Hagenow : Schlummernde Talente wecken

Sie sind die Akteure, die heute Abend für eine halbe Stunde ihre Lieder vorstellen, bevor die Band „Godewind“ dann für anderthalb Stunden nachlegt. Die Hälfte des Eintrittspreises von fünf Euro kommt der Alten Synagoge zugute. Als Auftrittsort ist sie von der Stadt Hagenow zur Verfügung gestellt worden. Fotos: Thorsten Meier
Sie sind die Akteure, die heute Abend für eine halbe Stunde ihre Lieder vorstellen, bevor die Band „Godewind“ dann für anderthalb Stunden nachlegt. Die Hälfte des Eintrittspreises von fünf Euro kommt der Alten Synagoge zugute. Als Auftrittsort ist sie von der Stadt Hagenow zur Verfügung gestellt worden. Fotos: Thorsten Meier

Heute Abend außergewöhnliches Godewind-Workshop-Abschlusskonzert mit behinderten Menschen in Hagenows Alter Synagoge

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10. Juni 2016, 21:00 Uhr

Dass Musik Menschen ohne Worte aufs Herzlichste miteinander verbinden kann, werden heute Abend zum neunten Mal 14 behinderte und nichtbehinderte Männer und Frauen tatkräftig unter Beweis stellen. Sie kommen aus den Werk- und Wohnstätten Geesthacht, Mölln, Hagenow, Boizenburg und Schwarzenbek. Nach einem dreitägigen Musik-Workshop laden die aus dem Lebenshilfewerk stammenden Menschen nämlich um 19.30 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) in die Alte Synagoge zum Abschlusskonzert mit der Folk-Rockband „Godewind“. Eine recht illustre Truppe, die Nähe, Menschlichkeit und Geborgenheit gekonnt in ihren Liedern verpackt.

„Die Musik und der Workshop bieten Menschen mit Behinderung einen Rahmen, um ihre Kreativität und Talente entfalten zu können. Es tut ihnen gut und stärkt ihr Selbstbewusstsein. Ich bin froh, dass wir vor neun Jahren das Experiment gewagt haben“, betont Hans-Joachim Grätsch als Geschäftsführer des Lebenshilfewerkes Mölln-Hagenow. Er sei vom ersten Tag an davon überzeugt gewesen, dass diese Partnerschaft zwischen Profis und Hobby-Musikern funktioniere. „Weil wir eine tolle Musikgruppe ,Step by step’ sowie einen stimmgewaltigen Chor ,Carpe diem’ haben. Und die Gruppe ,Godewind’ uns seit Anbeginn auf ganz besondere Weise partnerschaftlich verbunden ist.“

Lob, das Anja Bublitz sicher gerne hört. Seit 2004 ist sie die Sängerin bei „Godewind“ aus Friesland und bezeichnet die Zusammenarbeit als „ganz ehrlich, völlig geerdet und sehr freundschaftlich.“ Musik verbinde und sei eine universelle Erfahrung. „Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um den Spaß. Melodie, Harmonie und Rhythmus sprechen doch jeden von uns an. Wir haben schon tolle Erlebnisse miteinander gehabt“, verrät die 46-Jährige im SVZ-Gespräch.

Das kann Shanger Ohl als dienstältestes Mitglied der Band, die sich auch ein Stück als musikalischer Botschafter und geschätzter Meinungsmultiplikator versteht, nur bestätigen. Er hat sie schließlich einst mit aus der Taufe gehoben. „Wir passen zwar in keine Schublade, weil wir Plattdeutsches wie Hochdeutsches rockig darbieten und auch sonst für alle Stile offen sind. Aber Musik kann die Entwicklung und Prognose eines Menschen mit Handicap wesentlich verbessern. Das erleben wir selbst seit vielen Jahren. Als wir den Workshop erstmals durchführten, hatten wir schon ein bisschen Angst, ob es funktionieren würde. Aber es klappt, und das immer besser.“

Worte, die auch Ines Senftleben als künftige Chefin des Lebenshilfewerkes Mölln-Hagenow, notfalls selbst in Stein meißeln würde. „Wenn die große Anspannung erst mal gewichen ist, erfüllt mich nur noch Stolz und Freude, ein Gänsehautgefühl“, gesteht die gebürtige Boizenburgerin. Und meint damit die Abschlusskonzerte, von denen sie schon etlichen beigewohnt habe.

„Ich bin jedes Mal überrascht, welche Entwicklung die Teilnehmer beim Workshop an nur drei Tagen durchleben. Ich weiß dann, ja, es ist das Richtige, sie auf diese Art und Weise zu bestärken, Verborgenes zu befreien und schlummernde Talente ins sich zu wecken. Mich beeindruckt immer aufs Neue, wie alle Akteure gemeinsam auf der Bühne zu einem Team verschmelzen.“

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