Sieben Standorte betroffen : Schulsozialarbeit: Träger gibt auf

Das Labyrinth in Hagenow ist ein Projekt, das in enger Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Schulsozialarbeit errichtet wird.
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Das Labyrinth in Hagenow ist ein Projekt, das in enger Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Schulsozialarbeit errichtet wird.

Arbeiterwohlfahrt kündigt sieben Fachkräften im Landkreis und nennt als Grund die strengen Auflagen der Förderung

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22. September 2015, 07:59 Uhr

Mit einem Paukenschlag verabschiedet sich die Arbeiterwohlfahrt aus der Schulsozialarbeit. Der Kreisverband hat zum Ende des Jahres allen Kollegen an seinen sieben Standorten im Landkreis gekündigt. Betroffen sind die beiden Förderschulen in Ludwigslust und Dömitz, die Regionalen Schulen in Neustadt-Glewe, Rastow, Lübtheen, Zarrentin und Picher (SVZ berichtete). Mit ihrer Entscheidung hat AWO-Kreisgeschäftsführerin Caroline Bockmeyer für Erstaunen beim Landkreis gesorgt. So ganz aus dem Nichts kam die Nachricht aber nicht. „Wir wissen seit zwei Jahren, dass die freien Träger mit der überbordenden Bürokratie überlastet sind“, sagt Wolfgang Schmülling, Beigeordneter des Landrats. „Viele sind es leid, so viel Zeit und Aufwand in die Verwaltung der Schulsozialarbeit zu stecken ohne dafür zusätzliche Verwaltungspauschalen zu bekommen.“

Auch Caroline Bockmeyer, selbst Mitglied im Jugendhilfeausschuss, hatte das mehrfach in den Sitzungen moniert. „Wir dokumentieren und dokumentieren. Dabei geht uns immer mehr Zeit für die eigentliche Arbeit verloren. Und unterm Strich buttern wir zu.“

Der Hauptgrund für ihre Entscheidung aber sei ein anderer: Für die Förderung aus dem Topf des Europäischen Sozialfonds muss sich der freie Träger verpflichten, die Schulsozialarbeiter nach Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst zu bezahlen. „Unser Verband hat mit Verdi aber einen eigenen Tarif ausgehandelt“, sagt Caroline Bockmeyer. „Würden wir die ESF-geförderten Schulsozialarbeiter nun nach TVöD bezahlen, wären unsere anderen Sozialarbeiter, z.B. aus der sozialpädagogischen Familienarbeit, schlechter gestellt.“ Das schaffe sozialen Unfrieden. Die Entscheidung sei also eine rein moralische gewesen. „Entweder es geht allen gleich gut oder gleich schlecht“, sagt sie. Natürlich mache diese Entscheidung „auch ganz persönlich etwas mit ihr“, sagt sie. Aber hier gehe es darum, endlich mal Flagge zu zeigen. „Und eigentlich hätte ich mir gewünscht, dass andere Träger das ähnlich sehen.“

Den gekündigten sieben Kolleginnen hat die AWO neue Stellen innerhalb des Verbandes angeboten, darunter zwei Erzieher-Stellen, die einer Kitaleiterin und die einer Sozialpädagogin im Kinder- und Jugendhaus Dömitz. Keine habe das Angebot angenommen, statt dessen hätten bereits zwei Kolleginnen ihren Aufhebungsvertrag unterschrieben und die Schulen in Rastow und Dömitz verlassen. Die anderen Kollegen hoffen, dass es irgendwie weitergeht. In Neustadt-Glewe hat bereits der Sozialausschuss signalisiert, dass eine Lösung gefunden wird. „Wir sind mit mehreren Trägern im Gespräch“, sagt Ausschussvorsitzende Silvia Weinaug und garantiert: „Es wird weitergehen.“ Schulleiterin Ute Ott hofft jetzt, dass die Kollegin bleiben kann. „Sie hat über Jahre Vertrauen zu den Kindern aufgebaut und gute Arbeit geleistet. Wir brauchen sie.“

Laut Wolfgang Schmülling vom Landkreis werde derzeit intensiv daran gearbeitet, für alle offenen Stellen einen Träger zu finden. Der Wunsch, die kreiseigene Gesellschaft BBS-Start könne die Stellen komplett übernehmen, hatte sich schnell zerschlagen. Der Grund: Die Geschäftsführung sieht sich nicht in der Lage, all ihren Mitarbeitern so viel Gehalt zu zahlen.

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