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Industrie- und Handelskammer : Schwerin entmachtet, Kreise gestärkt

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Anlaufende Wahl zur Vollversammlung ermöglicht Neustart bei der IHK zu Schwerin. Bisherige Dominanz Schwerins wird beendet

von
erstellt am 12.Aug.2014 | 20:42 Uhr

Tausende Unternehmen in der Region Westmecklenburg bekommen in diesen Tagen umfangreiche Unterlagen für eine Wahl zugeschickt, die die Machtverhältnisse in der IHK zu Schwerin ziemlich umkrempeln wird. Es geht um 86 Kandidaten, die sich um 44 Sitze in der neuen Vollversammlung bewerben. Diese wird dann ab Dezember bis 2019 die Geschicke der Kammer bestimmen. Schon die Kür und die Bestätigung der Kandidaten, die schon seit Wochen läuft, spricht für eine Zeitenwende. Die jahrelange Dominanz, die Schwerins Wirtschaft in der Kammer hatte, gehört der Geschichte an. Denn anders als früher wird nicht einfach mehr über alle Kandidaten abgestimmt. Jetzt gibt es Wahlgruppen und Wahlbezirke. Unterteilt wird jetzt nach Industrie, Groß- und Außenhandel, nach Einzelhandel, Kreditinstituten, Verkehr und Schiffahrt, Tourismuswirtschaft und Gastgewerbe, Versicherungen sowie in den Bereich Beratungs-, Vermittler- und sonstiges Dienstleistungsgewerbe. Und das Ganze ist in diesen Kategorien noch einmal nach den Landkreisen der Region unterteilt. Wesentlich: In diesem Jahr geht es zum ersten Mal nach der tatsächlichen wirtschaftlichen Stärke der Regionen. So bekommt der Kreis Ludwigslust Parchim 17 Mandate, Nordwestmecklenburg erhält 13 und Schwerin kann nur auf zehn Mandate kommen. Die restlichen vier Plätze in der Vollversammlung werden noch aus Kandidaten aus dem gesamten IHK-Bereich vergeben. Das hängt mit den dort gebündelten Berufsgruppen zusammen, z. B. Kreditinstitute oder Verkehr- und Schifffahrt.

Diese Neuaufteilung der Kräfteverhältnisse entspricht auch einer Forderung des Wirtschaftsministeriums, das eine Schwerin-Lastigkeit von 60 bis 65 Prozent in der bisherigen Vollversammlung festgestellt hatte. Das war in den vergangenen Jahren auch in der öffentlichen Diskussion zu merken. Vor allem der Streit um den neuen IHK- Sitz, dem Ludwig-Bölkow-Haus in der Schwerin Graf-Schack-Allee oder der angeblich bevorstehende Zusammenschluss mit der IHK in Rostock bestimmten das Bild. Von all diesen Themen, zu denen auch eine groß angekündigte Einsparung der Beiträge gehörte, ist derzeit keine Rede mehr. Die Spitze der Kammer und alle Mitarbeiter konzentrieren sich seit Wochen darauf, die Wahl publik zu machen und die Wahlbeteiligung möglichst zu erhöhen. Bei gut 25 000 Betrieben, die sich ihre Mitgliedschaft in der IHK nicht aussuchen durften, kein leichtes Unterfangen. Alles deutlich jenseits über zehn Prozent wäre schon ein großer Erfolg, wie IHK-Sprecher Andreas Krauss im Gespräch mit der SVZ zugibt. Mit diesen Sorgen ist die Schweriner IHK im übrigen nicht allein, das trifft auf alle Kammern zu.

Und so ruhen die Hoffnungen auf mehr Beteiligung nicht zuletzt auf der Prominenz der Kandidaten. Und das sind nicht zuletzt 27 aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim, die seit Jahren in anderen Vereinen und Verbänden aktiv sind und jetzt auch bei der IHK auftauchen.

Die Experten rechnen damit, dass nach der Wahl, die vom 18. August bis zum 12. September dauern wird, gut zwei Drittel der Vollversammlung neu besetzt sein werden. Diese neuen Mitglieder müssen dann zwar erst mit ihren Aufgaben wachsen aber sie bestimmen über die nächsten Jahre das Schicksal der IHK, auch und gerade in Geldfragen.

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