwohner, die sich Sorgen um ihre Fische im Gartenteich machen, sei noch hinzugefügt: Biber sind strenge Vegetarier.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen