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Hagenower Kreisblatt

23. Oktober 2017 | 19:07 Uhr

Lübtheen : Seit Wochen kommt verfaultes Obst

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Lübtheener Tafel bekommt jeden Donnerstag verdorbene Lebensmittel geliefert

von
erstellt am 07.Jul.2016 | 21:00 Uhr

An den Kirschen kann Karsten Klos nicht lange stehen bleiben. Es kommt ein beißender Geruch aus den Früchten, kaum erträglich. Ein Großteil des Obstes kann aussortiert und in der Biotonne entsorgt werden. Doch nicht nur die Kirschen werden in diesem Zustand der Tafel in Lübtheen geliefert. „Die vergangenen Wochen  mussten die Mitarbeiter jede Menge Obst und Gemüse aussortieren“, erzählt der Garlitzer, der regelmäßig zur Tafel kommt und auf die Lebensmittel angewiesen ist. „Vorletzte Woche wurden insgesamt eine Biotonne und vier große Eimer aussortiert.“ Für die Bedürftigen aus Lübtheen und Umgebung blieb da nicht mehr viel übrig. „Da haben nicht mehr alle etwas abbekommen.“

Seit mehreren Wochen habe die Lübtheener Tafel nun diese Probleme, berichtet Karsten Klos. „Das Angebot wird von Woche zu Woche weniger und die Ware ist verdorben, so dass man kaum noch etwas davon nutzen kann“, so Klos. „Wenn man es richtig nimmt, kann man es auch gleich den Schweinen vorsetzen“, bringt der 53-Jährige es auf den Punkt.

Jede Woche Donnerstag nutzen rund 15 bis 20 Lübtheener und Bewohner aus der Region das Angebot der Tafel in den Räumlichkeiten der Kirche. Morgens werden die Lebensmittel, die auf der Tour nach Lübtheen von den Supermärkten und Großhändlern eingesammelt werden, geliefert. Die Mitarbeiter vor Ort sortieren die Nahrungsmittel für die Ausgabe.

Verteilt werden bei den Tafeln ausschließlich gespendete Sachen. Zugekauft wird nichts. „Wir haben nur das, was wir bekommen. Wir leben auch nur von der Hand in den Mund“, erzählt der Leiter der Schweriner Tafel e.V.,  Peter Grosch. Häufig seien es saisonale Produkte – im Sommer Erdbeeren, Kirschen – viel Obst und Gemüse, das erfahrungsgemäß keine lange Haltbarkeit hat.  „Meistens gibt es schnell verdorbene Früchte. Aber wir können die Sachen ja auch nicht einfach in den Kaufhallen stehen lassen.“ Aussortiert werden muss dann vor Ort. Im Herbst sehe es dann wieder besser aus, wenn es wieder mehr Gurken und Tomaten gebe.  Die eingesammelten Lebensmittel werden   in Kühlautos transportiert.  Zwischengelagert werde  kaum.  „Wir dürfen die Kühlkette  nicht  unterbrechen“, so Grosch. Die Ware werde direkt zu den Ausgaben gebracht.  „Viele Händler würden uns sonst auch gar keine Spenden geben.“ Auch die Gesundheitsaufsicht  kontrolliere regelmäßig.   In Schwerin gebe es einige Kühlzellen für die Zwischenlagerung.  Die werden jedoch meist für Frischware für die rund 800 Frühstücksbeutel für die Schulen genutzt. „Die Kinder gehen da vor.“ Auf die gelieferte Menge zu den Tafel-Ausgaben haben die Mitarbeiter keinen großen Einfluss. „Es ist mal mehr, mal weniger. Je nachdem  wieviel uns die Kaufhallen geben“, so der Leiter. Bezogen auf die Lübtheener Tafel könne sich das kommende Woche bereits wieder ändern.

 Karsten Klos wird weiter das Angebot der Tafel nutzen und wöchentlich zu den Ausgaben kommen, in der Hoffnung, dass es  bald wieder eine bessere und ausreichende Versorgung für die Bürger gibt. „Trotz der Kritik möchten wir   der Kirche danken, dass sie die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, und auch den  Mitarbeiterinnen, die versuchen immer noch das Beste aus der Situation zu machen.“

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