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Ludwigslust/Hagenow : Schrauberseele mit Benzin im Blut

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Karl-Heinz Rückheim (Kalle) ist für viele Biker des Landkreises seit Jahren als Werkstatt und Servicekraft der Sternfahrt eine Institution

Seine Hilfsbereitschaft ist einmalig. So wie der ganze Mann. Wo bei Normalos Blut durch die Adern strömt, pulsiert bei Karl-Heinz Rückheim wohl Benzin. Der gebürtige Schweriner, der seit 1975 in Ludwigslust lebt und dort als selbstständiger Kfz-Meister seit 1990 seine Werkstatt mit Motorradhandel betreibt, ist für viele Biker des Landkreises Ludwigslust-Parchim seit Jahren als Servicekraft und „Lumpensammler“ der Sternfahrt eine Institution.

„Kalle“, wie ihn alle, die ihn näher kennen, nennen, gehört zu der Sorte Mensch, die fest davon überzeugt ist, dass man an den Rädchen seines Lebens mitdrehen kann. Er selbst schwang sich bereits mit elf Jahren das erste Mal in den Sattel einer Crossmaschine, hat also schon ordentlich Dreck zu fressen bekommen auf der Bahn. Wie auch im Leben. Das hat ihn jedoch nie daran gehindert, den Blick nach vorne zu richten. Um die Straßen seines Lebens sorgfältig zu lesen, notfalls Hindernissen auszuweichen oder unvermeidliche Stürze mit zusammengebissenen Zähnen ohne Murren zu ertragen. Wer den fast Zweimeter-Mann seinen Freund zu nennen vermag, hat auf dieser Welt (fast) nichts zu befürchten.

SVZ-Redakteur Thorsten Meier beantwortete der 62-Jährige inmitten von Ölgeruch, Abgasen sowie der Spiel- und Tobewelt gestandener Männer, die sich vehement weigern, wirklich erwachsen zu werden, die beliebten Fragen zum Wochenende.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
In der Ruhe liegt die Kraft. Mit Stress und Hektik löst man keine Probleme.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Auf der Dachterrasse meines Hauses und in der Natur. Ich bin auch gerne an der Ostsee.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit der Reparatur eines S 50. Ich habe den Motor wieder fahrbereit gemacht. Früher bin ich viel im Kinder- und Jugendcross rumgekurvt.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für eine gebrauchte ES 150/1 aus den Motorradwerken in Zschkopau. Die war beige-schwarz und hatte ein modifiziertes Getriebe.

Wo findet man Sie am ehesten?
In der Werkstatt, Büroarbeit mache ich nur widerwillig. Und schiebe sie immer auf. (seufzt laut auf beim Blick auf den Papierberg seines Schreibtisches)

Was stört Sie an anderen?
Scheinheiligkeit. Menschen, die Wasser predigen und selbst heimlich Wein trinken. Die mag ich gar nicht.

Wer ist Ihr persönlicher Held?
Ganz klar Sigmund Jähn, der erste Kosmonaut der damaligen DDR. Ich hatte mit ihm mal beruflich zu tun. Ein wirklich feiner Mensch, Bescheiden und sehr klug.

Was würden Sie gern noch können?
Ich würde gern fließend Englisch sprechen können. In Wort und Schrift.

Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Erst seit ich liebe, ist das Leben schön. Denn erst seit ich liebe, weiß ich, dass ich lebe. So oder ähnlich hat das mal der Lützower Befreiungskämpfer Theodor Körner gesagt. Sich verstanden fühlen, angenommen wissen, so wie man ist, bedeutet für mich Glück. Schöne Grüße an meine liebe Frau Gabi...

Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Teils, teils....

Wonach suchen Sie im Leben?
Nach Selbstverwirklichung.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Joghurt und Obst.

Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Gutbürgerliche Küche, wie Ente mit Backpflaumen und Rotkohl. Lecker! Aber auch japanisches Essen weiß ich mittlerweile sehr zu schätzen. Weil es so frisch und gesund ist.

Welches Buch lesen Sie gerade?
„Simson - Eine Weltmarke im Wandel der Geschichte“, von Dr. Volker Schmuck. Die Firma hat Waffen, Autos sowie Zweiräder produziert und wurde bereits im 18. Jahrhundert gegründet.

Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Noch ein bisschen was von der Welt sehen.

Können Sie sich mit nur einem Wort beschreiben?
Hilfsbereit

Wo ist für Sie Heimat?
Bei meiner Familie.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
Gastfreundliche Menschen. Ich war 1975 über Jugendtourist in Moskau, Sotschi und im Kaukasus.

Worauf könnten Sie nie verzichten?
Auf meine Frau und Menschen, die wahre Freunde sind. Und auf mein Taschenmesser. Jeder Mann sollte eines haben. (grinst)

Wen würden Sie gern mal treffen?
Die Sängerin Tina Turner. Sie hat eine recht bewegte Lebensgeschichte, ist immer mutig ihren Weg gegangen und hat sich von niemandem beugen oder gar brechen lassen. Und sie hat keinerlei Star-Allüren.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten?
1. Mehr Zeit für mich und meine Familie.
2. Weniger Verlogenheit auf dieser Welt.
3. Noch lange gesund und agil bleiben.

Wem sollen wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Hans-Joachim Roddeck aus Karstädt, er hat im SR-Oldie-Club vielen Kindern und Jugendlichen zwischen Hagenow und Ludwigslust die Liebe zu Motoren und Zweirädern nahegebracht. Ein feiner Kerl...

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erstellt am 07.Mai.2016 | 12:00 Uhr

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