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Outlet Center: Schwerin vs. Wittenburg : Schwerins Nein stärkt Wittenburg

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Erleichterung nach dem offiziellen Rückzug der Landeshauptstadt. Land soll schnell Klarheit schaffen

von
erstellt am 14.Mär.2017 | 20:45 Uhr

Im Wettstreit zwischen Schwerin und Wittenburg um das erste große Fabrikverkaufszentrum in MV gibt die Landeshauptstadt auf. Die Stadtverwaltung werde „zum jetzigen Zeitpunkt keine Planungsanzeige für ein Factory Outlet Center“ abgeben, teilte Stadtsprecherin Michaela Christen mit.

Mit der Entscheidung  sind die Center-Planungen in Schwerin erledigt: Der Projektentwickler LMI wollte im neuen Einkaufszentrum „Schwerino“ direkt neben zwei viel befahrenen Ausfallstraßen  neben einem Verbrauchermarkt auf tausenden Quadratmetern auch einen Fabrikverkauf einrichten. Dazu war mit einem namhaften Center-Betreiber bereits ein Entwicklungsvertrag geschlossen worden. Umsonst: Ohne eine Planungsanzeige der Stadt werde das Outlet-Projekt nicht weiter verfolgt, sagte LMI-Berater Rainer Beckmann jetzt ab.  Nun solle an dem Standort zunächst nur ein Verbrauchermarkt eingerichtet werden.

Ein Outlet-Center in Wittenburg bleibt dennoch umstritten: Ein Fabrikverkauf in Schwerin hätte die Pläne in Wittenburg verhindern können. Denn nach geltendem Landesplanungsrecht dürfen in MV allein in Oberzentren wie  z. B. in Schwerin neue großflächige Verkaufsflächen von mehr als 5000 Quadratmetern angelegt werden, in Wittenburg aber nicht. Und so halte Schwerin am Widerspruch gegen die Errichtung eines Fabrikverkaufszentrums in Wittenburg fest, stellte Stadtsprecherin Christen klar.

Wittenburg hält dagegen: Dort drängen holländische Investoren  mit einem  so genannten Zielabweichungsverfahren auf eine Sonderregelung gegen geltendes Landesrecht zum Bau eines Outlet-Centers nahe der dortigen Skihalle. Womöglich mit Erfolg: Im  Umfeld von Investoren, Branchenexperten sowie  Stadt- und Kreispolitikern mehren sich  Hinweise, dass eine Vorentscheidung für den umstrittenen Fabrikverkauf in der Provinz bereits gefallen sei. Das Raumordnungsministerium will davon nichts wissen: Noch sei kein Beschluss gefallen.  Das Verfahren  brauche noch Zeit, so eine Sprecherin. Derzeit laufe die Abstimmung mit anderen betroffenen Ministerien. Eine Zustimmung zu einem Zielabweichungsverfahren für ein Outlet-Center dürfte Planungsminister Christian Pegel (SPD) aber in Erklärungsnot bringen: Sein Vorgänger und Parteifreund Volker Schlotmann hatte vor Jahren  die Erweiterung des Strelaparks vor Stralsund durchfallen lassen.

Nach dem offiziellen Rückzug Schwerins von eigenen Outlet-Plänen herrschte rund um Wittenburg und Hagenow vor allem eines: Erleichterung. Zwar hatte man den Schwerinern die Ernsthaftigkeit ihrer Planungen nie ganz abgenommen. Dennoch hatten die Landeshauptstädter für enormen Gegenwind gesorgt. Der legt sich nun.

Schwerin ist mit dem Thema durch. „Wir bleiben konsequent. Wir lehnen das Factory Outlet Center in Wittenburg zwar weiterhin ab. Aber wir werden auch die Ansiedlung eines Fabrikverkaufs in Schwerin nicht weiter vorantreiben“, sagt Wirtschaftsdezernent Bernd Nottebaum. Nachdem das Thema im Hauptausschuss nochmals beraten worden war, sei die Verwaltung darin bestärkt worden, keine Änderung des B-Planes für das „Schwerino“ genannte Baugebiet auf dem Gelände der ehemaligen Rinderbesamungsanstalt auf den Weg zu bringen. „Wir werden also auch keine entsprechende Planungsanzeige an die Raumordnungsbehörde leiten“, so der Vize-Oberbürgermeister. Damit sei das Thema vom Tisch.

