Hagenow : Schuldnerberater kämpfen selbst ums Überleben

Liane Hirschmann (v.r.) und ihr Team: Larissa Mühlmann, Kristin Gaidys (2.v.l.) und Jörg Brudzinski.
Liane Hirschmann (v.r.) und ihr Team: Larissa Mühlmann, Kristin Gaidys (2.v.l.) und Jörg Brudzinski.

Eigenanteil bringt Schuldnerberater selbst in finanzielle Bedrängnis. Problem seit Jahren ungeklärt

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29. November 2017, 12:00 Uhr

Sie sollen Menschen vor und aus der Pleite retten und müssen dabei jedes Jahr ums Überleben ihrer Beratungsstellen kämpfen: Die Schuldnerberater. Der vom Träger zu erbringende Eigenanteil und die viel zu geringen Fördermittel für Sachkosten machen auch Liane Hirschmann von der Schuldnerberatung des Arbeitslosenverbandes Deutschland zu schaffen. „Für dieses Jahr müssen 7036 Euro von uns aufgebracht werden. Dafür muss ich Klinkenputzen gehen, um Spenden einzuwerben. Das raubt mir sehr viel Zeit“, berichtet die 59-Jährige, die die anerkannte Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle in der Möllner Straße 30 leitet. Der Überlebenskampf beginne oft im Frühjahr, wenn das Geld knapp werde. Deshalb habe sie auch Innenminister Lorenz Caffier bei dessen jüngsten Besuch in Hagenow darauf hingewiesen, dass die Finanzierung vom Land nicht ausreichend sei. „Der Staat zahlt uns die Pauschale, aber mehr auch nicht. Und das bei steigenden Kosten.“

Im SVZ-Gespräch berichtet Liane Hirschmann, dass seit einigen Jahren auch die Beratung zum Pfändungsschutzkonto einschließlich der P-Kontenbescheinigung für Banken hinzu gekommen sei. „Für diese neue Aufgabe haben wir bisher keinen finanziellen Ausgleich erhalten, obwohl wir letztes Jahr 148 P-Kontobescheinigungen erstellt haben. Es wäre beruhigend und eine Wertschätzung unserer täglichen Arbeit, wenn das Land die tatsächlich benötigten Kosten als feste Größe im Haushalt einstellt und das alljährliche Roulettespiel somit endlich entfällt.“ Im laufenden Jahr haben sich Liane Hirschmann und ihr Team mit 638 Fällen befasst. Die Klienten sind 17 bis 82 Jahre alt. „Wir reden hier über eine Schuldensumme von 2,9 Millionen Euro“, rechnet die Leiterin vor. Das Angebot und die Hilfe ihrer Einrichtung sei kostenlos.

Hauptursachen für eine Überschuldung und andere Notlagen sind Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung oder Tod des Partners. „Schulden können jeden treffen in allen sozialen Schichten. Schulden machen krank, weil sie erdrücken. Oft kommt noch die Scham dazu.“ Doch auch die Schuldnerberater sehen sich in der erdrückenden Lage, ihren eigenen Arbeitsplatz zu sichern, indem sie alljährlich um die Weiterfinanzierung kämpfen müssen. Das Land M-V spart, laut Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung M/V e.V., durch das Engagement der Männer und Frauen allein im Bereich der Beratungshilfe und Verfahrenskostenstundungen für Insolvenzverfahren jährlich bis zum Dreifachen der eingesetzten Fördermittel. Dass der Anteil des Trägers, in diesem Fall das Deutsche Rote Kreuz, sehr hoch sei, bestätigt auch Andrea Schwaberow von der Schuldnerberatung des DRK Kreisverband Ludwigslust e. V. mit Sitz in Hagenow. „Wir haben dieses Jahr bisher 55 Neuaufnahmen und 120 Kurzberatungen gehabt“, rechnet die 45-Jährige vor, die mit einer Verwaltungskraft die seit 1992 bestehende Anlaufstelle, die mit der AWO-Schuldnerberatung Ludwigslust kooperiert, managt. Damit die Finanzierung von einer vergleichbaren Grundlage ausgeht, sollte eine künftige Finanzierung auf Grundlage eines Bedarfsschlüssels aus einer Hand erfolgen.

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