Schleckerfrauen kämpfen sich zurück

<strong>Zeitarbeit bietet hohe</strong> Übernahmechancen - das erfahren die Wittenburger Schleckerfrauen Gabriele Dowideit (links) und Ewelyn Hemm von Personaldisponent Tom Drewes auf der Jobbörse der Agentur für Arbeit für über 50 Frauen aus dem Landkreis.  <foto>Foto: nien</foto>
Zeitarbeit bietet hohe Übernahmechancen - das erfahren die Wittenburger Schleckerfrauen Gabriele Dowideit (links) und Ewelyn Hemm von Personaldisponent Tom Drewes auf der Jobbörse der Agentur für Arbeit für über 50 Frauen aus dem Landkreis. Foto: nien

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11. Juli 2012, 06:31 Uhr

Hagenow/Ludwigslust | Die Schleckerfrauen wollen. Das hat die Jobbörse für die über 50 ehemaligen Drogerie-Mitarbeiterinnen aus dem Landkreis in der Ludwigsluster Agentur für Arbeit gezeigt. Ihre Chancen schätzen sie selbst zwar als schlecht ein: zu alt, kein Führerschein, zu teuer, zu wenige Stellen in der Region - die Liste der Gründe ließe sich erweitern. Aber: "Geht nicht, gibt’s nicht", sagt Gabriele Dowideit, ehemalige Marktleiterin in Wittenburg. Sie hat sich nach Monate langer Tiefphase wieder aufgerappelt, ihr Lachen wiedergefunden. Jetzt geht es ans Bewerben.

Was sie will, steht fest: eine Vollzeitstelle in Handel oder Produktion, vorrangig in Wittenburg. Sie wäre aber auch bereit, zu fahren. Eine Umschulung kommt für sie nicht in Frage. Und "Zeitarbeit erst, wenn mir das Wasser bis zum Hals steht", sagt Gabriele Dowideit.

Die Agentur für Arbeit wollte den Frauen aus dem Ludwigsluster, Hagenower, Parchimer und Lübzer Raum mit der Börse mögliche Jobperspektiven präsentieren. IHK Schwerin, Diakonie und Zeitarbeitsfirmen haben etliche Berufe vorgestellt, in denen die Schleckerfrauen wieder Fuß fassen könnten. "Viele müssen sich neu orientieren", begründet Teamleiterin Veronika Sohra die Vielfalt der Börse. Sie hätten etwa Optionen in der Pflege. Das bestätigt auch Tom Drewes, Personaldisponent einer Zeitarbeitsfirma, an dessen Tisch sich Gabriele Dowideit und ihre ehemaligen Kolleginnen aus Wittenburg und Hagenow erkundigen. "Das ist der Beruf der Zukunft", sagt er. In drei Monaten könnten die Frauen zum Altenpflegerhelfer umschulen. "Aber dazu muss man geboren sein", entgegnet Gabriele Dowideit. Überhaupt hätte sie Bedenken, bei einer Zeitarbeitsfirma anzufangen. "Ich habe Angst, dass ich in den Rhythmus komme, und nie in einen festen Job."

Die Angst versucht ihr Tom Drewes zu nehmen. "Sicher, eine Garantie gibt es nie. Aber die Auftragslage ist gut und die Übernahmechance in den Betrieben sehr hoch." Das bestätigt auch Veronika Sohra. "Zeitarbeit kann den Einstieg in die Berufswelt erleichtern."

Die Industrie- und Handelskammer Schwerin (IHK) sieht noch Chancen für die Frauen, an Handels- und Lagerberufe zu kommen. Allerdings seien dafür oft Anpassungsqualifikationen nötig, so Hannelore Peplau, IHK Aus- und Weiterbildung. "Viele haben Defizite bei moderner Technik. Die Bereitschaft ist aber da." Computerkurse, Verkaufstraining oder Warenkunde erhöhen laut IHK die Vermittlungschancen in alle Handelssparten. Ebenso wie ein nachgeholter Berufsabschluss. Denn viele Schleckerfrauen, die an diesem Tag am IHK-Stand sitzen, hätten keinen Abschluss als Einzelhandelskauffrau. Sie könnten individuell und in kurzer Zeit für die Theorieprüfung fit gemacht werden. In der Praxis sei das ja nicht mehr nötig. Ein Patentrezept gebe es nicht für die über 50 Frauen im Landkreis, so Veronika Sohra von der Agentur für Arbeit. Jede müsse jetzt ihren individuellen Weg finden. Veronika Sohra ist zuversichtlich, dass die Jobbörse einen Teil dazu beigetragen hat. Die Schlecker frauen wollen - das sei deutlich zu spüren gewesen. Erst noch etwas zugeknöpft, seien dann doch intensive Gespräche zustande gekommen. Ihr Fazit: "Sie haben das Haus mit einem anderen Gesicht verlassen, als sie es betreten haben."

Gabriele Dowideit spricht auch nach der Börse noch von schlechten Perspektiven. Statt sich auf andere zu verlassen, nimmt sie die Jobsuche lieber selbst in die Hand.

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