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Polizei und Feuerwehr klagen : Schaulustige, die nicht lustig sind

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gaffer behindern zunehmend Polizei, Feuerwehr und Rotes Kreuz bei Unfällen. Die Einsatzkräfte kritisieren den mangelnden Respekt

von
erstellt am 23.Jan.2017 | 07:00 Uhr

Täglich ereignen sich leider landauf und landab Verkehrsunfälle, von denen aber glücklicherweise die wenigsten zu Verkehrstoten führen. Es lässt sich jedoch immer wieder beobachten, wie Schaulustige nach einem Unfall das Tempo drosseln, um neugierig das Geschehen zu betrachten. Nicht selten zückt so mancher Gaffer auch noch die Handykamera, um die dramatischen Bilder auf sozialen Pöbel-Foren zu posten, sich wichtig zu tun und sich am Unglück sowie Leid anderer genüsslich zu weiden.

„Abscheulich“ bezeichnet es Jan Meier, Gemeindewehrführer von Hagenow, wenn Kameraden der Feuerwehr, Rettungskräfte und Polizisten in ihrer Arbeit behindert werden. Er hat im letzten Jahr mit seinen Männern über 112 Einsätze absolviert. „Wenn Gaffer die Zugangswege versperren und Einsatzleute behindern, die beim Kampf ums Leben der Schwerverletzten auf jede Sekunde angewiesen sind, wenn Persönlichkeitsrechte verletzt oder Grenzen der Menschenwürde überschritten werden, dann hört jegliches Verständnis für die menschliche Neugierde auf.“ Für die 60 Hagenower Kameraden seien Gaffer aber bisher noch nicht zum Problem geworden, berichtet der junge Mann weiter, der hofft, dass es auch künftig so bleibe.

„Keiner hat etwas dagegen, wenn Rettungsarbeiten aus der nötigen Distanz beobachtet werden. Im übrigen sind wir dazu übergegangen, Einsatzbilder anzufertigen, um die Öffentlichkeit nach den Einsätzen über das Vorgefallene schnell zu informieren. Wir wissen, wann und wie das erfolgen kann.“

Ähnlich handhabt das auch die Feuerwehr in Wittenburg. „Durch unsere regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit hat sich die Situation bei Einsätzen entspannt. Wenn die Leute am nächsten Tag aus der Zeitung erfahren, was passiert ist, kommen immer weniger Schaulustige. Reine Gaffer, die uns bei der Arbeit behindern, hatten wir bisher so noch nicht“, sagt Pressesprecher Axel Körner und spricht in 2016 von 217 Einsätzen bis Anfang Dezember. Davon seien viele unwetterbedingt gewesen.

„Wir erleben oft große Dankbarkeit, beispielsweise, wenn wir Keller auspumpen. Mitunter werden wir auch mit Essen und Trinken versorgt“, betont Körner, der die gute Zusammenarbeit mit der örtlichen Kirchgemeinde, die Notfallseelsorge von St. Bartholomäus sowie den Blaulicht-Gottesdienst lobend hervorhebt.

Mario Langkau berichtet als Vize-Gemeindewehrführer von Zarrentin, dass unlängst in der Region geschmierte Brötchen, die den Helfern von der Bevölkerung zur Stärkung gespendet wurden, von dreisten Gaffern verspeist worden seien. „Das ist wirklich ein starkes Stück“, schüttelt der Lassahner fassungslos den Kopf. Und bezeichnet dieses schamlose Verhalten als „absolutes Unding.“

Es sei leider ein Phänomen, das man in den letzten Jahren immer stärker bemerke, sagt Christoph Richter, Geschäftsführer der DRK-Rettungsdienst Parchim Ludwigslust gGmbH, über die Fraktion der Gaffer.

„Das Filmen von Unfällen und die Behinderung von Rettungskräften nimmt leider zu. Die Neugierde von Menschen ist nicht neu. Neu ist jedoch das Bedürfnis, das Leid anderer festzuhalten und in sozialen Netzwerken zu verbreiten. Ich habe den Eindruck, dass der Respekt vor Feuerwehr, Sanitätern und Polizei zunehmend schwindet. Die Polizei kann ja noch Platzverweise aussprechen, wir können nur darauf aufmerksam machen und darum bitten, Platz zu machen, damit unsere Leute arbeiten und Leben retten können. Aber auch das wird allzu oft ignoriert.“

Kommentar der Autors: Gaffer hart bestrafen
Alles, was außerhalb der Norm liegt, weckt das Interesse des Menschen. Psychologen erklären diese Sensationslust als Folge eines Triebes. Dass sich aber immer mehr Herzlosigkeit in unserer Gesellschaft breit macht, sollten wir nicht tolerieren. Gegen die Geschwindigkeit, mit der sich Fotos und Videos im Internet verbreiten, können wir nichts tun, es ist erschreckend. Manchmal erfahren Angehörige eher über das Datennetz vom Tod eines Menschen, ehe die Polizei die Nachricht überbringen kann. Gaffer-Tourismus muss hart bestraft werden. Leidtragende sind immer die Opfer.
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