Schön sind alle meine Kleider

In Boizenburg fand der erste Mädelsflohmarkt „Ladies first“ zu Gunsten des Ludwigsluster Frauenhauses statt

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23. August 2015, 18:55 Uhr

295 Euro wurden auf dem ersten Flohmarkt nur für Frauensachen in Boizenburg am vergangenen Sonnabend zu Gunsten des Frauenhauses Ludwigslust eingenommen. Ursula Dippold, Leiterin des Frauenhauses, dankte der Gleichstellungsbeauftragten Beate Benz für die Organisation und vor allem Abiturientin Fanny Eidmann für die Idee mit dem Flohmarkt. „Wir haben über 60 Taschen an unserem Handtaschenstand verkaufen können und möchten dafür noch einmal ganz herzlichen allen Frauen danken, die sich für diese Aktion von einem ihrer guten Stücke getrennt haben.“ Bei der Tombola seien fast alle der nahezu 500 Lose verkauft worden.

„Ich habe auch ganz viele Lose gekauft“, verriet die angehende Studentin Fanny Eidmann der SVZ. „Ich wollte unbedingt in den Hansa-Park.“

Doch die dafür von der Stadt gespendeten Karten gewann ein Großelternpaar aus der Region für seine Enkelkinder. „Ich bin zufrieden mit diesem Nachmittag“, meinte auch Beate Benz. „Zuerst waren sehr viele Leute da, dann wurden es weniger. Aber es war eine schöne Stimmung hier. Die Frauen an den Ständen waren alle mit sehr viel Lust und Spaß dabei und es waren viele tolle Menschen da. Mehrere Frauen haben mir gesagt, sie möchten nicht für irgendetwas spenden, sondern wissen, wofür es ist.“

Das Frauenhaus Ludwigslust feiert in diesem Jahr sein 20. Jubiläum, dafür sind die Spenden gedacht.

Leiterin Ursula Dippold ist von Anfang an dabei und hat das Frauenhaus mit aufgebaut. „Bei uns sind derzeit drei Frauen mit fünf Kindern. Insgesamt haben wir 12 Plätze für Frauen und Kinder. Zu uns kommen Frauen aus allen Schichten.“ Eigentlich habe sie immer gehofft, dass es im Laufe der Zeit weniger Frauen werden, die die Hilfe des Frauenhauses benötigen. Dem sei nicht so. „Jetzt kommen leider zum Teil die Frauen, die vor zehn oder zwanzig Jahren zusammen mit ihrer Mama bei uns waren. Die haben ja kein anderes Beziehungsmodell gelernt als das, was sie aus dem Elternhaus kennen.“

Sie und ihre Mitarbeiterinnen würden durch ihre Erfahrungen und die anderer Häuser inzwischen davon ausgehen, dass in 93 Prozent der Herkunftsfamilien von Opfern und Tätern Gewalt erlebt wurde. Wenigstens würden die jungen Frauen nun aber wissen, wo sie sich Hilfe und Beratung holen können. „Nach unseren Erkenntnissen halten Frauen zwischen sieben und 14 Jahren Gewalt in einer Beziehung aus. Es gibt aber leider auch Frauen, die 30 oder 40 Jahre in einer gewalttätigen Beziehung ausharren.“ Ältere Frauen würden sie und ihre Mitarbeiterinnen vor ganz neue Probleme stellen. Sie und ihr Team mussten sich erst weiterbilden, um Anträge für Wohn- und Blindengeld oder bei Behinderungen stellen zu können. Sie seien aber auch kein Pflegeheim.

„Ich wünsche mir, dass sich keine Frau Gewalt gefallen lässt. Wenn der Mann einmal diese Schwelle überschritten hat, tut er es immer wieder!“

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