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Schüler fordern: "Holt mehr Lehrer in unser Land"

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erstellt am 26.Feb.2012 | 05:36 Uhr

Boizenburg | Eigentlich könnte sich Schulleiter Norbert Stern freuen. Im Elbegymnasium werden im nächsten Schuljahr voraussichtlich mehr als 400 Schüler lernen. "Wir haben schon jetzt mehr Anmeldungen als Schüler, die im Sommer abgehen. Und die Anmeldefrist läuft erst in dieser Woche ab." Etliche Eltern haben ihre Schüler auch am Sonnabend beim Tag der offenen Tür angemeldet. Etwa ein Drittel davon sogar, ohne die entsprechende Gymnasialempfehlung vorweisen zu können.

Doch mit den steigenden Schülerzahlen wächst auch der Bedarf an Lehrern. Und wie schwer es ist, Lehrer zu finden, das weiß Norbert Stern noch zu gut aus dem vergangenen Jahr. "Von den vielen Lehrern, die sich auf unsere ausgeschriebenen Stellen beworben haben, ist am Ende gar keiner gekommen", sagt er. "Sie bewerben sich an mehreren Schulen und entscheiden sich dann lieber für eine Schule in Hamburg oder Schwerin."

Die Auswirkungen des Lehrermangels könnten die neuen Siebtklässler bereits im August zu spüren bekommen. Zum Beispiel die, die sich für Latein als Zweitsprache entscheiden. "Wir können personell nur einen Lateinkurs pro Jahrgang abdecken", sagt Norbert Stern. "Wenn sich wieder so viele für Latein entscheiden, müssen wir Bildungslotterie spielen und losen", sagt Stern. Lateinlehrer Dr. Hartel Pohl ärgert das sehr. "In unserer Schule müssten dann Schüler statt Latein gegen ihren Willen eine andere Zweitsprache lernen." Ab 2013 würde das auch Französisch betreffen, weil dann ein Französisch-Lehrer geht. Unzufrieden sind auch die Schüler. "Die Regierung muss einfach mehr für die Lehrergewinnung in MV tun", sagt Kerstin aus der 11 c. "Wenn wir eine Bitte an die Landespolitiker haben, dann die: Holt mehr Lehrer ins Land." In der 11c konnte einen Monat kein Englisch unterrichtet werden, weil die Lehrerin krank war. "Stattdessen gibt man uns ein Buch, das wir selbstständig durcharbeiten sollen", ärgert sich Kerstins Mitschülerin Sabine. "Wir brauchen aber die Englisch-Noten. Es geht aufs Abi zu." Auch in Mathe hänge ihre Klasse hinterher. "Da muss nur mal der Lehrer krank werden und alles gerät ins Stocken."

Sabine fährt seit der 7. Klasse täglich aus Vellahn nach Boizenburg zur Schule. "Ich habe mir die Schule damals auch an einem Tag der offenen Tür angesehen und mich gleich vor Ort dafür entschieden", sagt sie. Mal abgesehen vom Lehrermangel sei es eine gute Schule. "Es gibt Berufsberatung, Studieninformationstage, interessante Projekte und einen richtig guten Schüleraustausch... Und: Die Lehrer sind nett und aufgeschlossen." Gleiches sagen die Lehrer auch über ihre Schüler. "Sie gewöhnen sich nach dem Schulwechsel schnell an das hohe Leistungs- und Stundenpensum", sagt Schulleiter Norbert Stern. Von allen Schülern ohne Gymnasialempfehlung sei bisher nur ein einziger wegen schlechter Noten von der Schule gegangen.

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