Schockierende Bestandsaufnahme

Ein großer Berg an illegal abgeladenen Bauschutt: Harald Jäschke (l.) und Heinz Gohsmann (r.) sind schockiert.
Ein großer Berg an illegal abgeladenen Bauschutt: Harald Jäschke (l.) und Heinz Gohsmann (r.) sind schockiert.

Ausmaß illegaler Mülldeponien sorgen bei der Boizenburger Verwaltung für Unverständnis und Fassungslosigkeit

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22. März 2018, 12:00 Uhr

Kaum sind Harald Jäschke, Dagmar Poltier und Heinz Gohsmann aus ihren Autos ausgestiegen, machte sich auch gleich eine gewisse Fassungslosigkeit in ihren Gesichtern breit. „Hier ist ja im Vergleich zum letzten Mal wieder mehr dazu gekommen“, ist sich die Fachbereichsleiterin für Bau und Ordnung der Stadt Boizenburg sicher. Sie blickt dabei auf Bauschutt und anderen Unrat, der sich neben dem so genannten Steinlager angehäuft hat. Dieses befindet sich direkt an der Bundesstraße 195, wo der Ort Bahlen in Boizenburg/Bahnhof übergeht.

Angelegt wurde dieses Lager bereits in den 1990er-Jahren, als im Zuge der Altstadtsanierung die Steine des alten Kopfsteinpflasters zur Lagerung dort verwahrt wurden. Zum Teil konnten diese auch für andere Baumaßnahmen wiederverwendet werden. Einige Steinhaufen halten sich jedoch bis zum heutigen Tag. Und da eine Veräußerung dieses nur grob sortierten Materials mehr Kosten verursachen würde als Geld in die Stadtkasse zu spülen, ist eine rasche Beseitigung dessen auch eher Zukunftsmusik. „Natürlich könnte das hier besser aussehen und irgendwann müssen wir auch hier handeln, aber die Steinhaufen sehen wenigstens relativ ordentlich aus“, so Poltier, die das Lager dennoch beräumt haben möchte.

Nur so sehen die Beteiligten nämlich auch eine Chance, der illegalen Müllentsorgung rund um die Steine Einhalt zu gebieten. „Das ist hier eigentlich alles Ausgleichsfläche, wo an sich neue Bäume gepflanzt werden sollen“, fährt die Verwaltungsbeamtin fort und blickt dabei statt auf wachsende Pflanzen auf abgesägten Baumschnitt und ganze Klötzer toter Gewächse. „Illegale Müllentsorgung kann mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro bestraft werden“, erzählt Bürgermeister Harald Jäschke, während er gerade kaputte Plastiksäcke entdeckt, aus denen Babywindeln ragen. „Es ist eine Sauerei, was hier passiert und zudem relativ makaber, will Bahlen doch bei dem Wettbewerb ‚Unser Dorf soll schöner werden‘ mitmachen“, so Jäschke weiter.

Schlimm ist, dass Bahlen bei dieser prekären Entwicklung nur die Spitze des Eisbergs wilder Mülldeponien darstellt, wie Heinz Gohsmann von der ansässigen SPD-Fraktion anmerkt. Er kennt auch noch einen illegalen Abfallplatz im Totenwinkel auf dem Weg Richtung Gehrum. Unweit der Umgehung liegen an einem Entwässerungsgraben Gartenabfälle, Plastesäcke und sogar alte Farbtöpfe. „Das ist unter Strafe verboten“, betont Gohsmann noch einmal nachdrücklich. Und noch Schlimmeres hat der Politiker dabei noch gar nicht gesehen. Denn nur wenige Meter weiter türmen sich bereits abgefahrene Autoreifen zu einem kleinen Berg. Bilder, die nicht nur die Verwaltung sondern jeden Betrachter fassungslos machen werden.

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