Dr. Oetker-Forschung in Wittenburg : Schoko-Pizza ist der Renner

Hier läuft die Schoko-Pizza vom Band, derzeit der Renner im Markt. Die Frauen korrigieren hier per Hand die kleineren Belegungsfehler der Maschine. Auch diese Fehler sollen durch mehr Forschung minimiert werden.
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Hier läuft die Schoko-Pizza vom Band, derzeit der Renner im Markt. Die Frauen korrigieren hier per Hand die kleineren Belegungsfehler der Maschine. Auch diese Fehler sollen durch mehr Forschung minimiert werden.

Hier schlägt das Herz der weltweiten Pizza-Produktion: Dr. Oetker in Wittenburg gewährt Einblicke in sein Forschungszentrum „4U“

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23. Mai 2017, 21:00 Uhr

Die Riesenhalle ist fast leer, derzeit arbeiten hier nur vier Angestellte. Und dennoch schlägt am Wittenburger Südring seit einigen Monaten das Herz der weltweiten Pizza-Produktion. Zumindest für den Oetker-Konzern, der im Technologie-Entwicklungszentrum „4U“ für seine elf Pizzawerke in aller Welt forscht.

Die ersten Projekte sind bereits umgesetzt worden, zuletzt mit Mitarbeitern aus dem kanadischen Werk. In wenigen Wochen beginnt in dem hochmodernen Zentrum direkt neben dem Pizzawerk dann ein deutsches Forschungsprojekt, das zu einem neuen Produkt führen könnte. Mehr wollte und konnte Jan Sylvester, der Leiter des Forschungszentrums, gestern nicht verraten. Alles noch ganz geheim. Wie überhaupt bei dem gestrigen Termin nur ganz wenig fotografiert werden durfte.

Je nach Projekt kommen zu den geplanten fünf Stammkräften bis zu 35 Gäste aus den jeweiligen Ländern dazu. In Wittenburg sollen die Ideen aus der Bielefelder Zentrale für die Massenproduktion tauglich gemacht werden. „Wenn es uns gelingt, mit dem was hier erforscht und im großen Maßstab ausprobiert wird, pro Pizza ein Gramm Käse zu sparen, dann hat sich die Investition in das Zentrum in einem halben Jahr amortisiert“, ist sich Dr. Detlef Förster, der Werksleiter in Wittenburg, sicher. Förster hat entscheidenden Anteil daran, dass das Zentrum nach Wittenburg und nicht nach Bielefeld kam. Die Anlage hat immerhin 17 Millionen Euro gekostet, bei einer Förderung durch das Land von 2,4 Millionen Euro. Die Nachbarschaft zu einem großen Produktionswerk ist gewollt. Lassen sich doch so das Labor und die Lagerung gemeinsam nutzen. Bisher war jedes Land im Oetkerverbund auf eigene Versuche angewiesen, wenn ein neues Produkt in die Massenproduktion überführt werden sollte. Dafür mussten meist Produktionslinien angehalten werden. Mit dem Wittenburger Zentrum ist das nun nicht mehr nötig.

Entwicklungsingenieur Kai Gajewski testet hier die Elastizität eines Pizzabodens, der im Hintergrund in ein Meßgerät eingespannt ist.
Foto: Mayk Pohle
Entwicklungsingenieur Kai Gajewski testet hier die Elastizität eines Pizzabodens, der im Hintergrund in ein Meßgerät eingespannt ist.
 

Wittenburg will aber auch Maßstäbe in der Grundlagenforschung setzen und arbeitet so beispielsweise mit der TU München in zwei Projekten zusammen. Eines beschäftigt sich mit neuen physikalischen Entspannungstechniken für Pizzateige. Bisher muss jeder Boden dafür eine zehn- bis 15-minütige Extrarunde in der Produktion drehen. Diese Zeit will man auf vielleicht zwei Minuten drücken. Bei einer Produktion von durchschnittlich 700 000 Pizzen am Tag in Wittenburg macht das sehr viel aus.

Das Werk mit derzeit fast 950 Mitarbeitern erfreut sich guter Auslastung. Absoluter Renner ist dabei die Schokopizza, von der 150 000 Stück am Tag produziert werden. Zwischenzeitlich war die Nachfrage so groß, dass die Produktion kaum hinterherkam. „Inzwischen haben wir das im Griff, doch wir hatten zwischendurch auch Anrufe einiger Edeka-Händler, die an ihrer Zentrale vorbei von uns Sonderlieferungen haben wollten.“

An dieser speziellen Pizza, die im aufgebackenen Zustand wie ein Schokoladen-Crepe schmeckt, hatte das neue Forschungszentrum noch keinen Anteil. Diese Pizzaidee gab es schon in England. Doch die Mitarbeiter aus Leyland gaben zu, dass ihnen das Zentrum bei der Entwicklung dieses Produktes schon sehr hätte helfen können.

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