Neuhaus : Seine Liebe gehört den alten Rassen

Holger Belz leitet seit Januar 2017 das Archezentrum in Neuhaus. Diese Arbeit sieht er als Geschenk.
Holger Belz leitet seit Januar 2017 das Archezentrum in Neuhaus. Diese Arbeit sieht er als Geschenk.

Holger Belz leitet seit Jahresanfang Archezentrum in Neuhaus und würde gern mal auf einem Fluss von Quelle bis Mündung schwimmen

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29. April 2017, 11:53 Uhr

Dass er seit Jahresbeginn das örtliche Archezentrum leiten darf, sieht Holger Belz als großes Geschenk des Lebens. In Europa seien seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Hälfte aller Nutztierrassen ausgestorben. Von den 18 in Deutschland noch heimischen Rinderrassen stünden 14 bereits auf der Roten Liste. Hier gegenzusteuern, sei wichtig, betont der junge Mann, der nach einer Gärtnerlehre ein Studium als Landschaftsarchitekt absolvierte. Und dessen Wiege in Neuss am Rhein gestanden habe. „Ich war schon als Kind an allem interessiert was mit Natur und Tieren zu tun hat“, gesteht der verheiratete Vater zweier Söhne, elf und 14 Jahre alt, die auf die Namen Benne und Jonathan hören. SVZ-Redakteur Thorsten Meier beantwortet der 43-Jährige die Fragen zum Wochenende. Im Wintergarten im Haus des Gastes, beim Pott Kaffee.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Et hätt noch immer joot jejange, sagt man bei mir daheim und meint eigentlich nichts anderes, als die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Immer positiv denken und flexibel im Kopf bleiben. Da ist die Elbe für mich ein klassisches Beispiel. Ihr Fließen prägt diesen entspannten Landstrich, die Mentalität der Menschen, die hier wohnen, ihre Ausgeglichenheit, ihren Rhythmus und die Art, wie sie mit dem Auf und Ab des Wassers klarzukommen, gelernt haben.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Im Wasser, egal, ob in der Badewanne, in einem See oder Meer. Ich schwimme gern, es ist für mich wie Fliegen, nur eben in einem anderen Element.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Meine Tante hatte mal ein Gasthaus. Da habe ich ausgeholfen, bin ihr zur Hand gegangen, vom Geschirr spülen bis zum Lager auffüllen.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für eine Fahne meines Lieblingsfußballvereins Borussia Mönchengladbach. Das musste einfach sein, denn diese Verbundenheit hält bis heute an.
Wo findet man Sie am ehesten?
Im Archezentrum in Neuhaus. Montags bis freitags bin ich immer dort, gelegentlich auch an den Wochenenden.

Was stört Sie an anderen?
Inkonsequenz, sich selbst und anderen gegenüber. Wer seine eigenen Werte und Meinungen aufgibt, verliert sich selbst.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Helden habe ich nicht. Ich finde aber Menschen gut, die ihren eigenen Weg gehen. Die für die Allgemeinheit mitdenken, sich um andere kümmern, ohne zu fragen, was sie dafür bekommen. Jeder Mensch hat auch etwas Nicht-Heldenhaftes in sich, das wird nur immer gern verschwiegen.

Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Auch mal Ruhe zu haben.
Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Mein Kopf sagt mir, wenn mein Bauch recht hat.
Wonach suchen Sie im Leben?
Nach Zufriedenheit. Es gibt für jeden von uns einen anderen Weg dafür. Wenn man ihn gefunden hat, super.....

Unser ganzes Dasein ist ja ein ständiges Suchen und Finden, da sollten Ruhe und Bewegung immer auch im Gleichklang sein.
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Eine Flasche französischen Apfelwein, den Cidre. Und die leckere Leberwurst aus der Archeregion.
Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?
Ich würde gern mal auf einem Fluss von der Quelle bis zur Mündung schwimmen. Das dürfte dann ruhig auch ein paar Wochen dauern, Sich treiben lassen können, ist ein schöner Zustand.
Wen würden Sie gern mal auf einen Becher Kaffee treffen?
Leider lebt sie nicht mehr, aber das wäre die Schriftstellerin Astrid Lindgren. Sie hätte ich gern mal getroffen. Ihre Bücher erschaffen eine innere Welt. Sie selbst war ein tolle Frau, hat sich eingemischt und eingebracht.
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
neugierig
Wo ist für Sie Heimat?
In Neuss.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
1992 habe ich ganz alleine mit dem Zug Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark bereist. Das war absolute Freiheit, Leider hat Interrail heute kaum noch Bedeutung.
Wenn Sie kochen oder Essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Ich liebe Linseneintopf und Grünkohl. Italienische und asiatische Küche finde ich ebenfalls sehr lecker. International probiere ich alles aus. In Vietnam habe ich beispielsweise mal geröstete Maden verspeist.
Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Auf Bewegung. Ich laufe, schwimme, fahre Rad, mache also gern Triathlon.
Welches war bisher Ihr schönstes Geschenk?
Meine beiden Söhne.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Die Kriegstagebücher 1939 bis 1945 von Astrid Lindgren mit dem Titel „Die Menschheit hat den Verstand verloren“. Ein einzigartiges Zeitdokument. Man bekommt einen ganz anderen Blick auf den Zweiten Weltkrieg. Lange bevor die bekannten Bücher entstanden, schrieb sie bereits ihre Gedanken über dieses dunkelste Kapitel des 20. Jahrhunderts nieder.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Die Frage stelle ich mir gar nicht, ich lebe hier und heute.

Wem sollen wir ebenfalls diese Fragen stellen?

Hans-Jürgen Niederhoff, er züchtet in Dellien Auerochsen.

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