Bauverzögerung : Schokolade für Boizenburg

Auf dem Dach des Anbaus: (v. l.) Hans-Joachim Grätsch, Andreas Meyer, Christian Meyer, Ines Senftleben.  Fotos: Katja Frick
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Auf dem Dach des Anbaus: (v. l.) Hans-Joachim Grätsch, Andreas Meyer, Christian Meyer, Ines Senftleben.

Eröffnung des ehemaligen Ratskellers mit Café, Schokoladeria und betreuten Wohnungen der Lebenshilfe verzögert sich

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05. Januar 2016, 00:32 Uhr

Im neuen Jahr können sich die Boizenburger auf ein neues Café am Markt freuen. Nach dem Caféprojekt mit Rösterei in Hagenow plant Hans-Joachim Grätsch, Geschäftsführer der Lebenshilfe Mölln-Hagenow, schon seit längerem die Eröffnung eines weiteren Cafés im ehemaligen Ratskeller am Markt in der Elbestadt. Und nicht nur das, hier soll gleichzeitig eine Schokoladeria eingerichtet werden, in der die begehrte Süßigkeit hergestellt wird. Außerdem sollen 13 behindertengerechte Wohnungen in dem Fachwerkhaus von 1712 entstehen, 80 Prozent davon barrierefrei. „Das wird die erste betreute Wohneinrichtung dieser Art in Boizenburg“, erklärt Hans-Joachim Grätsch im Gespräch mit SVZ.

„Jede Wohneinheit wird eine Größe von 30 Quadratmetern haben, mit eigenem Bad und Küche. Bei Bedarf ist ein Betreuer 24 Stunden am Tag verfügbar. Die Bewohner können selbstbestimmt leben, bekommen aber auch Angebote für ihre Freizeit und Hilfe im Alltag.“

Zum Teil werden die Bewohner auch im Café arbeiten können, dort wird es zehn Arbeitsplätze für Menschen mit einem Handicap geben. „Aber für jeden ist ja so eine Arbeit nicht das Richtige. Für Viele ist Sicherheit und das Bekannte wichtig, für andere die Abwechslung“, meint Grätsch. Wer das lieber möchte, könne auch in den Boizenburger Lebenshilfe-Werkstätten arbeiten.
„Bevor wir das Café in Hagenow hatten, konnten sich viele unserer Behinderten nicht vorstellen, dort zu arbeiten“, berichtet Ines Senftleben, die stellvertretende Geschäftsführerin der Lebenshilfe. „Aber jetzt sind das begehrte Arbeitsplätze. Manche sind genau geschaffen dafür, die haben das Service-Denken.“

Mit dem Café in Hagenow hat die Lebenshilfe in ihrem ersten Jahr gute Erfahrungen gemacht. „Wir haben sechs Tonnen Kaffee 2015 geröstet“, berichtet Geschäftsführer Grätsch nicht ohne Stolz. „Das ist zwar noch nicht kostendeckend, aber wir sind zufrieden.“ Die Rösterei hat eine Kapazität von 12 Tonnen. Der Kaffee wird deutschlandweit vertrieben, besonders eng ist die Anbindung an Lübeck und Rostock. Die gute Entwicklung hat auch seine Ursache in dem Erfahrungsaustausch mit anderen Behindertenwerkstätten, die ähnliche Projekte haben. „Wir sind auch im Netzwerk der Kaffeeexperten und werden dort beraten“, sagt Ines Senftleben. „Und wir haben mehrere eigene Kaffeeexperten“.

Beim Kaffeebohnenkauf achtet die Lebenshilfe darauf, dass sie möglichst mit Kooperativen zusammenarbeitet und dass vor Ort weder Frauen noch Kinder bei der Arbeit ausgebeutet werden.
„In Boizenburg kann dann unser Kaffee ebenfalls gekauft werden“, verspricht Grätsch. „Dementsprechend wird dann auch die Schokolade aus Boizenburg in Hagenow und Mölln vertrieben.“ Und falls der Bedarf an Kaffee die 12-Tonnen-Kapazität in Hagenow übersteigen sollte, kann sich der Lebenshilfe-Geschäftsführer auch vorstellen, eine weitere Rösterei im Boizenburger Café aufzumachen. Neben Kaffee und Schokolade wird es auch ein kleines, aber feines Imbissangebot geben, was alle, die in den Büros und Läden der näheren Umgebung arbeiten, freuen wird.

Einziger Wermutstropfen bei all den schönen Plänen ist, dass sich der Bezug der Wohnungen und die Eröffnung des Cafés erneut um ein paar Monate verschieben wird. Ursprünglich sollte das Projekt schon Anfang 2015 starten. Der letzte anvisierte Termin war der kommende März. Nun soll es Mai oder Juni werden. „Schuld daran sind statische Probleme“, erklärt Christian Meyer, dem das Haus zusammen mit seinem Bruder Andreas Meyer und einem dritten Gesellschafter gehört. „So etwas kann man nie ausschließen bei einem historischen Gebäude wie diesem. Wir haben die behördliche Auflage, einen Stahlrahmen einzubauen und wir mussten den Anbau mit einer Pfahlgründung wegen des morastigen Untergrunds vorbereiten. Auch wenn es nicht auf den ersten Blick so aussieht, sind 60 Prozent des Baus fertig.“ Daher sind die Meyer-Brüder guten Mutes, den nun angesetzten Termin halten zu können. Die Partner von der Lebenshilfe sind noch geduldig. „Das ist ein tolles Projekt, nach wie vor. Wir sind zwar traurig, dass es noch nicht soweit ist, aber trotzdem. Und das Projekt geht nur deshalb, weil wir das Gebäude zu einer ortsüblichen Miete bekommen“, fasst Hans-Joachim Grätsch seine Sicht zusammen.

Spätestens im Juni kann eröffnet werden, verspricht Christian Meyer. „Das Gute ist, wenn es in einem Jahr läuft, sind alle Schwierigkeiten vergessen.“

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