Wittenburg : Schützen wollen dem Adler nicht nur die Flügel stutzen

Wer am Ende den Rumpf des Vogels zu Fall bringt, ist König.
Wer am Ende den Rumpf des Vogels zu Fall bringt, ist König.

Königsschießen in Wittenburg soll zu einem der Highlight der Festtage vom 26. - 28. Mai werden

svz.de von
17. Mai 2017, 12:00 Uhr

Da sind sie eigen, die Schützen aus Wittenburg – bei ihnen ist der König noch ein echter Würdenträger und keine Mogelpackung wie mancherorts. Das zumindest versichert Michael Luchs, der Vorsitzende der Wittenburger Schützenzunft von 1514 e.V. im Hinblick auf die Festtage am Ende des Monats.

Dann nämlich wird vom 26. bis 28. Mai wieder ein ganzer Ort sozusagen in der Waffengewalt der ansässigen Schützen sein. Wie gesellig die Zunft ist, hat sie in ihrer mehr als 500-jährigen Geschichte oft genug bewiesen. Ob beim Frühjahrsputz, beim Aufstellen des Maibaumes oder bei der Unterstützung des Musikzuges – die Schützenzunft ist fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Wittenburg.

Wenn es am 27. Mai von 9 Uhr an dann dem hölzernen Adler ans Federkleid gehen soll, werden am alten Stadtturm nicht nur Zuschauer dabei sein, sondern tatsächlicher „Spanner“. Um die fünf Kilogramm schwere Armbrust nämlich laden zu können, bedarf es sowohl Muskelkraft als auch einiger technischer Kniffe. Drei Männer bedienen dann abwechselnd den Spanner Marke Eigenbau. Kein Wunder, denn etwa 40 Schützen wollen auch in diesem Jahr wieder antreten, um sich voraussichtlich in vier oder fünf Durchgängen den Titel zu sichern. Und das eben wie beschrieben ohne Absprache, Verzicht oder sonstige Tricks. In Wittenburg wird so geschossen, dass dem Adler nicht nur die geleimten Flügel gestutzt werden. „Wer am Ende den Adler zu Fall bringt, gewinnt und darf sich ein Jahr König nennen“, sagt Luchs, der nicht verschweigen will, dass es neben dem sportlichen Wettkampf natürlich auch immer um die Geselligkeit geht. Natürlich werde auch etwas getrunken, aber immer in einem vernünftigen Rahmen. „Wer einen Flügel herunterschießt oder das Zepter, der bekommt einen Orden und gibt in der Regel auch einen aus“, so Luchs.

Warum jedoch der Schützenkönig in Wittenburg kein armer Mann wird oder wie im Fall der letztjährigen Siegerin Julia Fleischhauer eine arme Frau hat einen ganz einfachen Hintergrund. Alle etwa 80 Mitglieder bezahlen pro Jahr einen Obolus von 20 Euro. So kommt ein schönes Sümmchen für den König zusammen. Und außerdem muss dann niemand mehr befürchten mit dem Triumph gleichzeitig hohe Ausgaben zu haben.

Das Schützenfest in Wittenburg wird jedoch auch in seiner neuerlichen Auflage nicht nur den Fokus auf das Schießen legen. Das dreitägige Programm bietet von Freitag bis Sonntag Abwechslung und hohen Unterhaltungswert.

Neben den Märschen der Zunft, den Proklamationen und Ehrungen kommen auch Musik und Tanz nicht zu kurz. Die Discothek am Freitag, Freibier vom Kommandeur der Zunft oder am Sonnabend der große Talentewettbewerb und ein Tanzabend sind vor dem Familiensonntag schon die ersten Höhepunkte. Am Abschlusstag dreht sich dann vieles um den Nachwuchs der Stadt. Miniplaybackshow, Lichtpunkt- und Armbrustschießen oder die beliebte Tombola sind im Programm festgeschrieben.

Wie wichtig der gesamten Zunft der Nachwuchs ist, belegen auch viele Aktivitäten über das gesamte Jahr. „Wir haben mittlerweile 20 Kinder und Jugendliche, die mittwochs und freitags regelmäßig trainieren. Mit dem Luftgewehr, neuerdings aber auch mit Pfeil und Bogen. Vier ausgebildete Trainer stehen ihnen dabei hilfreich zur Seite“, sagt Michael Luchs nicht ohne Stolz. Die Schützenkönige der Zukunft haben den Adler quasi schon ins Visier genommen.

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