Nostorf : „Schlafdörfer sind keine Option“

Heiko Schlemmer ist Jahrgang 1965, verheiratet und hat einen Sohn. Der Nostorfer kandidiert direkt im Wahlkreis 17 für die Linken, um in den Landtag zu kommen.
Heiko Schlemmer ist Jahrgang 1965, verheiratet und hat einen Sohn. Der Nostorfer kandidiert direkt im Wahlkreis 17 für die Linken, um in den Landtag zu kommen.

Heiko Schlemmer will für die Linken in den Landtag und dafür kämpfen, dass es wieder Lust macht, auf dem Lande zu leben

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09. August 2016, 12:00 Uhr

Heiko Schlemmer ist ein genauer Beobachter, der aufmerksam und in sich ruhend alles registriert, was um ihn herum vorgeht. Der 51-Jährige ist eine eher sachliche Person, wirkt sehr rational. Nimmt sich Zeit, um auf Fragen zu antworten. Offensichtlich ein ausgesprochener Verstandsmensch, den so schnell nichts aus der Bahn wirft.

„Mein Motto lautet immer: Um etwas zu bewegen, muss man sich selber bewegen“, verrät der gebürtige Nostorfer im SVZ-Gespräch. Deshalb mische er sich auch seit 21 Jahren in die Kommunalpolitik ein, sitze als Nachrücker für seinen Vater in der örtlichen Gemeindevertretung, der 1994 das Mandat an den Nagel gehängt habe.

Schlemmer, der gelernte Stahlschiffbauer, der sich von 1981 bis 1984 in Boizenburg das berufliche Rüstzeug beibringen ließ, arbeitet heute als Meister in einem Fertigungsbereich von Lagertechnik in Hamburg. Täglich liegt der verheiratete Familienvater seit 18 Jahren also rund 150 Kilometer auf der Straße. Wie so viele, die aus ihrer Heimat zum Geldverdienen auspendeln. Man gewöhne sich irgendwie daran, sagt er. Ebenso wie an die Tatsache, einst im Sperrgebiet aufgewachsen zu sein.

„Man hat sich damals mit den politischen wie gesellschaftlichen Umständen irgendwie arrangiert, empfand dieses Eingesperrtsein im eigenen Land gar nicht so intensiv“, erinnert sich Schlemmer heute. Der Alltag mit seiner permanenten Mangelwirtschaft habe dafür gesorgt, dass man ganz andere Sorgen und Probleme hatte.

Dass er Sympathisant der Linken sei, jedoch nicht Parteimitglied, und direkt im Wahlkreis 17 kandidiere, betont Schlemmer desweiteren gegenüber der Redaktion, der 2014 für ein halbes Jahr auch als Nachrücker in den Kreistag eingezogen sei. „Jetzt bin ich sachkundiger Einwohner im Ausschuss für Natur, Umwelt, Abfallwirtschaft und Sicherheit.“

Seit 2004 sei er auch Wehrführer in Nostorf. Um das Fortbestehen der Brandbekämpfer vor Ort zu garantieren, habe er in den 90er Jahren wegen des Personalmangels die Ausbildung zum Truppmann begonnen und in Hagenow mehrere Lehrgänge absolviert. Dass er schließlich eines Tages gar Wehrführer geworden sei, daran habe er nicht einmal im Traum gedacht. Doch nun sei es gut so, wie es sei.

„Die Feuerwehr ist der Dreh- und Angelpunkt des Dorflebens. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass man wieder Lust bekommt, auf dem Lande zu leben. Denn Schlafdörfer sind für mich überhaupt keine Option.“ Dass viele Politiker längst den Boden unter den Füßen verloren hätten und die wirklichen Probleme der Zeit nicht mehr sähen, kritisiert Schlemmer. Die Meinung der Bürger sei vielen Politikern mittlerweile völlig egal. Das fände er mehr als arrogant, gesteht Schlemmer.

„Parteienpolitik spielt in unserer Gemeindearbeit keine Rolle. Da ziehen alle an einem Strang. Beim Kreistag ist das schon etwas anders, jeder will dort seinen politischen Standpunkt durchsetzen. Gutes bleibt da oft leider auf der Strecke.“

Starrsinn und Engstirnigkeit hat Schlemmer schon früh erlebt und mag beides nicht. Als er die DDR-Oberen erboste, weil er keine drei Jahre zur Armee gehen wollte, habe er zu spüren bekommen, was es heißt, als Freigeist abgelehnt zu werden. Seinen Dienst bei der Nationalen Volksarmee musste er, wie beim Wehrkreiskommando bereits angedroht, als Bestrafung antreten, als er bereits Frau und Sohn hatte. „Das hat mir die Augen geöffnet über diesen Staat“, sagt Schlemmer heute. Seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe er sich nicht austreiben lassen. Und auch nicht die Lust, sich einzumischen, um was zu bewegen.

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