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Hagenower Kreisblatt

21. Oktober 2017 | 14:22 Uhr

Hülseburg : Schloss-Erinnerungen wachhalten

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Vor 70 Jahren ist der einst wohl zweitschönste neugotische Bau aus dem 18. Jahrhundert in MV abgebrannt

von
erstellt am 24.Jan.2017 | 11:45 Uhr

Warum vor 70 Jahren das Schloss in Hülseburg bis auf die Grundmauern tatsächlich niederbrannte, ist nie zweifelsfrei geklärt worden. Merkwürdigerweise fällt der Ausbruch des Feuers ausgerechnet in die Zeit des Abzuges der sowjetischen Kommandantur, die dort zeitweilig, ebenso wie die Amerikaner, ihren Sitz hatte. Die Gerüchte haben die Jahrzehnte überdauert.

„Es wird bis heute Brandstiftung der Russen vermutet“, sagt Brigitte Wolf, ehemalige Bürgermeisterin des 170-Seelen-Dorfes und Ortschronistin. Warum sie das getan hätten, könne sich bis heute niemand wirklich erklären. „Es war damals schon eine ganz wilde Zeit, die viele Fragen offen lässt.“ Die Brandmauern und Türme, die das Feuer überstanden hätten, seien schließlich 1948 gesprengt worden. Lediglich der etwa 7,7 Hektar große Park sei noch einigermaßen erhalten.


Es gab Augenzeugen des Brandes


„In der Nacht vom 4. zum 5. Januar 1947 kamen einige Männer vom Tanz aus Gammelin, als sie den Lichterschein der Flammen schon aus der Ferne ausmachten. Es soll an vier verschiedenen Stellen gleichzeitig gebrannt haben“, weiß die 65-Jährige, deren Wiege einst in Hülseburg stand und die heute noch in ihrem Elternhaus wohnt. Deshalb kennt Brigitte Wolf die am westlichen Dorfrand links neben einem kleinen Wasserwerk liegende von Unkraut und Sträuchern überwucherte Schutthalde nur allzu gut. „Das ist der traurige Rest eines ehemals prachtvollen neugotischen Schlosses, das seinen Ursprung in einem doppelgeschossigen Herrenhaus hatte. 1823 wurde es von Ernst Georg Ludwig von Campe erworben und 1860 als Schloss umgebaut.“

Dass das historische Gebäude nicht in Vergessenheit gerät, dafür will Brigitte Wolf, die von 2009 bis 2014 auch Vorsteherin im Amt Hagenow-Land war, sorgen. Zusammen mit ihrem Onkel Kurt Schulz aus Bobzin, arbeitet sie seit längerem schon an einer Art Chronik für Hülseburg. „Er ist zwar schon 88 Jahre alt, kann aber die alte Schrift noch lesen. Und ist geistig völlig fit. Im Landesarchiv in Schwerin und im Kreisarchiv in Ludwigslust haben wir schon etliche Recherchen angestellt. Das war spannend. Auch Walter Hegenbart aus Wittenburg unterstützt uns bei der Geschichtsaufarbeitung“, erklärt die Hülseburgerin, deren Mutter und Großmutter ebenfalls schon sehr an der Historie interessiert gewesen sein sollen.

„Vergangenes hat mich schon immer fasziniert, weil ich wissen will, wo ich hergekommen bin“, nennt Brigitte Wolf als einen Grund, der sie zeitlebens antreibe, Erinnerungen wachzuhalten.

„Ich hoffe, dass wir die geplante Chronik in diesem Jahr noch fertig bekommen. In ihr soll über die allgemeine Geschichte von Hülseburg von Anfang an und über den ehemaligen Herrensitz insbesondere berichtet werden. Unser Ort wurde 1571 erstmals durch einen Gerichtsprozess urkundlich erwähnt. Da gibt es also noch viel zu erzählen.“

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