20 Fragen zum Wochenende : Sein Traum: Im Boot um die Welt

Wie ein glattes Tuch liegt der Schaalsee nur selten in der stillen Landschaft. Doch das ist Fischer Philipp Eberle egal. Er mag das bis zu 70 Meter tiefe Gewässer zu allen Tages- und Jahreszeiten.
Wie ein glattes Tuch liegt der Schaalsee nur selten in der stillen Landschaft. Doch das ist Fischer Philipp Eberle egal. Er mag das bis zu 70 Meter tiefe Gewässer zu allen Tages- und Jahreszeiten.

Binnenfischer Philipp Eberle liebt die Arbeit auf dem Schaalsee, imkert in der Freizeit und will im Februar 2018 den Jagdschein machen

von
01. April 2017, 07:00 Uhr

Arbeiten bei Wind und Wetter und oftmals noch vor Tag und Tau. Das ist nichts für jedermann. Es ist ein Knochenjob. Doch für Philipp Eberle genau das Richtige. Er könnte sich kaum etwas anderes vorstellen, gesteht er, der seit seinem 12. Lebensjahr mit Reusen, Netzen und Fisch zu tun hat. Als gebürtiger Thüringer, die Wiege stand einst in Bad Langensalza, verschlug es ihn in diesem zarten Alter in die Nähe von Güstrow. Dort lernte er in Hohen Sprenz einen Fischer kennen, der ihm Herz und Verstand öffnete für die rauhe Schönheit des Berufes. „Er hat immer gesagt, Fischer zu sein ist kein Beruf, sondern Berufung“, erinnert sich der junge Mann an seine Anfänge. Netze habe er geflickt, sei mit rausgefahren und habe alles gemacht, was anlag. Drei Jahre Lehre als Fischer waren zwangsläufig die Folge und irgendwie wohl auch ein bisschen vorbestimmt. Kein Tag sei auf dem Wasser wie der andere, das fasziniere ihn.

SVZ-Redakteur Thorsten Meier beantwortet der 29-Jährige die beliebten Fragen zum Wochenende am Schaalsee, seinem nassen Arbeitsplatz seit einem Jahrzehnt. Wo sonst. Auf dem Wasser in der Farbe des Regens tummelt sich der Nachwuchs von Familie Höckerschwan im grauen, noch schmucklosen Federkleid. In der Ferne trocknen Kormorane erschöpft auf einem Steg ihre weitgeöffneten Flügel. Idylle pur.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Denke immer positiv, das Negative kommt ganz von alleine. Gerade in der Fischerei kann man nichts länger als eine Viertelstunde im Voraus planen.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Auf dem Schaalsee zu jeder Tageszeit, egal, ob es stürmt, regnet oder die Sonne scheint.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Ich habe Karauschen aus kleinen Tümpeln auf dem Acker gefangen und sie als Fischbesatz verkauft.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für Angelzeug, neue Rute und Rolle, Haken, Schnur und Posen. Damals habe ich jeden Cent in den Angelladen geschleppt. Ich glaube durch mich konnte er sich ein zweites Auto kaufen. (lacht)
Wo findet man Sie am ehesten?
Im Netzschuppen, auf dem See oder im Bootshaus, wo wir die Fische hältern.

Was stört Sie an anderen?
Unfreundlichkeit. Freundlich zu sein kostet so wenig und bewirkt so viel. Ich versuche immer freundlich zu sein im täglichen Umgang mit anderen.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Jeder, der das, was er liebt und kann, zu hundertfünfzig Prozent macht. Es gibt leider so viele alberne Wichtigtuer und Blender.
Was würden Sie gern noch können?
Ich imkere ja bereits in meiner Freizeit, aber ich möchte im nächsten Jahr, im Februar, meinen Jagdschein machen. Schon mein Vater und Großvater waren Weidmänner.
Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
In erster Linie Menschen, die einen so akzeptieren, wie man ist.
Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Ganz klar ein bekennender Bauchmensch.
Wonach suchen Sie im Leben?
Nach einer vernünftigen Frau, die meine Lebensart und meinen Lebensstil unterstützt. Die nicht versucht, mich zu verändern. Streitlust kann ich zum Beispiel überhaupt nicht vertragen.
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Pizza, Mozarella und Joghurt. Aber oft würden sich Mäuse in meinem Kühlschrank wohl Blutblasen laufen, weil nichts drin ist. Wenn man alleine lebt, begrüßt einen oft gähnende Leere.
Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?
In einem eigenen seetüchtigen Boot um die Welt zu reisen. Und dort vor Anker zu gehen, wo man gerade Lust zu hat, ohne Zeitdruck.
Wen würden Sie gern mal auf einen Becher Kaffee treffen?
Da fällt mir im Moment wirklich niemand ein, bitte die nächste Frage.
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
Chaotisch, aber gut organisiert
Wo ist für Sie Heimat?
Da, wo ich glücklich bin. Zur Zeit also in Zarrentin, ich wohne über der Fischerei von Diana Rehbohm, die meine Chefin ist. Sie hat die Schaalseefischerei 2010 von ihrem leider viel zu früh verstorbenen Vater übernommen.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
Mücken. Milliarden von Mücken an einem See in Schweden. Da habe ich mal zwei Wochen Urlaub gemacht, um die Natur zu durchstreifen.
Wenn Sie kochen oder Essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Gute Hausmannskost. Ich liebe Wrukeneintopf. Da könnte ich mich glatt reinlegen. Wenn ich essen gehe, bevorzuge ich Italiens Küche. Und Fisch geht immer, in allen Varianten.
Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Auf meine Tochter Melody. Sie ist vier Jahre alt und ich sehe sie jedes zweites Wochenende. Sie kommt nach mir, ist für jeden Blödsinn zu haben und liebt die Natur.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
1. Ein sorgenfreies Leben.

2. Meine Tochter ständig um mich zu haben.

3. Meinen Tag so planen zu können, wie ich das möchte.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

In der Fischerei, es ist und bleibt mein Traumberuf.

Wem sollen wir ebenfalls diese Fragen stellen?

Aal-Werner, also Werner Siedelmann, der hilft bei uns ab und an aus. Er ist Frührentner, kann den Fisch riechen, sagen die Leute, und hat sicher jede Menge zu erzählen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen