Selbstständig gemacht : Schleckerfrauen wagen Sprung ins kalte Wasser

<strong>Sie sind ab heute in Zarrentin das neue Team</strong> von 'Ihre Drogerie am Schaalsee': Diana Wollenberg, Karina  Jättkowski, Kersten Radke und Sina Luck (v.r.n.l.). <foto>Thorsten Meier</foto>
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Sie sind ab heute in Zarrentin das neue Team von "Ihre Drogerie am Schaalsee": Diana Wollenberg, Karina Jättkowski, Kersten Radke und Sina Luck (v.r.n.l.). Thorsten Meier

Fast 25.000 Schlecker-Mitarbeiterinnen haben bundesweit ihren Job verloren. Ein Dreivierteljahr später sind noch viele arbeitslos. Zwei Frauen aus Zarrentin wagen nun den Sprung ins kalte Wasser der Selbstständigkeit.

svz.de von
26. März 2013, 05:16 Uhr

Zarrentin | Fast 25.000 Schlecker-Mitarbeiterinnen haben im letzten Sommer bundesweit von einem Tag auf den anderen ihren Job verloren. Ein Dreivierteljahr später sind noch viele von ihnen arbeitslos. Denn für die meisten ist es schwer, eine neue Arbeit zu finden. Einige von ihnen wagen nun den Sprung ins kalte Wasser der Selbstständigkeit - wie auch zwei Frauen aus Zarrentin. Nachdem ihnen die Drogeriekette gekündigt hatte, haben sie monatelang Pläne geschmiedet für ein eigenes Geschäft. Heute nun, um Punkt 8 Uhr, wollen Diana Wollenberg und Karina Jättkowski "Ihre Drogerie am Schaalsee" eröffnen. Mit gemischten Gefühlen, denn sie wissen ja noch nicht, ob die Zarrentiner und die Einwohner der umliegenden Orte ihr neues Angebot auch annehmen werden.

"Doch wir sind eigentlich guter Hoffnung, denn schon vor der Eröffnung war das Interesse der Kunden sehr groß. Die Leute haben sich gefreut, dass jetzt hier am einstigen Schleckerstandort in der Möllnschen Straße wieder eine Drogerie entsteht", berichtet Diana Wollenberg. Die 39-Jährige lebt seit einem Jahrzehnt in Zarrentin und hat von 2001 bis 2012 den früheren Schlecker XL geleitet, der dort zwölf Jahre lang existierte.

"Das Aus kam für uns alle, also mich und die vier Mitarbeiterinnen, völlig überraschend. Nichts hatte sich angebahnt, deshalb waren wir auch alle so sehr geschockt, als die Nachricht über das Radio kam und uns viele Kunden ansprachen", erinnert sich die gebürtige Wittenburgerin weiter. An die schwere Zeit danach mag sie gar nicht mehr zurückdenken. "Ich bekam 400-Euro-Jobs oder einen Stundenlohn von fünf Euro angeboten. Das wollte ich nicht. Nach reiflicher Überlegung und vielen schlaflosen Nächten hatte Karina Jättkowski dann im Juli 2012 die Idee, eine eigene Drogerie aufzubauen. Ich habe sofort Ja gesagt." Man habe die rund 400 Quadratmeter große Ladenfläche angemietet und einen Kredit aufgenommen. "Ernstzunehmende Alternativen gab es für uns keine. Das hier ist unser Ding und genau das, was wir wollen", betont Karina Jättkowski. Die 39-Jährige lebt seit 2006 in der Schaalsee-Stadt. Ihre Wiege stand einst bei Waren an der Müritz. Auch sie hatte sich bis letzten Sommer ihren Lohn bei Schlecker verdient. "Die Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern und die Sparkasse vor Ort haben uns bei unseren Bemühungen unterstützt." Außerdem habe man zwei weitere ehemalige Schleckerfrauen eingestellt, so dass das Team jetzt vierköpfig sei. Es sind Sina Luck und Kersten Radke, mit denen die beiden Chefinnen in den neuen Lebensabschnitt starten. Denn wie man eine Drogerie leitet, wissen beide am allerbesten aus ihrer Zeit bei Schlecker.

Karina Jättkowski: "Der einzige Unterschied ist nun, dass wir uns selbst um unsere Lieferanten kümmern müssen." Mit einem eigenen Laden ergreifen die Schlecker-frauen nicht nur eine Chance - sie gehen natürlich auch ein Risiko ein. Dennoch haben sie alle vier beschlossen, es zu wagen. Denn die Arbeitslosigkeit sei für sie keine Alternative, gestehen sie einmütig.

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