SVZ-Fragen zum Wochenende : Sehnsucht nach Landleben gestillt

Ursula Grohmann läuft auch heute noch gern barfuß herum. Um sich zu erden, sich selbst zu spüren.
Ursula Grohmann läuft auch heute noch gern barfuß herum. Um sich zu erden, sich selbst zu spüren.

Ursula Grohmann suchte in Mecklenburg Stille und Veränderung. Feldenkrais und freies Tanzen sind ihre großen Leidenschaften

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06. August 2016, 12:00 Uhr

Nicht nur mit dem Körper beweglich bleiben, sondern vor allem im Gehirn. Das ist es, was Ursula Grohmann an- und umtreibt. Dass sie dabei vor vielen Jahren für sich auf die Feldenkraismethode stieß, war fast schon zwangsläufig, als eher zufällig.

„Das ist eine Therapie, die nichts Spirituelles an sich hat, sondern helfen soll, Körperhaltung und Selbstbild zu verbessern. Und das Erkunden der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit“, erklärt die gebürtige Reinbekerin, die seit Februar 2015 in Neuenkirchen lebt und arbeitet. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie. Eine weitere Leidenschaft von ihr sei das freie Tanzen, verrät sie gegenüber der Redaktion. Mit dem Umzug in die Region habe sie ihre Sehnsucht nach Landleben, Stille und Veränderung gestillt, sagt sie, die sich für einen spirituellen Menschen hält. Das sei ein menschliches Grundbedürfnis, das jeder habe, bei vielen aber verborgen bliebe. „Spiritualität bedeutet für mich, das Geistige und nicht Sichtbare anzuerkennen, und seine Existenz zuzulassen.“

SVZ-Redakteur Thorsten Meier beantwortete die 57-Jährige die beliebten Fragen zum Wochenende. Unter ihrem Lindenbaum, auf der hölzernen Terrasse, deren verwitterter Charakter sich harmonisch in das Landschaftsbild fügt. In einer windgeschützten Ecke rekelt sich eine schwarze Samtpfote in der Sonne. Döst vor sich hin. In der Nachbarschaft liefern sich derweil zwei Hähne einen Krähwettstreit. Ländliche Idylle pur.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Gehe mit allem, was kommt und passiert. Sei wach für den Augenblick und gestalte ihn bewusst.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Hier auf der Terrasse unter der schattigen Linde. Oder hinterm Haus. Da kann man auch toll sitzen.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit Post austragen, da war ich 18 Jahre alt. Ich kenne noch all die Straßen in Hamburg , in denen ich damals unterwegs war.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für Bücher. Und fürs Tanzen, besonders in einer Barfuß-Disco, da war ich mindestens zweimal im Monat, immer am Sonnabendabend.
Wo findet man Sie am ehesten?
In meinem Seminarraum oder im Garten.
Was stört Sie an anderen?
Intoleranz.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Meine Lehrerin Annette Kaiser, sie lebt in der Schweiz. Sie versteht Spiritualität als etwas Umfassendes. Mir gefällt sehr gut, wie sie das vermittelt. Nämlich konkret und handfest.
Was würden Sie gern noch können?
MBSR, das ist eine Achtsamkeitslehre aus den USA. Der Alltag vieler Menschen wird heute von Hektik sowie hohem Termin- und Leistungsdruck bestimmt. Deshalb gibt es in der Gesellschaft ein zunehmendes Bedürfnis nach Stille, nach Einkehr und Rückkehr zu sich selbst.
Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Wenn ich es schaffe, den Augenblick zu leben, ganz egal, ob beim Abwasch oder dem In-der-Sonne-Sitzen. Wenn das Leben fließt und ich Teil davon bin...
Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Mein Ziel ist es, Kopf und Bauch in einen guten Dialog zu bringen. Die gehören für mich beide zusammen. (lacht)

Wonach suchen Sie im Leben?

Nach Zufriedenheit. Und einen Platz, wo ich hingehöre und meine Aufgabe habe. Wo ich mich mit Menschen verbunden fühle.
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Immer Sahne für meinen Kaffee. Käse aus der Region und viel Gemüse, möglichst Bio.
Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Ich gehe gerne italienisch essen. Wenn ich selber koche, verwende ich ganz viel frisches Gemüse. Ich liebe Kartoffeln in allen Varianten, die könnte es jeden Tag geben.
Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Mein Heim zu einem lebendigen Haus werden zu lassen, wo Menschen ihre Lebendigkeit spüren und Freude mitbringen. Ich stelle mir so etwas wie eine Hausgemeinschaft vor.
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
Vielfältig.
Wo ist für Sie Heimat?
Überall, wo ich mit Menschen zusammen bin, die mir am Herzen liegen.

Welches Buch lesen Sie gerade?

„Heilung ist möglich“ von Norman Doidge. Es geht darum, dass Selbstheilungskräfte des Körpers keine Zauberei sind. Das Buch behandelt die Grenzthemen zwischen klassischer Medizin und den spirituellen Heilungsbereichen. Spannend!
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
Ich denke sofort an einen alten Opel-Caravan, der mit seinem Heck fast immer auf der Straße hing, weil er überladen war. Mit ihm haben wir, meine Geschwister und Eltern, ganz Deutschland erkundet. Ein einfaches aber aufregendes Leben mit Zelt und Kocher.

Worauf könnten Sie nie verzichten?

Aufs Schlafen. Ich freue mich immer, wenn ich das kann. Mit Schlafentzug könnte man mich echt quälen. Auf menschliche Kontakte könnte ich auch niemals verzichten. Allein auf einer Insel, welch’ grauenhafte Vorstellung.

Wen würden Sie gern mal treffen?

Barack Obama. Der verkörpert für mich etwas Tragisches in seinem Amt als erster farbiger Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Seine politischen Gegner lehnen vieles ab, weil er ist, wer er ist. Dabei ist er ein charismatischer und sehr intelligenter Mann, der vielleicht einfach nur zu früh auf die Bühne der Geschichte getreten ist.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten?

Ich habe keine drei Wünsche, die ich mir erfüllen wollte.
Wem sollen wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Viola Winzig, sie ist die Betreiberin des Regionalladens in Zarrentin. Eine Frau, die ich sehr bewundere.

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