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Hagenower Kreisblatt

25. November 2017 | 06:53 Uhr

Neuhaus : Schmuckstück für die Ortsmitte

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Bauherr Wolfgang Kaddig saniert das denkmalgeschützte „Amtsschreiberhaus“ / Es entstehen vier kleinere und zwei große Wohnungen

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2014 | 15:07 Uhr

Die Biberschwänze liegen schon auf dem sanierten Dachgestühl, die Fledermausgaube ist fertig, die Grundschweller sind alle neu, das Gebälk des Fachwerks ist zum Teil erneuert, die Decke zwischen Boden und Obergeschoss ist gedämmt... . Es ist schon eine Menge passiert am alten Haus des Amtsschreibers mitten in Neuhaus. Aber es ist auch noch sehr viel zu tun, bevor in die geplanten vier Wohnung im Erdgeschoss, die auch für ältere Menschen gut geeignet sein werden, und die zwei großen Wohnungen im Obergeschoss Mieter einziehen können.

Grundstück und historische Gebäude hat Wolfgang Kaddig erworben und wenn er es bisher auch nicht bereut hat, dieses große Unterfangen angepackt zu haben, so hat ihn das Projekt schon viele Nerven gekostet.

„Das Haus war in einem sehr schlechten Zustand“, erläutert Architekt Jürgen Schulz aus Boizenburg. „Es ist eine Komplettsanierung eines denkmalgeschützten Hauses unter der Berücksichtigung, eine möglichst gute Energiebilanz hinzukriegen und Wohnungen zu bauen, die den modernen Ansprüchen nach Komfort genügen.“ Es sei immer wieder notwendig gewesen, Kompromisse mit den Ansprüchen des Denkmalschutzes zu finden, die sich zum Teil mit den Ansprüchen der energetischen Sanierung schwer vereinbaren ließen.

Beim Stichwort Denkmalschutz kräuselt sich die Stirn von Bauherr Wolfgang Kaddig, aber er bleibt sachlich. Bis die Baugenehmigung vorlag, seien zehn Monate ins Land gegangen. Zunächst habe der Denkmalschutz nur gemeint, die Fassade solle denkmalgerecht wieder hergestellt werden, doch dann kam ein 40-Punkte-Plan mit umfangreichen Forderungen. „Das die Fenster und Türen nach den Vorgaben des Denkmalschutzes eingebaut werden, versteht sich ja von selbst. Dass aber auch die Holzfußböden drinnen plötzlich erhaltenswert sind, war schwer einsehbar, da es sich um ein ziemliches Flickwerk aus allen möglichen Zeiten handelte. Denn an dem Gebäude ist im Laufe der Jahre doch viel herumgebaut worden“, so Jürgen Schulz.

Das Haus mit Nebengebäude wurde um 1750 errichtet und war das Wohnhaus für den Amtsschreiber, dessen Position wohl gleich nach dem Amtmann kam. Nach dem zweiten Weltkrieg war hier in der rechten Hälfte des Hauses die Grenzpolizei untergebracht, in der linken Wohnung und in zwei Wohnungen im Obergeschoss wohnten Grenzpolizisten bis 1990. Danach kaufte ein Privatmann das Gebäude und „sanierte“ mehr recht als schlecht die Wohnungen im Obergeschoss. Seit zwei Jahren stand es vollkommen leer und verfiel zusehends. Für einige Neuhauser war es gar ein „Schandfleck“, der sich aber nun in eine Augenweide verwandelt, wenn es auch noch ein bisschen dauern wird.

Ein Schmuckstück mit Einfluglöchern für Fledermäuse! Jetzt kräuselt sich die Stirn von Wolfgang Kaddig erneut. In Lüneburg habe man gemutmaßt, das alte Gebäude könnte ein Biotop für Fledermäuse sein. Ein Gutachter stellte fest, dass sich hier keine einzige Fledermaus aufhält, aber das Gebäude hätte ein Potential für Fledermäuse, das heißt, es könnte sein, dass die eine oder ander Fledermaus Lust verspüren könnte, hier Hüsing zu nehmen. Daher nun also am Seitengiebel Einfluglöcher und unterm Dach sägerauhe Bretter so angebracht, dass Fledermäuse hier abhängen können. Dass die schöne Gaube zur Straßenseite Fledermausgaube heißt, hat damit aber nichts zu tun. Die heißt schon immer so.

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