Zu den Plänen des Eigentümers für die Fläche, auf die das Outlet Center sollte und auf der gerade Baufreiheit geschaffen worden war, wollte Wirtschaftsdezernent Nottebaum keine Aussagen treffen. Möglich sei vieles, vom Verkauf des Areals bis zur Weiterentwicklung. „Bisher haben wir nur Kenntnis von der Ansiedlung eines Verbrauchermarktes.“

Die Resonanz der Wirtschaft fällt indes geteilt aus. „Ich bin der Meinung, Einzelhandel gehört in die Innenstadt. An der Peripherie hat Schwerin schon genug große Einkaufszentren. Das Aus für das Outlet Center in Schwerin wird der Stadt nicht schaden“, sagt Angela Hinze, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Altstadt. Rolf Paukstat, Präsident des Unternehmerverbandes Mecklenburg-Schwerin, sieht die Sache anders: „Vielleicht kämpfen wir in Schwerin zu wenig für unsere Interessen. Denn wenn es jetzt ein Outlet Center in Wittenburg geben soll, dann hätte es auch nach Schwein kommen können“, sagt er.

Im alten Kreis Hagenow wird das gesamte Projekt von Zarrentin bis Lübtheen grundsätzlich begrüßt. Dennoch sind die Meinungen zum Outlet auch geteilt, beispielsweise in Hagenow. Dort machen sich einige Sorgen, dass der eh schon schwer kämpfende Einzelhandel leiden wird und will daher Sortimentsbegrenzungen durchsetzen.

Überhaupt kein Verständnis gibt es für die neue Verzögerungstaktik vom Land. „Ich weiß nicht, warum wir jetzt nochmal eine Runde drehen. Das hätte doch schon längst entschieden werden können. Wir brauchen hier endlich mal Klarheit“, erklärte Hagenows Bürgermeister Thomas Möller.

Klarheit hieße, dass die Landesplanung die große Ausnahme für Wittenburg zuließe. Bis zum eigentlichen Bau würde dann sicher noch einige Zeit ins Land gehen. In Wittenburg plant die van der Valk-Gruppe, die dort die Skihalle betreibt, ein Outlet-Center mit etwa 60 Geschäften auf etwa 12 600 Quadratmetern, ein Feriendorf mit 130 Häusern sowie den Ausbau des Alpincenter-Hotels auf 250 Betten. Das Outletcenter soll die nötigen Besucher in die Anlage spülen, die direkt an der Autobahn liegt. In ihrem Konzept gingen die Planer schon im ersten Jahr von 500 000 zusätzlichen Gästen aus.

Kommentar von Mayk Pohle: Village bringt vielen Nutzen
Die Wittenburger könnten sich jetzt zurücklehnen und den Schweriner zurufen, dass sie es ja schon immer gewusst hätten. Doch das macht niemand. Viel eher herrscht Erleichterung, dass ein Hindernis für das Wittenburg Village nicht mehr existiert. Damit steigen die Chancen, dass gebaut wird. Wenn ein Outlet Center überhaupt einen Sinn macht, dann direkt an der Autobahn zwischen den beiden größten Städten Deutschlands. Die Investoren brauchen Besucher in Größenordnungen. Und die können nur von der A 24 kommen. Klar ist: Ohne Outlet Center kommt der Rest auch nicht. Dazu gehört ein Feriendorf mit großer Schwimmhalle, Saunalandschaft usw. Schwerin kommt mit seiner einen Schwimmhalle schon jetzt nicht klar. Es liegt doch auf der Hand, dass von einem Village alle profitieren würden. Wenn es denn eines Tages auch wirklich gebaut wird.
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