Überflutungen : Schnelle Hilfe an Sude und Rögnitz

In der Sude und auch in der Rögnitz gibt es Inseln und verlandete Stellen, die das Abfließen des Wassers behindern.
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In der Sude und auch in der Rögnitz gibt es Inseln und verlandete Stellen, die das Abfließen des Wassers behindern.

Bauern im Hinterland kämpfen mit Wassermassen nach Überflutungen.

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21. September 2017, 05:00 Uhr

Den Bauern in der Lübtheener Heide und im Umland steht das Wasser buchstäblich bis zum Hals. Schon vor Wochen berichteten wir über überflutete Felder, Weideflächen und Futteräcker, die den Land- und Viehwirten das Leben und Überleben schwer machten. Daran hat sich bisher kaum etwas geändert. „Es sind immense Schäden entstanden. Jetzt auch noch beim Mais. Einige Schläge sind völlig nutzlos. Da hat das Wasser uns keine Chance gelassen“, sagt Lars Karnop, der Geschäftsführer der Elbtaler Agrar GmbH in Lübtheen.

Aber nicht nur der Großbetrieb muss sich mit Einbußen plagen. Mindestens genauso schlimm trifft es die Kleinbauern der Region, die bei den enormen Ausfällen sofort in der Existenz bedroht sind. Auch deshalb hat der Kreisbauernverband Ludwigslust jüngst zu einem Meeting geladen, das alle Beteiligten an einen Tisch brachte. Eine Lösung für den finanziellen Ausgleich konnte jedoch noch nicht präsentiert werden. „In einer gesonderten Debatte gilt es noch zu klären, wie den Betroffenen in Bezug auf den entstandenen Schaden geholfen werden kann“, sagt Nicole Gottschall, die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Ludwigslust.

Untätig jedoch sind die Teilnehmer der Konferenz nicht gewesen. Ganz im Gegenteil. Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt M-V, das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg, das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe, der Wasser- und Bodenverband Boize-Sude-Schaale, der Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverband und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz kamen zusammen, um sich der tiefgreifenden Probleme an Sude und Rögnitz anzunehmen. Und das war bitter nötig. So schildert Frank Wein, der Bauamtsleiter von Lübtheen als quasi neutraler Beobachter eindrucksvoll, wie sehr sich die Natur im Umland durch die Wassermassen verändert hat. „Die Bauern haben den ersten Schnitt auf den Grünflächen bereits verloren. Der Zweite wird sicher auch nichts. Alles säuft hier ab. Es muss dringend etwas getan werden.“

Dass schnelle Lösungen gefragt sind, darüber war man sich in der großen Runde einig. Noch immer sind viele Flächen für die Bauern nicht befahrbar. Das Wasser steht und kann kaum abfließen. Deshalb sind erste Arbeiten direkt in die Wege geleitet worden. „Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich die Abflusswerte nur verschlechtert. Defizite bei der Unterhaltung und Pflege der Gewässer sind deutlich sichtbar. „Starre Termine beim Krautungsbeginn und weitere Auflagen sind wenig hilfreich“, erklärt Nicole Gottschall, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Ludwigslust. Der Vizepräsident des Bauernverbandes MV formuliert es noch drastischer: „Zukünftige Beeinträchtigungen von weiteren Flächen und auch Siedlungen sind nicht auszuschließen, wenn nicht unverzüglich gehandelt wird. Deshalb fordern wir, dass das Wasserhaushaltsgesetz wieder vollumfänglich umgesetzt wird“, so Manfred Leberecht, der den Bauern eine starke Stimme verleiht.

Sofortige Unterhaltungsmaßnahmen sind jetzt die Beseitigung von Anlandungen und Inseln. Mittelfristig werden Unterhaltungsrahmenpläne erstellt. Ebenso sollen die vorgeschlagenen kurz- und mittelfristigen Maßnahmen eines bestehenden hydraulischen Gutachtens umgesetzt werden.

Wer dann wann mit wem spricht und um welche Kosten es geht, dafür müssen noch mehr solcher Zusammenkünfte stattfinden. Klar ist, dass auch die Wasser- und Bodenverbände oder der Deich- und Unterhaltungsverband nicht einfach Deals miteinander abschließen dürfen. „Hier sind ganz klar die Länder gefragt. Da muss es im Vorfeld Regelungen geben“, so Andreas Schwebs vom Wasser- und Bodenverband Boize-Sude-Schaale. Und auch die Ausgleichzahlungen für die Bauern müssen jetzt möglichst schnell Thema werden. „Das muss flächenbezogen abgerechnet werden“, sagt Lars Karnop, der mit seinem Agrarbetrieb in Lübtheen ja vielfach mehr Hektar bewirtschaftet, als die Kleinbauern der Region. „Wir wollen hier für alle Betroffenen faire Regelungen finden“, sagt Nicole Gottschall. Klar ist: Bei einigen drängt die Zeit. Denn fehlende Einnahmen durch die Ernte kann nicht jeder Kleinbauer auffangen.

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